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Nahost

Schiiten-Führer al-Sadr wieder aufgetaucht

Nach Monaten im Untergrund ist der radikale irakische Schiiten-Führer Muktada al-Sadr wieder aufgetaucht. Er habe die Freitagspredigt in der großen Moschee von Kufa gehalten, so der staatliche Fernsehsender Al-Irakija.

Muktada al-Sadr, Quelle: AP

Muktada al-Sadr

Al-Sadr, dessen Bewegung 30 der insgesamt 275 Parlamentsabgeordneten stellt, war vor rund vier Monaten von der Bildfläche verschwunden. Kurz darauf hatten die amerikanischen und britischen Truppen im Südirak und in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City eine Offensive gegen die Mahdi-Armee, die Miliz der Sadr-Bewegung, gestartet. Die US-Armee hatte damals erklärt, Al-Sadr sei in den Iran geflohen, was die iranische Führung und die Sadr-Anhänger im Irak bestritten.

Die USA machen Sadrs bewaffnete Anhänger, die Mahdi-Armee, für einen Großteil der Anschläge im Irak verantwortlich. Der Mahdi-Armee gehören unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 60.000 Kämpfer an. Sie sollen hunderte Sunniten ermordet haben.

In Bagdad bat Ministerpräsident Nuri al-Maliki das Parlament um Bestätigung für sechs neue Minister. Sie sollen Kabinettsmitglieder ersetzen, die auf Geheiß von al-Sadr im April ihren Rücktritt erklärt hatten. Al Sadr reagierte damit auf die Weigerung al-Malikis, für einen Zeitplan zum Abzug der US-Truppen aus dem Irak einzutreten.

Al Kaida geht offenbar gegen ihre irakischen Gegner vor

Bei einem Bombenanschlag auf die Trauerprozession eines Al-Kaida-Gegners sind in der irakischen Stadt Falludscha mindestens 26 Menschen getötet worden. Der Zwischenfall vom Donnerstag gilt als Teil einer massiven Einschüchterungskampagne des Terrornetzwerks gegen seine irakische Opposition. Der sunnitische Restaurantbesitzer Alaa Suwaid war am selben Tag erschossen worden. Er gehörte einem sunnitischen Stamm an, der mit anderen Stammesführern eine Allianz gegen Al Kaida im Irak gebildet hatte.

Extremisten sprengten in Bagdad eine weitere Brücke. Auf der Brücke, die im Westen der Stadt die Viertel Al-Chadra und Al-Adel verbindet, sei am Donnerstagabend ein Sprengsatz explodiert, berichtete die Agentur INA am Freitag (25.5.). Im April hatten Terroristen in Bagdad mehrere Anschläge auf Tigris-Brücken verübt und diese dadurch teilweise zerstört oder beschädigt. Fast völlig zerstört worden war die Sarafija-Brücke, eine der wichtigen Verkehrsverbindungen der irakischen Hauptstadt.

Bush rechnet mit weiteren Toten

Insgesamt wurden am Donnerstag 87 Menschen bei Anschlägen und Angriffen getötet, darunter sechs US-Soldaten. Damit stieg die Zahl der getöteten US-Soldaten in diesem Monat auf mindestens 88. Im vergangenen Monat waren im Irak 104 amerikanische Soldaten ums Leben gekommen.

US-Präsident George W. Bush bereitete die amerikanische Bevölkerung auf weitere Verluste vor. Im Zuge der US-geführten Sicherheitsoffensive in Bagdad und Umgebung könnte der August zu einem verlustreichen Monat werden, sagte er. "Die irakische Regierung muss im Gegenzug für Amerikas andauerndes Engagement und Opfer wirkliche Fortschritte machen", forderte er.

Der demokratisch dominierte Kongress beugte sich seinem Veto und gab 95 Milliarden Dollar (70,6 Milliarden Euro) für Kriegseinsätze ohne Rückzugsfrist frei, machte der irakischen Regierung aber eine Serie von Zielvorgaben, um das Land zu stabilisieren. Die US-Wiederaufbauhilfe soll an das Erreichen dieser Ziele gebunden werden. Allerdings kann Bush die Mittel auch dann freigeben, wenn sie verfehlt werden. (je)

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