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Politik

Schimpf und Schande

Über die Amerikaner kann man sagen, was man will: Freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend sind sie. So denkt man in Europa. Die Amerikaner selbst sind anderer Meinung. DW-TV-Korrespondent Konstantin Klein berichtet.

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Himmel, #@&%%*! und Wolkenbruch, haben die Leute denn keinen Anstand mehr? Mehr als ein Drittel der Amerikaner bekennt sich schuldig, in der Öffentlichkeit zu fluchen oder anderweitig unangemessene Worte zu wählen. Ungefähr ebensoviele geben zu, sich im Straßenverkehr gelegentlich wie eine gesengte Sau zu verhalten. Das sind Ergebnisse einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Public Agenda jetzt abgeschlossen hat.

Acht von zehn Amerikanern sehen danach Respektlosigkeit, Unhöflichkeit und Grobheit als ernstes Problem der amerikanischen Gesellschaft an. 61 Prozent der Befragten sagten, das Problem sei in den letzten Jahren schlimmer geworden.

Bemerkenswert dabei ist, daß in den unzähligen Talkshows, die sich nach dem Erscheinen der Umfrage mit dem Thema befaßt haben, Anrufer vor allem zwei Punkte ansprachen: unhöfliche Verkäufer und die bereits angesprochenen gesengten Säue auf den Straßen. Also genau die beiden Personengruppen, deren Verhalten Reisenden aus Europa oft so positiv auffällt.

Tatsächlich: Der amerikanische Straßenverkehr, der von ebenso diensteifrigen wie schlechtgelaunten Cops überwacht wird, kommt einem Neuankömmling aus Berlin, Rom oder gar Athen wie das Verhalten einer friedlichen Schafherde vor. Städte wie New York, Washington oder Los Angeles mal ausgenommen; dort sind die Hammel in der Mehrheit. Und das freundliche "How may I help you?" über den Ladentisch ist nach wie vor Standard. Schlußfolgerung: Die Amerikaner sind möglicherweise unfreundlicher geworden, aber ganz bestimmt dünnhäutiger.

Gründe für die Entwicklung gibt es viele: die Befragten nannten unter anderem überfüllte Terminkalender und ebensolche Einkaufszentren. Nur eine Frau aus Texas fand den wahren Schuldigen: Elvis Presley. Mit seinem Hüftschwung fing alles an, sagt sie.