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Politik

Schlaflos im Tross des Außenministers

Teure Büffets und luxuriöse Betten in Fünfsternehotels? Von wegen! Nina Werkhäuser gibt Einblicke in das schlaflose Leben im Gefolge der Politik.

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Außenpolitische Korrespondenten haben es gut! Sie dürfen mit dem Minister des Äußersten um die halbe Welt reisen und die Großen dieser Welt aus der Nähe sehen. Sie laben sich an schicken Büffets und räkeln sich in den weichen Betten luxuriöser Fünfsternehotels. So denken die Kollegen, die sich mit den Verästelungen der Gesundheits- oder Arbeitsmarktpolitik beschäftigen, und sie haben ja nicht ganz Unrecht. Aber trotzdem wird es jetzt endlich mal Zeit, die rosarote Brille abzusetzen und sich der rauen Wirklichkeit der Diplomatie zu stellen!

Zunächst zu den Hotelzimmern: Manche sind wirklich schön, aber mehr als drei Stunden Schlaf sind selten drin, wenn der Außenminister samt Tross um die Welt jettet. Da ist buchstäblich jede Minute verplant, egal ob tagsüber oder nachts. Der Flug ins nächste Land bietet noch genug Zeit fürs Power Napping, das lebenserhaltende Nickerchen. An den hochgelobten Büffets beträgt die durchschnittliche Verweildauer elf Minuten, und die Hälfte der Speisen muss je nach Land liegengelassen werden, um keinen Durchfall zu riskieren. Der Verzehr eines Tellers voll mit gekochtem Reis wird dann oft noch von einem Briefing begleitet. Essen und schreiben zugleich, auch das muss ein außenpolitischer Korrespondent können, wenn er überleben will. Von den besuchten Städten sieht man natürlich außer dem Flughafen und der Hauptstraße rein gar nichts.

Und dann ist da noch der Koffer, der während einer solchen Reise praktisch in Staatseigentum übergeht. Der Gepäckmeister entscheidet, wann der Koffer aus Sicherheitsgründen persönlich abgegeben und verplombt werden muss. Überflüssig zu erwähnen, dass das immer Stunden vor der Abreise um 7 Uhr morgens ist. Mit anderen Worten: Dem eigenen Koffer begegnet man auf einer solchen Reise eher selten. Wenn es dann in einem Land am Morgen heiß und im nächsten am Abend kalt ist – Pech gehabt! Da helfen nur praktische Klamotten und der Abschied von jedweder Eitelkeit.

Und dann erst die lieben Kollegen in der Zentrale, die hinter jedem Treffen des Außenministers gleich eine "diplomatische Initiative", einen "Durchbruch" oder eine "neue Strategie" wittern. Irgendwie verständlich, aber leider nicht immer richtig. Außenpolitik heißt vor allem: Reden, Kontakte knüpfen, Positionen abgleichen, und das alles hinter verschlossenen Türen. Manchmal kann das sehr spannend sein, aber oft genug starrt man auf den Bildschirm des Laptops und denkt: Völker dieser Welt, helft mir mit einer Idee für meinen Text!

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