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Aktuell Deutschland

Schlechte Aussichten für die Bildungsministerin

Seit Ende Mai steht der Plagiatsvorwurf im Raum, jetzt bestätigt ein offizieller Gutachter: Bundesbildungsministerin Annette Schavan habe bei ihrer Dissertation eine "leitende Täuschungsabsicht" gehabt.

Die Ergebnisse des Gutachters der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität sind umständlich formuliert, aber eindeutig: In einem vertraulichen 75-seitigen Gutachten, aus dem das Nachrichtenmagazin "Spiegel" zitiert, heißt es: "Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren".   

Das Gutachten hat der Judaistik-Professor Stefan Rohrbacher Ende September erstellt. Rohrbacher steht dem Promotionsausschuss vor, der die Arbeit der Ministerin überprüft. Voraussichtlich am Mittwoch will die Kommission entscheiden, welche Empfehlung sie dem Rat der Philosophischen Fakultät der Universität geben wird. Auf dieser Grundlage entscheidet der Rat, ob Schavan ihren Doktortitel behalten darf.

60 von 351 Seiten sind auffällig

Seit mehreren Monaten überprüft die Universität die Dissertation der Bundesbildungsministerin. Eingeleitet hatte sie die Untersuchung nachdem ein anonymer Blogger der CDU-Politikerin Täuschung vorgeworfen und dies auf der Internetseite „Schavanplag.wordpress“ publik gemacht hatte. Der Plagiatsjäger, der sich Robert Schmidt nennt, fand nach seiner Einschätzung in der Arbeit Verstöße, die über gelegentliche Fehler oder Ungeschicklichkeiten hinausgingen und nicht entschuldbar seien.

Bundesministerin für Bildung Annette Schavan bei einer Rede

Schavan bei einem Nobelpreisträgertreffen am Bodensee: Bisher ist sie auch als Wissenschaftlerin gefragt

Der Universitätsgutachter teilt nun offenbar die Sichtweise des Plagiatjägers: Häufig habe die studierte Theologin und Philosophin Schavan statt aus der Originalquelle aus der Sekundärliteratur zitiert, ohne die Primärquellen selbst zu prüfen, wie es wissenschaftlich korrekt gewesen wäre, schreibt der Experte. Beim Übernehmen von Zitaten aus der Sekundärquelle seien ihr zudem Fehler unterlaufen. Diese Arbeitsweise sei ein "wesentliches prägendes Element" der Dissertation.

Ministerin wehrt sich

Nach monatelangem Schweigen hat sich die Ministerin nun zu den neuen Vorwürfen geäußert: "Es trifft mich. Es trifft mich im Kern. Es trifft den Kern von dem, was mir wichtig ist", so Schavan. Die Unterstellung einer Täuschungsabsicht weise sie entschieden zurück, sie habe "sorgfältig gearbeitet". Allerdings gibt sie zu: "Hier und da hätte man auch noch sorgfältiger formulieren können".

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Plagiatsvorwurf: Schavan weist Vorwürfe zurück

Die Bildungsministerin in schwarz-gelben Berliner Regierungskoalition und Honorarprofessorin hatte 1980 mit der Arbeit unter dem Titel "Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" den Doktortitel erlangt. Anders als bei früheren Plagiatsvorwürfen gegen Politiker - etwa gegen den zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) - hat Schavan aber offenbar keine kompletten Textstellen aus anderen Veröffentlichungen übernommen.

nem/qu (dpa, afp, dapd, ots)

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