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Nahost

Schild ohne Schutz

Die Nutzlosigkeit der israelischen Invasion in den besetzten Gebieten Palästinas hat sich auf blutige Weise erwiesen. Ein neuer Selbstmordanschlag hat Israel erschüttert.

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Alle Panzer halfen nichts gegen entschlossene Einzeltäter

Bei der Explosion in einer Spielhalle der Stadt Rischon Letsion bei Tel Aviv am Dienstagabend (7.5.2002) wurden 17 Menschen getötet und 60 weitere verletzt. Es war der erste Selbstmordanschlag seit knapp vier Wochen. Am Mittwoch sprengte sich zudem ein Attentäter nahe der Hafenstadt Haifa in die Luft, tötete dabei allerdings keine weiteren Menschen.

Rachepläne und Schuldzuweisungen

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon brach seinen Besuch in den USA sofort ab und kündigte Vergeltung an. "All diejenigen, die glauben, durch den Terror gewinnen zu können, werden aufhören zu existieren", sagte Scharon nach Angaben der israelischen Zeitung Haaretz vom Mittwoch vor seinem vorzeitigen Abflug aus den USA.

Scharon bricht USA-Reise ab

Gleichzeitig machte er Palästinenserpräsident Jassir Arafat für das Attentat in einer Billard-Halle der Ortschaft Rischon Letsion verantwortlich. Dieser wies die Verantwortung von sich. Arafat verurteile die Tat in schärfster Form, sagte der ehemalige palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat dem US-Sender CNN. Die Autonomiebehörde werde alle erdenklichen Maßnahmen ergreifen, sollte sich bewahrheiten, dass Palästinenser hinter dem Anschlag stehen. "Wir entschuldigen die Tötung von Zivilisten nicht", seien es Palästinenser oder Israelis, sagte Erekat.

In einer von der Autonomiebehörde in Gaza verbreiteten Erklärung wurde den Hintermännern des Anschlags vorgeworfen, gegen die Interessen des palästinensischen Volkes zu handeln. "Dieser Anschlag zielt darauf, die Behauptungen Scharons zu unterstützen, dass ein Frieden mit den Palästinensern nicht möglich sei", hieß es. Er führe zur Vergeltung und scharfen Maßnahmen gegen die palästinensische Bevölkerung.

Hamas: Israel hat den Krieg verloren

Zu dem Anschlag bekannte sich die radikal-islamische Hamas- Bewegung, deren Hochburg der Gaza-Streifen ist. Von dort kam nach Informationen aus israelischen Sicherheitskreisen auch der Attentäter. Hamas-Sprecher Abdel Aziz Ranteesi konnte dies jedoch zunächst nicht bestätigen. "Es war eine Märtyrer-Operation, die deutlich macht, dass Israel seinen Krieg gegen den palästinensischen Widerstand verloren hat", sagte Ranteesi der Deutschen Presse-Agentur. Der außenpolitische Berater Scharons, Salman Shoval, sagte einem deutschen Radiosender, Arafat könne erneut unter Hausarrest gestellt werden.

Erneuter Militärschlag möglich

Nach dem Anschlag bereitete sich die israelische Armee auf eine mögliche neue Großoffensive in den Palästinensergebieten vor. Der israelische Armeesprecher Ron Kitri sagte am Mittwoch, die Streitkräfte seien auf die Möglichkeit gefasst, dass die Regierung eine ähnliche Offensive wie die "Operation Schutzschild" anordnen könnte. Während der Offensive, die am 29. März begonnen hatte, sind nach palästinensischen Angaben etwa 320 Palästinenser getötet worden. Armeesprecher Kitri sagte weiter, das Militär könnte bei einer neuen Operation "andere Methoden" im Kampf gegen Extremisten wählen, möglicherweise ohne eine große Mobilisierung von Reservesoldaten.

Entsetzen und Verärgerung in Europa

Die Europäische Union hat den Selbstmordanschlag scharf verurteilt. Solche blindwütigen Angriffe auf unschuldige Zivilpersonen seien unwürdig und müssten gestoppt werden, erklärte der Außenpolitische Beauftrage der EU, Javier Solana, am Mittwoch in Brüssel.

Auch die deutsche Bundesregierung verurteilte den Anschlag. Es sei der Versuch, mit Terror und Gewalt den Einstieg in eine politische Lösung im Nahen Osten zu verhindern, hieß es in einer in der Nacht verbreiteten Erklärung von Bundesaußenminister Joschka Fischer. Die Rettungs- und Bergungsarbeiten am Ort des Anschlags dauerten am Mittwochmorgen an.

Nach israelischen Medienberichten war das Billard-Lokal offenbar nicht durch Wächter an den Türen gesichert, wie sonst bei fast allen öffentlichen Gebäuden in Israel üblich. Ein Feuerwehrmann berichtete, zum Teil völlig zerfetzte Leichen seien über den Boden verstreut gewesen. Größere Teile der Fassade des Gebäudes seien durch die Wucht der Explosion durch die Luft geschleudert worden. (dk)

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