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Wirtschaft

Schifffahrtskrise kostet Jobs in Deutschland

Weltweit machen Schiffbauer und Reeder schwere Zeiten durch. Das macht sich nun auch in Hamburg und Bremerhaven bemerkbar. Dort entlassen zwei Werften jeweils rund ein Drittel ihrer Belegschaft.

Um Blohm+Voss steht es schlechter als gedacht. Das hat die Bremer Lürssen-Gruppe herausgefunden, nachdem sie die Hamburger Werft gekauft und überprüft hat. Nun geht es ans Aufräumen. Erstes Ergebnis: Bei Blohm+Voss sollen rund 300 von knapp 1000 Arbeitsplätzen wegfallen. Dabei seien auch betriebsbedingte Kündigungen möglich, teilten Geschäftsführung und Aufsichtsrat am Dienstag bei einer Betriebsversammlung in Hamburg mit.

"Unsere mehrwöchige Analyse zeigt, dass dringend erforderliche Investitionen ausgeblieben sind, Konstruktions- und Fertigungsprozesse nicht ausreichend modernisiert und die Kostenstrukturen nicht den realen Bedingungen angepasst wurden", erklärte Aufsichtsratschef Klaus Borgschulte. Zugleich sei der Auftragsbestand im Schiffneubau erheblich gesunken und die schwache Auftragslage in Teilen des Reparaturgeschäfts belaste die Werft.

Traditionswerft in "kritischem Zustand"

Lürssen hatte Blohm+Voss im vergangenen Jahr übernommen und zunächst offengelassen, ob der Standort künftig auch für den Neubau von Luxusjachten genutzt wird, einem der wesentlichen Standbeine der Gruppe. Davon ist nun keine Rede mehr.

"Blohm+Voss ist in einem kritischen Zustand", sagte Geschäftsführer Dieter Dehlke. Nun soll die Hamburger Werft innerhalb der Lürssen-Gruppe einen bedeutenden Beitrag im Marineschiffbau leisten, sowohl bei der Konstruktion wie auch der Fertigung. Lürssen wolle sich so für den Bau weiterer Korvetten der Klasse 130 optimal vorbereiten.

Zudem solle Blohm+Voss ein ziviles Standbein behalten. Lürssen plane, den Schwerpunkt der gruppenweiten Refit-Aktivitäten in Hamburg zu konzentrieren, das ist die Überholung und oft luxuriöse Aufwertung von Jachten.

Von der Kurzarbeit in die Arbeitslosigkeit

Bereits am Vortag hatte die Lloyd-Werft in Bremerhaven den Wegfall von 117 ihrer rund 400 Arbeitsplätze angekündigt. Auch diese Werft, die zur malaysischen Genting-Gruppe gehört, wollte sich auf den Neubau von Luxusjachten konzentrieren und konnte keinen Auftrag ergattern.

Für die Betroffenen soll nach Angaben des Betriebsrats eine Transfergesellschaft gegründet werden. Zunächst seien Beschäftigte aufgerufen, freiwillig das Unternehmen zu verlassen. Dann erst werde die Geschäftsführung betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Seit Oktober gibt es bei Lloyd Kurzarbeit.

Der Schiffbau liegt weltweit darnieder und erhält nur wenig neue Aufträge für Handelsschiffe, doch generell stehen die deutschen Werften dank ihrer Spezialisierung auf hochwertige Nischenprodukte noch gut da.

Preiskampf im Container-Geschäft

Der Linienreederei Hapag-Lloyd hat der Preiskampf in der Branche im abgelaufenen Geschäftsjahr schwer zugesetzt. Das operative Ergebnis (Ebit) brach 2016 um gut zwei Drittel auf 126 Millionen Euro ein. Im Jahr zuvor hatten hier noch 366 Millionen Euro zu Buche gestanden. Das geht aus den am Dienstag in Hamburg vorgelegten vorläufigen Zahlen des Unternehmens hervor.

Trotz einer um 2,7 Prozent gestiegenen Transportmenge ging der Umsatz infolge deutlich gesunkener Frachtraten um 1,1 Milliarden Euro auf 7,7 Milliarden Euro zurück. Dabei reduzierten sich allerdings auch die Transportkosten um 12,3 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro.

Als Gründe hierfür nannte die Reederei unter anderem niedrigere Treibstoffpreise, Kosteneinsparungen sowie Synergieeffekte aus dem Zusammenschluss mit der Containersparte der chilenischen CSAV.  

Hapag-Vorstandschef Rolf Habben Jansen hatte aufgrund des scharfen Preiskampfs im Container-Geschäft Rückgänge erwartet. Das Ergebnis nach Steuern teilte Hapag-Lloyd noch nicht mit. Nach den ersten neun Monaten 2016 hatte die Reederei rund 134 Millionen Euro Verlust gemacht. Die Jahresbilanz soll am 24. März vorgelegt werden. 

dk/ul (dpa)

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