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Aktuell Deutschland

Schießübungen in Südafrika

Tino Brandt gehörte zum Umfeld der mutmaßlichen Rechtsterroristen um Beate Zschäpe. Als Zeuge im NSU-Prozess kann er sich selten an Details erinnern. Vor allem dann, wenn es um Waffen geht.

"Unsinn!" Er habe 1995 nicht an Schießübungen in Saalfeld-Rudolstadt teilgenommen, behauptet der Neo-Nazi Tino Brandt als Zeuge im Prozess gegen den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) vor dem Münchener Oberlandesgericht (OLG). Unwirsch reagiert der 39-Jährige auf entsprechende Fragen der Anwälte, die die Interessen von NSU-Opfern vertreten. Dem mutmaßlichen Terror-Trio um die Hauptangeklagte Beate Zschäpe wirft die Anklage zehn rassistisch motivierte Morde, Bombenanschläge und Banküberfälle vor.

"In Thüringen habe ich nie irgendwelche Waffen in der Hand gehabt", insistiert Brandt. Gegenteilige Behauptungen tut er als Wichtigtuerei ehemaliger Kameraden aus der rechten Szene ab. Die vermeintliche Friedfertigkeit des Zeugen passt allerdings so gar nicht zu den Fotos, die anschließend im NSU-Prozess gezeigt werden. Stolz präsentieren mehrere junge Männer ihre Waffen. Einer von ihnen ist Brandt. Auf einem anderen Bild ist er allein zu sehen, das Gewehr mit Zielfernrohr im Anschlag. Der junge Neo-Nazi bei Schießübungen in Südafrika.

Zurzeit sitzt der Zeuge in Untersuchungshaft

Brandts Glaubwürdigkeit ist seit langem erschüttert. Seine fragwürdigen Aktivitäten waren auch schon Thema in parlamentarischen Untersuchungsausschüssen. Seit drei Monaten sitzt er in Untersuchungshaft, aber nicht wegen seiner rechtsextremen Vergangenheit. Der Vorwurf lautet auf sexuellen Missbrauch. Bei seiner ersten Befragung im NSU-Prozess Mitte Juli wurde er in Handschellen in den Sitzungssaal A 101 des OLG München geführt. Bei seinem inzwischen dritten Auftritt geht es etwas lockerer zu, dennoch wird Brandt bei jedem Schritt von zwei Polizeibeamten begleitet.

Beate Zschäpe Foto: dpa

Zu Beate Zschäpe will Tino Brandt nach deren Untertauchen keinen Kontakt mehr gehabt haben

Bekanntschaft mit der Polizei hat der Neo-Nazi seit Mitte der 1990er Jahre regelmäßig gemacht. An etwa 20 Hausdurchsuchungen kann sich Brandt erinnern. Als

treibende Kraft in der rechten Szene

gab er dazu immer wieder Anlass. Ohne ihn hätte es den "Thüringer Heimatschutz" (THS) nie gegeben. In dieser besonders aktiven rechtsextremen Gruppe tummelte sich auch das mutmaßliche NSU-Trio Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Sie verschwanden nach einem Bombenfund in einer von ihnen genutzten Garage 1998 im Untergrund.

Schusslöcher in Brandts Laube

Versuche des Thüringer Verfassungsschutzes, mit Hilfe seines langjährigen Spitzels Brandt Kontakt zu den Untergetauchten aufzunehmen, schlugen fehl. Der umtriebige Kopf des THS will nach dem Untertauchen seiner ehemaligen Kameraden keinen Kontakt mehr zu ihnen gehabt haben. Überhaupt versucht Brandt den Eindruck eines eher oberflächlichen Verhältnisses zwischen sich und dem Trio zu erwecken.

Auch diese Darstellung steht im Kontrast zu den Erinnerungen, die andere haben. Im NSU-Prozess wird Brandt von einer Anwältin eines Nebenklägers auf sein Laubgrundstück angesprochen. Auch dort soll es Schießübungen gegeben haben, über die sich Nachbarn beschwert haben. Brandt streitet alles ab. Die anschließend gezeigten Fotos mit etlichen Einschusslöchern in den Außenwänden seiner Laube vermitteln einen völlig anderen Eindruck. Zudem haben Nachbarn Brandt und den mutmaßlichen NSU-Mörder Böhnhardt auf Fotos identifiziert. Brandt bleibt trotzdem bei seiner Version: "Ich sage ihnen, ich war nicht dabei."

Was Brandt grundsätzlich vom Strafverfahren gegen Beate Zschäpe und die vier wegen Beihilfe zum Mord Angeklagten hält, daran lässt der Neo-Nazi keinen Zweifel. Er halte das Ganze für einen "Schauprozess". Und das mit den Morden könne nicht stimmen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden Uwes diese Morde begangen haben."

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