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Politik

Schimon Peres feiert 80. Geburtstag

Schimon Peres gehört zu den Gründervätern Israels. Und obwohl er diesen Freitag (15.8.) seinen 80. Geburtstag feiert, darf die Politik in Israel noch lange mit ihm rechnen. Stationen seines Lebens.

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Geburtstagskind Schimon Peres fühlt sich fit für neue Taten

Die in letzter Zeit immer häufiger zerstrittene und bei Wahlen hoffungslos unterlegene sozialdemokratische Partei hat ihn an ihre Spitze berufen, weil sie keinen besseren fand. "Nur bis nächstes Jahr" – so heißt es offiziell und so versichert auch Peres, aber man weiß ja nie. Mit 80 ist Shimon Peres Ältester und zugleich Dienstältester in der Knesset, dem israelischen Parlament, dem er seit 1959 ohne Unterbrechung angehört.

Umstrittener Träger des Friedensnobelpreises

Treffen Peres und Arafat

Historischer Händedruck: Shimon Peres und Yassir Arafat

Peres gehört zu den Gründervätern des jüdischen Staates und ist bei der Staatsgründung enger Mitarbeiter von David Ben Gurion. Der letzte dieser Generation, der heute noch aktiv ist. Wahlen hat er nie direkt gewonnen und dennoch dient er wiederholt für kurze Zeit als Ministerpräsident, dreimal war er Außenminister, mehrmals Parteivorsitzender, sein Haupt-Renommée aber gewinnt er als Vordenker des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses. Hierfür erhält er – zusammen mit Yasser Arafat und dem damaligen israelischen Premier Yitzchak Rabin - 1994 den Friedens-Nobelpreis.

Diesen Preis wollen ihm verschiedene Menschenrechtsgruppen später wieder aberkennen lassen, weil Peres als Außenminister der Scharon-Regierung die Wiederbesetzung palästinensischer Städte unwidersprochen hingenommen habe, es bleibt aber beim Antrag und trotz solcher Kritik hält Peres an seiner Vision vom Frieden fest. Es ist diese Vision, die 1993 zu Geheimverhandlungen zwischen Israel und der PLO in Norwegen führt, obwohl Kontakte zur PLO damals in Israel noch unter Strafe stehen. Die Verhandlungen führen zu den Oslo-Abkommen im September 1993, die zum erstenmal eine realistische Chance für die Beendigung des alten Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern auftun.

Die Macht des Taktierers

Peres muss nicht nur Zweifler in der israelischen Bevölkerung überzeugen, sondern auch den eigenen Regierungschef: Rabin ist anfangs zumindest mehr als skeptisch gegenüber den Verhandlungen und man kann ihm förmlich ansehen, wie widerstrebend er PLO-Chef Arafat zum erstenmal die Hand reicht. Shimon Peres ist eine widerspruchsvolle Persönlichkeit - belesen, geistreich und entschlossen, beharrlich, ausdauernd und dennoch nicht wirklich durchsetzungsfähig: Seine Machtposition in der Arbeiter-Partei verdankt er geschicktem Taktieren und nicht selten werden ihm Intrigen nachgesagt.

Was sein Verhältnis zu Rabin trübt, ihn aber auch bei den Wählern in Misskredit bringt. In ihren Augen leidet er unter unbändigem Machthunger, der ihn auch dazu verleite, Prinzipien und Ideale zu opfern. So steht Peres als Außenminister zur Verfügung, als "Likud"-Chef Scharon gewählt wird und mit dem Ausscheiden von "labour" aus der Regierung Scharon im Herbst 2002 scheint dann zwar auch für Peres endgültig der Schlussstrich gezogen, aber nach einem verheerenden Zwischenspiel mit dem glücklosen Amram Mitzna holt die Arbeiterpartei sich nun Peres wieder als Vorsitzenden.

Begründer des israelischen Atomprogramms

Der Hang zur Macht erklärt sich wohl am besten aus dem Werdegang von Peres: 1923 in Weißrussland geboren, wandert er als Elfjähriger mit seinen Eltern ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina ein, verbringt einige Jahre im Kibbutz und wird als 20-Jähriger Sekretär der Kibbutz-Jugendbewegung. Peres wird für die "Hagana" aktiv - die wichtigste jüdische Untergrundbewegung im Kampf gegen die britische Mandatsmacht. Peres wirbt für die Hagana Leute an und besorgt Waffen. David Ben Gurion erkennt das Talent schon früh und macht Peres zum Leiter der Vertretung des jungen Verteidigungsministeriums in den USA und später zu dessen Generaldirektor.

In diesen Funktionen hat sich Peres den Ruf eines Vaters der israelischen Rüstungsindustrie und der israelischen Luftwaffe erworben und der jahrelangen engen Zusammenarbeit mit Frankreich entspringt ein drittes Kind: Das israelische Nuklearprogramm, das - mit französischer Hilfe - unter großer Geheimhaltung entwickelt wird und durch das Israel längst zur Atommacht geworden ist. Ein Thema, über das Peres nicht gerne spricht. Von ihm stammt die – sicher nicht zutreffende – Formel, Israel werde "nicht die erste Atommacht in der Region" sein. Israel versteckt sich gerne hinter solchen Erklärungen, es attackiert aber kompromisslos Pläne anderer Staaten der Region, selbst Atommacht zu werden.

Keine Alternative zum Frieden

Peres bleibt bei all dem seinem großen Ziel treu: Eine friedliche Regelung mit den Palästinensern zu finden. Wobei er einer der ersten ist, die in Israel offen für das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat eintreten. Zur Erreichung dieses Ziels hat Peres unzählige Ideen entwickelt – von der "nahöstlichen Wirtschaftsgemeinschaft" bis hin zur "internationalen Hauptstadt Jerusalem" und so sehr solche Dinge auch skeptisch betrachtet werden, in ihrem Hintergrund steht doch auch immer die ebenso simple wie zutreffende Erkenntnis von Peres, dass es keine Alternative zum Frieden gebe und dass man zwar die Vergangenheit nicht mehr korrigieren könne, sehr wohl aber die Zukunft.

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