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Deutschlehrer-Info

Schlechte Berufschancen für Flüchtlinge

Zwei Drittel der Asylsuchenden in Deutschland sind im erwerbsfähigen Alter – und doch oft zur Untätigkeit gezwungen. Eine Studie kritisiert vor allem die langen Asylverfahren und den mangelnden Zugang zu Sprachkursen.

Nirgendwo in der EU muss ein Asylbewerber so lange warten wie in Deutschland, bis über seinen Asylantrag entschieden wird. Im Durchschnitt dauert die Bearbeitungszeit sieben Monate, bei Flüchtlingen aus Ländern wie zum Beispiel Afghanistan oder Pakistan sogar bis zu eineinhalb Jahre. Das ist der Hauptgrund, warum Flüchtlinge nur schwierig Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt finden, wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen feststellt.

Zwar beträgt die Wartezeit, bis ein Asylbewerber in Deutschland arbeiten darf, mittlerweile nur noch drei Monate, dennoch dauert es für viele länger als ein Jahr, bevor sie einen Job finden. Das liegt nicht nur an der sogenannten Vorrangprüfung, nach der in den ersten 15 Monaten für eine bestimmte Stelle keine geeigneten Deutschen oder EU-Bürger zur Verfügung stehen dürfen. Vor allem sind während der Bearbeitungszeit die Unsicherheit für Arbeitgeber zu hoch und die Perspektiven für Flüchtlinge zu vage.

Dietrich Thränhardt, der Autor der Studie, empfiehlt ein Maßnahmenpaket für eine bessere Vermittlung von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt. An erster Stelle stehe dabei eine bessere Personalausstattung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, das über die Anträge entscheidet. Nur so könne der Bearbeitungsstau aufgelöst werden.

Außerdem sollten Flüchtlinge bereits während der Wartezeit beginnen, Deutsch zu lernen. Zurzeit hätten sie erst in fünf Bundesländern Zugang zu Sprachkursen, weil das Bundesinnenministerium eine Öffnung der sogenannten Sprach- und Integrationskurse für Asylbewerber bislang ablehnt. Wichtig sei auch, den Ausbildungsstand des Flüchtlings zu erfassen und ihn an die Bundesanstalt für Arbeit zu übermitteln.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert Sprachschulungen für Flüchtlinge und eine verbesserte Anerkennung ausländischer Berufs- und Schulabschlüsse. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach kritisiert, dass die Situation von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt häufig ausgenutzt werde. Ihre Qualifikationen würden oft nicht anerkannt und sie würden häufig schlecht bezahlt. Bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen müsse es Sprachunterricht sowie eine Feststellung der Qualifikationen und Förderbedarf geben.

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