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Aktuell Nahost

Schiiten wollen Ramadi zurückerobern

Mit der Einnahme der Stadt hat der sunnitische IS Iraks Armee und Regierung eine schwere Niederlage zugefügt. Nun wollen die Schiiten-Milizen - von offizieller Seite bislang nicht gerade hofiert - für Gegendruck sorgen.

Nach der weitgehenden Einnahme der irakischen Stadt Ramadi durch die - sunnitische - Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) rüsten sich mehrere schiitische Milizen zum Gegenschlag. Sie zogen Kämpfer rund um Ramadi zusammen, um die Hauptstadt der Provinz Anbar zurückzuerobern. Die Truppen der Bewegung Hasched al-Schaabi würden sich auf jeden Fall an der Schlacht um die Stadt beteiligen, betonte ein Sprecher. Die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass die irakische Regierung es sich nicht leisten könne, auf Unterstützung durch den Truppenverband zu verzichten. Hasched al-Schaabi gehören schiitische Milizengruppen und freiwillige Kämpfer an.

IS: Zahlreiche Sicherheitskräfte getötet

Auch ein Sprecher der Kataeb Hisbollah, einer der führenden schiitischen paramilitärischen Gruppen im Irak, erklärte, seine Einheiten stünden bereit, Ramadi von drei Richtungen aus anzugreifen. Er hoffe, dass die jüngst vom IS eroberten Gebiete schnellstmöglich von den Dschihadisten befreit werden könnten, sagte Dschaafar al-Husseini der Nachrichtenagentur AFP. Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi, die USA und die Regierung der Provinz Anbar hatten beim Kampf um Ramadi vor allem auf die örtlichen Streitkräfte gesetzt und sich skeptisch gegenüber einer Unterstützung durch schiitische Milizen gezeigt, die vom Iran unterstützt werden.

Das rund 100 Kilometer westlich von Bagdad gelegene Ramadi war am Sonntag nach heftigen Kämpfen in die Hand der IS-Kämpfer gefallen, wie aus verschiedenen Quellen verlautete. In dschihadistischen Internetforen hieß es, die "Soldaten des Kalifats haben die ganze Stadt Ramadi gesäubert". Zahlreiche irakische Sicherheitskräfte seien getötet worden und hunderte "Abtrünnige" geflohen. Als Abtrünnige bezeichnet der IS Angehörige sunnitischer Stämme, die mit der Regierung in Bagdad verbündet sind.

Behörden: Noch vereinzelt Kämpfe in Ramadi

Vertreter der irakischen Armee erklärten, die Streitkräfte hätten alle wichtigen Stützpunkte in der Stadt verlassen. Ein Sprecher des Provinzgouverneurs teilte mit, es gebe noch vereinzelt Kämpfe in einigen Stadtteilen. Behördenvertretern zufolge wurden bei den Gefechten mindestens 500 Menschen innerhalb von drei Tagen getötet. Tausende Familien flohen aus Ramadi. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) sprach von mindestens 8000 Menschen, die in die Flucht getrieben worden seien. Die USA erklärten, Berichte über anhaltende Kämpfe in Ramadi würden geprüft. Die Lage sei unübersichtlich, erklärte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Washington.

Bei ihrer Einnahme der Stadt hatten sich die Dschihadisten am Donnerstag und Freitag den Weg in von der Regierung kontrollierte Gegenden mit Selbstmordattentätern und Autobomben freigesprengt. Kurz darauf wurde die schwarze Flagge des IS über dem Gebäude der Provinzregierung gehisst. Die Regierung in Bagdad kämpft seit Monaten gegen die IS-Miliz, die im Juni vergangenen Jahres nördlich und westlich von Bagdad eine Offensive gestartet hatte und weite Teile des Landes überrannte. Der Fall von Ramadi ist der schwerste Rückschlag für die Armee, seit diese eine Offensive zur Rückeroberung von Gebieten unter IS-Kontrolle gestartet hat.

sti/as (afp, dpa, rtr)