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Wirtschaft

Schlaraffenland für Bankräuber?

Mit ihrem Euro-Sicherheitskonzept will die Bundesregierung Kriminellen bei der Euro-Umstellung keine Chance lassen.

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Ein Gaunertraum - der größte Euro-Schein.

So stellen sich Panzerknacker das Schlaraffenland vor: Schwer beladene Geldtransporter, die Berge von Münzen und Scheinen quer durch die Republik schaffen; Bürger, die echte Banknoten nicht von falschen unterscheiden können; und dazu noch günstige Gelegenheiten, große Mengen illegal erworbenen Geldes unbemerkt loszuwerden.

Mit der Euro-Bargeldeinführung könnte der Gaunertraum wahr werden. Seit Sommer 2001 finden täglich rund 2.000 Geldtransporte zwischen der Bundesbank, den Landeszentralbanken, Banken, Notendruckereien und den Münzstätten statt. Die Zahl wird bis Ende des Jahres 2001 erheblich steigen, polizeilichen Begleitschutz erhält der Großteil der Transporte nicht. Auch ist es fraglich, ob die Bürger, die ab dem 1. Januar 2001 ihre D-Mark in Euro umtauschen können, bis dahin mit allen Sicherheitsmerkmalen der neuen Währung vertraut sind. Zudem hofft wohl so mancher Verbrecher im allgemeinen Umtauschfieber auf eine gute Gelegenheit zur Geldwäsche.

Dennoch meint Claus Schapper, Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Koordinator für Sicherheitsfragen bei der Euro-Bargeldeinführung, es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Die Polizei und die Banken seien gründlich auf die Bargeldeinführung vorbereitet worden, das Transportgewerbe habe den Schutz der Geldtransporte im Griff: "Entscheidend ist die größere Präsenz der Polizei auf den Straßen. Jeder Verbrecher kann sich darauf einstellen, dass auch dann, wenn ein Transport nicht begleitet wird, die Polizei ihn dennoch schnappt. Die Aufklärungsquote ist schon heute fast 100 Prozent, und sie wird es bleiben."

Auch den Geldfälschern würde ihr kriminelles Geschäft erschwert, da der Euro ganz neue, komplizierte Sicherheitsmerkmale aufweise. Im Detail würden diese erst spät bekannt gegeben werden, so dass Verbrecher wenig Zeit hätten, um vor dem 1. Januar 2002 Falschgeld herzustellen und die allgemeine Unsicherheit über das neue Geld auszunutzen.

Die Panzerknacker verstauen also besser die Strumpfmaske in der Schublade, die Geldfälscher stellen die Druckmaschine auf den Dachboden. Doch Bankräuber und Entführer, die bisher ihre Beute verstecken mussten, könnten jetzt eine Gelegenheit zur Geldwäsche wittern. Allerdings werden insbesondere bei Erpressungen die Registriernummern der gezahlten Scheine erfasst, um die Kriminellen spätestens beim Ausgeben des Geldes zu ertappen. Theoretisch könnten die Täter jetzt darauf setzen, mit dem Euro-Umtausch an "sauberes Geld" zu kommen. Doch Staatssekretär Schapper bezweifelt, dass Entführer und Bankräuber das registrierte Geld unbemerkt in neue Euros umtauschen könnten: "Im Gegenteil kann man sagen, das ist eine Chance für die Polizei, Leuten auf die Spur zu kommen, die jetzt einfach ihr gehortetes, kriminell erworbenes Geld loswerden wollen."

Denn gerade in der Umtauschphase würden Banken die eingetauschten D-Mark gründlich prüfen und deren Nummern mit Informationen aus Registriergelddateien vergleichen. Was aber passiert, wenn sich das gehortete Geld gar nicht in Deutschland befindet? Denn schließlich kursiert 30 bis 40 Prozent des ausgegebenen D-Mark Bestandes im Ausland, vor allem in Ost- und Südosteuropa. Zwei Milliarden D-Mark sind allein im Kosovo im Umlauf, auch in Montenegro ist die D-Mark als offizielle Währung anerkannt. In Russland befinden sich ebenfalls große Mengen D-Mark im Umlauf.

Während in Deutschland aber bei einem Umtausch von größeren Beträgen der Bankkunde seine Identität angeben muss und die Bank den Vorgang dokumentiert, ist dies in Russland nicht der Fall. Auch Staatsekretär Schapper gibt zu, dass die russische Gesetzeslücke mit Hinblick auf die Einführung des Euro bedenklich sei. Die Strafverfolgung eines Kriminellen, der in Russland D-Mark wasche, sei schwierig. Doch hofft er auf die Kooperation der deutschen Banken im Ausland: "Wir wissen, dass in Osteuropa viel deutsches Geld kursiert. Wir wissen, dass in Russland Geldwäsche kein Straftatbestand ist. Wir können aber davon ausgehen, dass das meiste D-Mark-Bargeld den Filialen deutscher Banken angeboten wird, und dannn gilt auch das deutsche Geldwäschegesetz."

Insgesamt meinen sowohl das Bundesinnenministerium als auch das Bundeskriminalamt, die Kreditinstitute und der Handel, gegen Geldwäsche, Eigentumsdelikte und Falschgeld gut abgesichert zu sein, und in den nächsten Monaten wird man auch die Bürger noch genauer über Sicherheitsmaßnahmen informieren, damit sie nicht Opfer von raffinierten Euro-Betrügern werden. Wenn ab Januar 2002 sich dann Bürger, Banken und die Polizei ruhig und aufmerksam im Euro-Trubel verhalten, wird der Gaunertraum sich wohl doch nicht verwirklichen.

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