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Politik

Schicksalswoche für die Wale

Auf Portugals Atlantikinsel Madeira diskutieren 85 Regierungen mit Tier- und Umweltschützern über die Zukunft des Walfangs. Die Standpunkte zur Jagd auf die größten Meeressäuger scheinen unvereinbarer denn je.

Erlegter Wal wird über Bord gezogen (Foto: AP)

Die Fangsaison ist wieder eröffnet

Als wichtigster Konfliktherd gilt bei den am Montag (22.06.09) beginnenden Verhandlungen ein Vorschlag, der es der Walfang-Nation Japan erlauben soll, vor den ihren Küsten wieder kommerziell Wale zu jagen. Im Gegenzug soll der bis jetzt erlaubte "wissenschaftliche Walfang" eingeschränkt werden. Nach Ansicht vieler Fachleute diente dieser in Wirklichkeit ohnehin nur kommerziellen Zwecken. Also nur eine Formalie? Im Gegenteil, kritisieren Tierschützer. "Dies käme einem Aufheben des seit 1986 geltenden kommerziellen Walfangverbotes gleich", erklärt etwa die Schutzorganisation "Pro Wildlife". In der im April zu Ende gegangenen Jagdsaison hat Japan 679 Minkwale und einen Finnwal erlegt. Dabei war es mehrfach zur Auseinandersetzungen mit Tierschützern gekommen.

Greenpeace-Aktivisten entrollen Protestplakate (Foto: AP)

Greenpeace protestiert gegen Japans Walfänger

Vor Beginn der Tagung auf Madeira bemängeln die Umweltschützer zudem, dass dort hauptsächlich um Mehrheiten geschachert werde. Japan habe bereits vor Jahren zugegeben, Entwicklungsländern Geld zu bieten, damit diese in die Internationale Walfang-Kommission (IWC) einträten. Dort stimmten sie im Sinne des Walfanges, obwohl sie daran eigentlich gar nicht interessiert seien. Gegner und Befürworter verfügten innerhalb des IWC mittlerweile über fast identische Stimmenanteile.

Ernährung der Grönländer

Aber Japan gilt nicht als der einzige Gegner. Auch europäische Harpunen zielen auf die noch geschützten, wegen ihrer Gesänge beliebten und sehr symbolträchtigen Buckelwale. So wird auf Madeira auch über einen Antrag Dänemarks diskutiert, eine Fangquote von 50 Buckelwalen zur Ernährung der Ureinwohner in Grönland zu genehmigen. Auch hierin sehen die Walfreunde nichts anderes als einen Vorwand, um den kommerziellen Fang wieder einzuführen. In Wahrheit habe Grönland während der vergangenen zehn Jahre nie seine volle Quote ausgenutzt, Walfleisch verderben lassen und sogar an Touristen verkauft, heißt von ihrer Seite.

Japanischer Walfänger an seiner Harpune (Foto: AP)

Die Wal-Harpunen sind wieder geladen


Die am Walschutz interessierten Staaten stünden dem europäischen Walfang durch Island, Norwegen und Grönland sowieso planlos gegenüber, kritisieren die Schutzgruppen weiter. Sie halten es für unwahrscheinlich, dass es auf Madeira gelingt, die IWC in eine moderne Organisation zu verwandeln. Vage Hoffnungen auf einen Sinneswandel setzen sie in der festgefahrenen Situation auf die neue Obama-Regierung in den USA. Die Konferenz in Funchal steht unter deren Leitung.

Wal mit Reiswein begossen

Unterdessen feierten japanische Walfänger in dem Fischerdorf Wada bei Tokio am Sonntag (21.06.09) den ersten Fang der Saison. Bei dem jährlichen Ritual wurde das zehn Meter lange und elf Tonnen schwere Tier mit Reiswein begossen und es wurde für eine sicherere Fangsaison gebetet. Island schleppte nahezu zeitgleich zwei jeweils rund 35 Tonnen schwere Finnwale in den Hafen von Akranes an der Westküste. (win/afp/dpa/ap)

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