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Nahost

Schimon Peres und die Magie der Macht

Er könnte schon längst Bücher und Autobiografien schreiben, so viel hat er in seinem Politikerleben erfahren. Aber er will noch nicht. Mit 83 Jahren wurde Schimon Peres zum israelischen Präsidenten gewählt.

Schimon Peres (AP)

Schimon Peres

Politischen Abgesang auf Schimon Peres hat es schon oft gegeben. Und immer wieder überraschte der wendige Politiker, immer wieder kam er aus Krisen und Problemen als Gewinner hervor. Mit 83 Jahren ist Peres inzwischen der Dinosaurier der israelischen Politik, und er kann es nicht lassen: Ein Leben als Privatier, noch dazu als Rentner, ist für ihn ebenso unvorstellbar wie Urlaub oder privates Freizeit-Vergnügen. Die Macht zieht ihn magisch an, für sie ist er selbst bereit, die Partei zu wechseln. Fest überzeugt, dass man ihn doch brauche. Am Mittwoch (12.6.) trat er zur Präsidentschaftswahl an - und wurde gewählt.

Noch nie demokratisch gewählt

Dabei halten viele in der israelischen Bevölkerung Peres schon lange für entbehrlich. Vielen Israelis ist der aus Polen stammende Politiker zu elitär, zu eingebildet oder zu Macht besessen. Was auch immer die Gründe sind: Man traut ihm nicht, und so ist es die Tragik dieses Mannes, dass er zwar schon wiederholt Regierungschef und noch öfter Minister war, niemals aber auf Grund eines von ihm errungenen Wahlsieges. Selbst als er nach der Ermordung Izchak Rabins kandidierte, verlor er knapp gegen Benjamin Netanjahu und konnte nicht beweisen, dass das Oslo-Abkommen mit der PLO ein vernünftiger Schritt in Richtung auf einen Frieden war.

Hohes Ansehen im Ausland

Friedenspolitiker Schimon Peres mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Jerusalem, Handshake (23.7.2006)

Friedenspolitiker Schimon Peres mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Jerusalem (23.7.2006)

Ganz anders im Ausland: Da ist Peres ein angesehener Vertreter des kultivierten Israel und gilt als Vordenker der israelischen Friedenspolitiker. Weil sich seine Worte so wohltuend abheben von den harten Sprüchen so vieler anderer Israelis: "Jedes Volk wählt seine eigenen Führer. Wir wählen nicht die palästinensischen und die nicht die israelischen [Führer]. Und keiner von uns kann dem Frieden entgehen. Es gibt keine bessere Alternative," so Peres. Er plädiert für den friedlichen Dialog, damit sich beide Seiten ihrer Fehler bewusst würden. "Wir können nur die Zukunft korrigieren, nicht die Vergangenheit".

In den Aussagen unverbindlich


Peres tritt auf Podiumsdiskussionen in Katar auf oder in Jordanien, er hat auf alles etwas zu sagen, bleibt dabei aber unverbindlich. Wer von ihm konkrete Aussagen hören will, der bleibt meistens enttäuscht und wer von ihm das Eingeständnis von Fehlern erwartet, ebenso.

Ehemaliger Israelischer Premierminister Ariel Scharon (links) und sein Vize Schimon Peres in der Knesset (20.7.2005), (AP)

Ehemaliger Israelischer Premierminister Ariel Scharon (links) und sein Vize Schimon Peres in der Knesset (20.7.2005)

Peres hat sein Leben lang für ein starkes Israel gearbeitet, er hat die Grundlage geschaffen für die israelische Atompolitik, und er ist nicht bereit, sich auf Konzessionen einzulassen, die Israels Sicherheitsanforderungen schmälern könnten. Selbst wenn dies manchmal anders klingen mag:

"Alle sind sich einig, dass es zwei Staaten geben soll. Nur: Die Palästinenser wollen zwei palästinensische Staaten und die Israelis wollen zwei israelische Staaten. Das wird nicht klappen: Es wird nicht einen Siedlerstaat neben Israel geben. So wie es auch keinen palästinensischen Staat geben wird und eine palästinensische Mehrheit in Israel. Das ist Unsinn." Peres spricht sich für eine Zweistaatenlösung aus, die das Land nach demografischer, Sicherheits- und politischer Logik aufgeteilt.

Parteienwechsler Peres


Im Klartext ist das ein Plädoyer für die Siedlungspolitik und gegen die Rückgabe aller 1967 besetzten Gebiete. Deswegen fiel es Peres auch leicht, von der Arbeitspartei zur konservativen "Kadima" von Ehud Olmert zu wechseln, als dessen Stellvertreter er fungiert. Politisch aber ist sein Einfluss mehr als begrenzt und deswegen kam er wohl zu der Überzeugung, dass es ein schöner Abschluss seiner Karriere sein könnte, doch noch ins Präsidentenamt einzuziehen, woran ihn vor Jahren der bis dahin farb- und namenlose Mosche Katzav gehindert hatte, der dann aber über diverse Affären strauchelte.

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