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Kultur

Schlechte Nachrichten im Kampf gegen das Virus

Die UN hat in ihrer Aids-Bilanz eine gute Nachricht zu verbreiten - und viele, viele schlechte. Die Krankheit breitet sich trotz aller Gegenmaßnahmen schneller aus als jemals zuvor.

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Das UN-Gebäude in New York im Zeichen der Krankheit

Im Kampf gegen die rasante Ausbreitung von Aids in Afrika sind erstmals kleine Erfolge zu verzeichnen. Das ist die gute Nachricht, die die Vereinten Nationen am Donnerstag (2.6.2005) bei einer Konferenz zur Eindämmung von HIV bekannt gaben. Die schlechten überwiegen aber bei weitem: Weltweit ist die Immunschwächekrankheit auf dem Vormarsch - noch nie haben sich so viele Menschen infiziert und noch nie sind so viele Kranke gestorben wie 2004.

Mehr Infizierte und Tote denn je

4,9 Millionen Menschen infizierten sich 2004 mit dem Virus, und 3,1 Millionen starben an Aids, schrieb UN-Generalsekretär Kofi Annan in einem Bericht, der vor der Konferenz mit Ministern aus 36 Staaten veröffentlicht wurde. Eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten stünden nur zwölf Prozent der weltweit sechs Millionen Aidskranken zur Verfügung. "Es ist klar, dass die Seuche unseren Eindämmungsversuchen davonläuft", sagte Annan auf der eintägigen Konferenz in New York. "Tatsächlich breitet sich HIV und Aids immer schneller und auf jedem Kontinent aus."

Besonders Frauen gefährdet

Besonders unter Frauen und Mädchen greift die Seuche um sich, unabhängig davon, ob sie verheiratet oder ledig sind, viele Sexualpartner haben oder monogam leben. "Die Entwicklung geht dahin, dass mehr junge Frauen als junge Männer infiziert werden", hatte Thoraya Obaid vom UN-Bevölkerungsfonds bereits am Mittwoch erklärt. "Wenn sie verheiratet sind, können sie nicht enthaltsam sein", sagte sie. "Sie sind treu, aber der Ehemann ist nicht treu."

UNAIDS Generalsekretär Peter Piot AIDS-Report

UNAIDS Generalsekretär Peter Piot AIDS-Report

Kofi Annan bezeichnete den weltweiten Kampf gegen das HI-Virus als "die große Herausforderung unserer Zeit." Das Millenniumsziel einer Eindämmung der Immunschwächekrankheit Aids bis zum Jahr 2015 ist möglicherweise nicht mehr zu erreichen. Die Seuche breite sich noch immer weiter aus, sagte der Leiter der UN-Kampagne gegen Aids, Peter Piot. "Tatsächlich bewegen wir uns noch auf die Globalisierung der Seuche zu", sagte Piot. Besonders prekär sei die Lage in Osteuropa und Mittelamerika.

"Quantensprung im Engagement"

Der UN zufolge werden in diesem Jahr weltweit die Rekordsumme von acht Milliarden Dollar für den Kampf gegen Aids ausgegeben - 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Trotzdem gibt es Finanzprobleme. Daher sollte bei der Konferenz unter anderem über die Beschaffung zusätzlicher Mittel für die UN-Kampagne beraten werden. Benötigt würden jährlich mindestens 14 Milliarden US-Dollar (12 Milliarden Euro), derzeit stünden nur acht Milliarden zur Verfügung, sagte Piot. Die Aufwendungen müssten auf jährlich 14 bis 16 Milliarden Dollar verdoppelt werden. Piot rief die Teilnehmer der Konferenz, zu einem "Quantensprung im Engagement" auf. Dazu zähle nicht lediglich eine Aufstockung der Finanzmittel, sondern auch eine beständige Finanzierung, damit Infizierte wüssten, dass ihre Behandlung nicht aus Geldmangel abgebrochen werde.

Von den Mitteln für den Kampf gegen Aids haben die reichsten Staaten etwa 6,7 Milliarden Dollar beigetragen, sechs Mal so viel wie 2001. Die größte Einzelsumme kommt dabei von den USA, die im vergangenen Jahr 2,4 Milliarden Dollar ausgaben. Jedoch steht die US-Regierung unter Druck von religiösen Gruppen, das Geld nur für die Förderung der sexuellen Abstinenz auszugeben und zudem nicht für Projekte, die Prostituierte, Homosexuelle oder Drogenabhängige schützen sollen. (sam)

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