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Wissen & Umwelt

Schiffbruch vor Gran Canaria: Zeit ist Öl

Vor den Kanarischen Inseln ist der Fischkutter "Oleg Naydenov" in Brand geraten und gesunken. Nun verliert er Öl. Ob dies in Richtung Küste fließt - oder weg davon - ist stark windabhängig. Deshalb ist Eile geboten.

Ein russischer Fischtrawler vor dem Hafen von Las Palmas, Gran Canaria, steht in Flammen. Um eine Verschmutzung in direkter Küstennähe zu vermeiden und aus Angst, der Treibstoff könne explodieren, ordnete die Hafenbehörde an, ihn aufs Meer hinaus zu schleppen und den Brand dort zu löschen. Damit war am 11. April 2015 die akute Gefahr zwar gebannt, drei Tage später aber sank der Fischkutter "Oleg Naydenov". Seitdem sorgt er für einen wachsenden Ölteppich inmitten des Atlantiks.

1400 Tonnen Treibstoff soll der Kutter an Bord haben - oder vielmehr gehabt haben. Denn das Öl tritt derzeit noch aus dem Tank des Schiffs aus, das in 2400 Metern Tiefe auf Grund liegt. Etwa 300 Tonnen Öl soll er seitdem verloren haben, schätzen Experten.

Ölteppich des Fischtrawlers Oleg Naydenov (Foto: dpa).

Hin zur Küste oder weg davon: In welche Richtung der Ölteppich driftet, ist stark windabhängig

Schnelllebiger Ölteppich

Ein Teil davon bedroht mittlerweile die Küsten der Nachbarinseln von Teneriffa und La Gomera. Das Gebiet werde mit Spezialflugzeugen überwacht, sagte der Staatssekretär im spanischen Verkehrsministerium, Julio Gómez Pomar. So solle verhindert werden, dass die Verunreinigung die Küsten erreiche. Dass dies nicht schon geschehen ist, ist nach lokalen Medien allerdings zweifelhaft. Sie berichten, dass inzwischen auch schon "mehrere mit Öl verschmierte Tiere gefunden worden seien".

Der WWF Spanien hat am Wochenende eine Karte herausgegeben. Darauf zu sehen: einige ölverschmutzte Strände Gran Canarias und Ölteppiche vor den Küsten von Teneriffa und La Gomera. "Wegen der Windrichtung sind diese Inseln derzeit wohl stärker gefährdet als Gran Canaria", sagt dazu Jörn Ehlers vom WWF.

Die aktuelle Lage könne sich allerdings auch schnell wieder ändern, fügt er hinzu. "Hier gibt es sehr viele Strömungen, und wenn sich noch dazu der Wind wieder dreht, wirkt sich das auch auf den Ölteppich aus."

Um sich ein genaueres Bild von der aktuellen Situation zu machen, hat die Regierung einen Spezial-Roboter an die Unglücksstelle geschickt. Nach Informationen der Regierung, hat der Tauchroboter drei Lecks gefunden.

Tauchroboter-Bilder vom den Fischtrawler Oleg Naydenov in 2700 Metern auf dem Meeresgrund (Foto: dpa).

Spezial-Roboter an der Unglücksstelle sollen für ein genaueres Bild sorgen

Ob sich diese schließen lassen, muss in einem zweiten Tauchgang überprüft werden. Fünf bis zehn Liter verliert der Tank derzeit pro Stunde, heißt es in dem Bericht.

Zudem teilte das spanischen Ministerien für Verkehr und Umwelt mit, dass zusätzlich mithilfe eines Spezialschiffs weiter Öl von der Wasseroberfläche abgesaugt werde.

Auch kleine Ölmengen können große Auswirkungen haben

Auch wenn bei diesem Fischkutter-Unglück im Vergleich zu Havarien größere Schiffe oder Tanker verhältnismäßig wenig Öl an Bord war, heißt das nicht, dass das Ausmaß nicht enorm sein kann, so Ehlers und vergleicht den aktuellen Unfall mit dem Pallas-Unglück 1998. Damals waren in der Nordsee etwa 250 Tonnen Schweröl aus dem Frachter ausgelaufen, die aufgrund der rauen Wetterbedingungen weitgehend unbehindert ins Meer und später in ein Vogelschutzgebiet drifteten. "Das hat damals knapp 20.000 Seevögel das das Leben gekostet."

Der WWF drängt darauf, die Verschmutzung schnellstens einzudämmen. Denn das gefährdete Meeresgebiet südlich von Teneriffa und La Gomera sowie der Kanal zwischen beiden Inseln beherberge die größte Biodiversität der Kanaren.

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