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Wirtschaft

Schlüssel für den Reichstag

Sicherheit geht vor: Das mittelständische deutsche Unternehmen CES rüstet den Reichstag und das Kanzleramt in Berlin mit High-Tech-Schließanlagen aus – genauso wie Luxusyachten von Scheichs oder russischen Oligarchen.

Deutscher Bundestag, Reichstagsgebäude (Foto: dpa)

Reichstagsgebäude in Berlin

Ausgeklügelte Sicherheitsschließsysteme aus Deutschland sind weltweit gefragt. So wie die von CES, einem mittelständischen Unternehmen, das in der nordrhein-westfälischen Stadt Velbert in der Nähe von Düsseldorf beheimatet ist. CES gehört mit rund 450 Mitarbeitern zu den international führenden Herstellern.

CES-Leiter Werkzeugbau Rolf Sodtner mit Auszubildenden (Foto: CES)

Rolf Sodtner (l.), mit Azubis

Bei der Produktion wird jeder Schließzylinder neu berechnet und enthält rund 150 Sperrelemente. Und das in einem Maßbereich von zwei Hundertstel Millimetern. Sicherheit, sagt Rolf Sodtner, sei schließlich eine Frage der Präzision. An solchen Schließsystemen, zeigt sich der Leiter Werkzeugbau bei CES überzeugt, scheitern über 90 Prozent der Einbrecher.

Tradition verpflichtet

Eckhart Leptien, CES-Geschäftsführer (Foto: CES)

Geschäftsführer Eckhart Leptien

CES steht für Carl Eduard Schulte, der das Unternehmen vor 140 Jahren gründete. In der sechsten Generation nach dem Gründer stellen Zylinderschlösser das Kerngeschäft dar - ein über viele Jahrzehnte erworbenes Know-how, das auch anspruchsvolle Kunden zufrieden stellt.

Kunden, von denen Geschäftsführer Eckhart Leptien weiß, dass für sie Sicherheit über alles geht. "In Deutschland sind wir natürlich besonders stolz auf unser Paradeobjekt: den Reichstag." Dahinter steckt übrigens mehr als nur das Reichstagsgebäude, nämlich die komplette Bundestagsverwaltung. Ausgestattet hat CES im ganzen Regierungsviertel noch einige andere Ministerien, bis hin zum Kanzleramt.

Kanzlerin kann beruhigt sein

Dass etwa ein untergeordneter Mitarbeiter die Tür zum Büro von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit seinem Schlüssel aufschließt, das sei, merkt Leptien mit einem verschmitzten Lächeln an, bei dem ausgeklügelten System einfach nicht möglich. "Weil die Zylinder und die Schlösser, die wir herstellen, Unikate sind. Und da wird sehr genau darauf geachtet, dass es keine Überschneidungen gibt." Im Berliner Polit-Betrieb könnte ein Generalschlüssel zwar sämtliche Türen öffnen und Einblicke ermöglichen, doch den gebe es aus Sicherheitsgründen nur auf dem Papier - produziert wurde er nie.

Kundenorientierte Sicherheits-Maxime plus Diskretion sind in dem Geschäft mit Schlössern das A und O. Das gilt nicht nur für das deutsche Kanzleramt, sondern auch für Kunden in aller Welt.

International gefragtes Know-how

Burj Dubai, mehr als 800 Meter hoch - das höchste Gebäude der Welt (Foto: AP)

Burj Dubai - mehr als 800 Meter hoch

Zum Beispiel auch im Burj Dubai, dem höchsten Wolkenkratzer der Welt. Dort ist ein Luxus-Hotel unter gebracht, in dem CES-Experten rund 2.500 Sicherheitszylinder eingebaut haben. Mehr wird nicht verraten. Auch nicht darüber, welche Schließanlagen man für das Weiße Haus in Moskau, dem traditionellen Sitz der russischen Regierung, geliefert hat. Bei der Restaurierung der Frauenkirche in Dresden ging es vor allem darum, den Zustand des Baus um Mitte 1700 wieder her zu stellen. Das hieß: alte Schlösser mit moderner Technologie nachzuempfinden.

Kein Problem für die Qualitätsabteilung von CES, die auch der Polizei bei kniffligen Fällen unter die Arme greift. "Wir arbeiten", bestätigt Eckhart Leptien, "auch eng mit kriminalpolizeilichen Stellen zusammen. Wir kriegen Schlüssel oder Zylinder zugeschickt mit der Fragestellung: wie ist dort geöffnet worden und ist überhaupt gewaltsam geöffnet worden."

Elektronische Lösungen

Frei nach dem Motto: "Das Böse ist immer und überall", sind Ingenieure bei CES ständig damit beschäftigt, kriminellen Machenschaften durch neue Sicherheitskonzepte gezielt einen Riegel vorzuschieben. Und das nicht nur auf dem Einbruchssektor.

So etwa bei der Entwicklung von elektronischen Schlössern für sensible Krankenhausbereiche, wie CES-Sprecherin Sylvia Lambach erläutert. "Es kann ja vorkommen, dass Säuglinge entführt werden. Das ist ja wirklich ein trauriges Thema." Unter diesem Aspekt setzt man bei CES auf elektronische Transponder, die sowohl das Baby als auch die Krankenschwester tragen. Nur wenn beide gemeinsam Türen mit entsprechenden Daten-Leseeinheiten passieren, öffnet sich diese. Falls unberechtigte Personen mit einem Kleinkind die Station verlassen wollen, wird Alarm ausgelöst.

Abramowitsch nutzt CES

Zurzeit machen elektronische Sicherheitssysteme erst etwa zehn Prozent des gesamten CES-Jahresumsatzes von 40 Millionen Euro aus. Allerdings weist die Umsatzkurve steil nach oben. Noch spülen hochwertige mechanische Schließsysteme das meiste Geld in die Kassen. Von Schlössern für Warenautomaten bis hin zu Aufträgen von kapitalkräftigen Großkunden, die sogar ihre luxuriösen Yachten mit Sicherheitsschließanlagen von CES ausrüsten lassen.

Die Mega-Yacht Eclipse des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch (Foto: dpa)

Die Mega-Yacht "Eclipse"

Dazu gehören sowohl Scheichs aus dem Mittleren Osten als auch russische Oligarchen. Einen Namen kann Eckhart Leptien bei aller Diskretion doch nennen: "Ein jüngstes Beispiel war die Yacht von Herrn Abramowitsch, die 'Eclipse'." Eine Yacht der Superlative mit über 130 Innentüren. Zugang zu den Kabinen hat nur, wer über den jeweils passenden Schlüssel für die eingebauten Zylinder von CES verfügt.

Autor: Klaus Deuse
Redaktion: Klaus Ulrich

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