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Filme

Schlöndorff im Gespräch

Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff über seine Anfänge als Regisseur in Frankreich, über die Zeit des Neuen Deutschen Films und über seinen Ruf als Literaturspezialist.

Schlöndorff vor DW-Übertragungswagen (Jochen Kürten)

Großer Kommunikator: Volker Schlöndorff

Volker Schlöndorff kann auf ein bewegtes Leben als Regisseur zurückblicken. Angefangen hat er als Regieassistent in Frankreich. In den 1960er und 1970er Jahren gehörte er zu den bekanntesten Regisseuren des Neuen Deutschen Films. Schon früh hatte er den Ruf ein geübter Literaturspezialist zu sein. "Die Blechtrommel" machte ihn weltberühmt. Auch in den USA hat er Filme gedreht. In den letzten Jahren arbeitete er vor allem wieder in Euopa. Über seine verschiedenen Arbeitsphasen hat Jochen Kürten anläßlich seines 70. Geburtstages mit ihm gesprochen.

Schlöndorff hinter Mikro in DW-Übertragungswagen (Jochen Kürten)

Zu Gast im DW-Studio: Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff

DW-WORLD.DE: Herr Schlöndorff, für einen deutschen Regisseur haben Sie einen relativ ungewöhnlichen Weg beschritten. Begonnen haben Sie als Regieassistent in Frankreich. Wie kam es eigentlich dazu?

Volker Schlöndorff: Ganz einfach, weil es in Deutschland Ende oder Mitte der 1950er Jahre gar keine Möglichkeit gab. Ich glaube ich bin 1956 - ich war ja aus Wiesbaden -, zu den Filmstudios "Unter den Eichen" gegangen. Da wurde ein "Martin Luther-Film" damals gedreht, ein englischer mit großem Aufwand. Da hat Romy Schneider ihren ersten Film gemacht. Und da bin ich mal hin und wollte im Kopierwerk anfangen zu arbeiten. Und da hat der Kopierwerksleiter zu meinem Vater gesagt, um Gottes Willen, lassen sie ihren Sohn etwas Anständiges lernen. Also diese Verachtung für den Beruf! Ich habe mich auch bei Rolf Thiele oder anderen beworben, als Praktikant. Aber das kam überhaupt nicht in Frage....

Also, es gab buchstäblich keine Ausbildungsmöglichkeiten und ich bin dann den Umweg über Frankreich gegangen. Bin dort eine zeitlang zur Schule gegangen und hatte mich eingeschrieben für die Filmhochschule. Großer Andrang natürlich, so wie bei uns auch heute. Nur damals war die praktisch in Westeuropa die einzige. Als ich dann schließlich mein Entree hatte, meinen Studienplatz, konnte ich gleichzeitig bei Louis Malle als fünfter Volontär anfangen. Das habe ich vorgezogen. Habe gedacht, ich kann immer noch auf die Schule gehen.

Filmszene aus dem Film Letztes Jahr in Marienbad, französischer Schloßpark mit Bäumen und Menschen (Kinowelt/Arthaus)

Regieassistent beim Klassiker "Letztes Jahr in Marienbad"

Sie haben Louis Malle erwähnt, Jean Pierre Melville und Alain Resnais müsste man noch nennen, der "Letztes Jahr in Marienbad" gemacht hat. Ihr Buch, das Sie vor kurzem geschrieben und veröffentlicht haben, zeigt aber, dass Louis Malle Ihr großer Leitstern war, ihr Vorbild. Was hat Sie so fasziniert an diesem Regisseur?

Das war nicht die Regie. Das war der Mensch. Während ich von Melville sehr viel rein Handwerkliches wunderbar übernehmen konnte und er in diesem Sinne ein Meister, ein Vorbild, war, ist der Louis Malle sehr schnell ein sehr guter Freund geworden. Das hat ja angehalten über 30 Jahre bis zu seinem Tod vor 10 Jahren. Der war ja irgendwie, kann ich sagen, der wichtigste Mensch in meinem Leben. Das hat sich so allmählich entwickelt. Ich bin da so rein gekommen. Ich war natürlich auch der Provinzler. Da war das französische Großbürgertum. Das war einfach ein Lebensstil und ein Umgang in Paris, wo ich wirklich rein gekommen bin auf einem Umweg über ihn. Ich habe mit ihm viele Reportagen und Auslandsreisen gemacht: in Algerien während des Krieges, in Vietnam zu Anfang des dortigen Krieges, Filme in Mexiko und anderswo. Also, der Louis ist irgendwie für mich bis heute jemand, der mir immer präsent ist. Also, ich unterhalte mich im Geiste mit ihm.

Jetzt kommen wir mal nach Deutschland. Sie sind damals zum Neuen Deutschen Film gekommen, nicht wie die Jungfrau zum Kind, aber aus Frankreich! Mit dieser internationalen Erfahrung auch. Algerien, Vietnam haben Sie angesprochen. Haben Sie sich eigentlich damals

dazugehörig gefühlt?

Schlöndorff in einer Menschenkette bei Protesten, neben ihm Alfred Mechterheimer und Günter Grass, 1983 in Schwäbisch-Gemünd. (dpa)

Engagiert: Schlöndorff, hier mit Alfred Mechtersheimer und Günter Grass 1983 in Schwäbisch-Gemünd.

Nicht auf Anhieb. Nein, das war ganz eigenartig. Also ich war beeindruckt, ich habe gleich in den ersten Wochen Alexander Kluge kennen gelernt. Der hat mir sogar ein Apartment untervermietet. Und bald darauf auch den Werner Herzog und die ganze Gruppe um Kluge, Peter Schamoni und Ulrich Gregor. Die kamen ja sehr von der Theorie her, von der ´Frankfurter Schule´, von der Soziologie...., was Film alles leisten müsste in der Gesellschaft.... Ich kam als Praktiker. Kam mir eher vor wie der Profi und war etwas skeptisch diesem theoretischen Anspruch gegenüber. Das hat sich dann aber sehr schnell gegeben, weil Kluge dann „Abschied von gestern“ gedreht hat. Er kam, glaube ich, ein paar Monate nach dem "Törless" heraus. Auf einmal waren da ein paar Filme. Ja, und dadurch wurden die dann auch zu Profis und wir haben uns dann irgendwie gegenseitig hochgeschaukelt.

Und Sie haben dann vor allem Literatur-Verfilmungen gemacht. Sie sind nicht zu diesen geflüchtet! Denn Sie hatten schon mit Musil begonnen! Aber Sie sind dann der große Literatur-Verfilmer in Deutschland gewesen. Haben Sie als Kind auch immer schon so gerne gelesen? Und haben Sie dann einfach versucht das ins andere Medium zu transportieren?

Ja, also ich war als Jugendlicher immer ein großer Leser. Ich bin es heute noch. Ich muss jede Nacht irgendwo in einem Buch lesen. Nicht nur aus Schlaflosigkeit, sondern weil das mich interessiert. Das sind so Momente, wo man mit sich alleine ist und in einer anderen Welt lebt. Aber ich hatte nie vor Literatur-Verfilmer zu werden.

Das ganze Interview, in dem Volker Schlöndorff über die weiteren Lebensstationen spricht, können Sie auch bei uns hören, einfach unten anklicken.

Das Interview hat Jochen Kürten geführt

Redaktion: Conny Paul

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