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Wirtschaft

Schiffbau muss weltweit schrumpfen

Der Schiffbau hat einen gewaltigen Boom hinter sich; innerhalb von 20 Jahren verfünffachte sich die Produktion. Nun ist erst einmal Schluss damit; die Branche hat Überkapazitäten aufgebaut.

Begleitet von Schleppern verlässt die CMA CGM Christoph Colomb den Hafen von Hamburg (Foto: dpa)

Hamburger Hafen CMA CGM Christoph Colomb

Der Schiffbau hat weltweit die besten Jahre hinter sich und muss sich auf neue Herausforderungen einstellen. Nachdem die Werften im vergangenen Jahr mit mehr als 100 Millionen Bruttotonnen noch einmal einen absoluten Produktionsrekord erreichten, seien nun in den nächsten Jahren Überkapazitäten und fallende Schiffspreise zu erwarten, sagte Martin Stopford, Geschäftsführer der Beratungsfirma Clarkson Research, am Mittwoch (23.05.2012) in Hamburg.

Gleichzeitig hätten sich die Rahmenbedingungen für die Schifffahrt durch die hohen Preise für Treibstoff dramatisch verändert, ebenso wie die Umweltvorschriften. "Die Werften können das gegenwärtige Produktionsniveau nicht über 2012 hinaus aufrecht erhalten", sagte Stopford. «Wir haben die Spitze eines lang laufenden Zyklus erreicht." Im laufenden Jahr werde die Produktion auf 94 Millionen Tonnen fallen, im nächsten auf 70 Millionen Tonnen. Das wäre ein Einbruch um ein Drittel gegenüber 2011.

Auftragsbestände schmelzen

Hintergrund sind stark rückläufige Bestellungen der Reeder, die gegenwärtig über relativ moderne Flotten verfügen und unter niedrigen Frachtraten leiden. Auf dem Höhepunkt des Booms betrugen die Auftragsbestände mehr als 50 Prozent der weltweit fahrenden Flotte, gegenwärtig sind es kaum mehr als 20 Prozent. Das zeigt sich bereits in den Preisen für Schiffe: Ein großes Containerschiff kostete in Spitzenzeiten 160 Millionen US-Dollar, heute sind es noch 97 Millionen Dollar.

Die beiden führenden Schiffbaunationen China und Korea stünden nun vor unterschiedlichen Problemen, sagte Stopford. Die chinesische Schiffbaubranche sei zwar immer noch sehr wettbewerbsfähig, die Produktion allerdings stark auf Massengutfrachter ausgerichtet. Deshalb müssten die chinesischen Werften ihre Produktpalette erweitern und ebenso wie die Koreaner in den sehr gefragten Spezialschiffbau vordringen. Auf dieses Feld konzentrieren sich auch die deutschen Werften, nachdem die Ära des Containerschiffbaus zu Ende gegangen ist.

Kein Abgesang

Stopford sieht seine Forschungsergebnisse und Prognosen keineswegs als Abgesang auf die Schiffbauindustrie. "Die Globalisierung geht weiter, auch künftig gibt es jede Menge Ladung, die bewegt werden muss", sagte er. Innovationen, umweltfreundliche Produkte und Kostenmanagement seien nun notwendig für die Werften.

Der Forscher und Berater sprach im Vorfeld der internationalen Schiffbaumesse SMM, die vom 4. bis 7. September in Hamburg stattfinden wird. Dort zeigen mehr als 2000 Aussteller aus mehr als 60 Ländern ihre Produkte.