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Afrika

Schicksalswahl in der Elfenbeinküste

Die Anspannung in der Elfenbeinküste wächst. Die Bürger durften endlich über einen neuen Präsidenten abstimmen. Doch die Bekanntgabe des Ergebnisses verzögert sich. Und auch nach der Wahl kommt das Land nicht zur Ruhe.

Schlangen vor den Wahllokalen in Abidjan (Foto: ap)

Schlangen vor den Wahllokalen in Abidjan

Im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste waren am vergangenen Wochenende (28.11.2010) der amtierende Präsident Laurent Gbagbo und der frühere Regierungschef Alassane Ouattara in einer Stichwahl gegeneinander angetreten. Der Urnengang gilt als besonders wichtig, weil es in dem Land seit dem Jahr 2000 keine Präsidentschaftswahl mehr gegeben hat.

Gbagbo hatte im ersten Wahlgang am 31. Oktober 38 Prozent der Stimmen bekommen, Ouattara 32. Beide spekulieren jetzt auf die 25 Prozent der Stimmen, die im ersten Wahlgang noch an den drittplatzierten Präsidentschaftskandidaten Henri Konan Bédié gingen. Im Kampf um diese Stimmen hatten sich Gbagbo und Ouattara vor der Stichwahl eine regelrechte Schlammschlacht geliefert. Beide warfen sich gegenseitig vor, für zehn Jahre Instabilität in der Elfenbeinküste verantwortlich zu sein.

Schlammschlacht

Laurent Gbagbo an der Wahlurne

Amtsinhaber Gbagbo wählt

Zwar hatten sich Gbagbo und Ouattara in einem Fernsehduell kurz vor der Stichwahl noch einmal erstaunlich moderat gegeben. Doch seit der Wahl geht die Schlammschlacht weiter. Jetzt beschuldigen sich die konkurrierenden Lager gegenseitig, die Menschen an der Ausübung ihres Wahlrechts gehindert zu haben. Ein Sprecher von Präsident Laurent Gbagbo sagte, der Urnengang sei im Norden des Landes, der von den früheren Rebellen kontrolliert wird, "allgemein nicht transparent" gewesen. Es habe "schwere Unregelmäßigkeiten" und "viele Einschüchterungen" gegeben. Die Wahl im Norden sei "nicht frei" gewesen, sie sei von Angst und Aggressionen geprägt gewesen.

Gbagbos Herausforderer, der aus dem Norden stammende Ex-Regierungschef Alassane Ouattara, warf dagegen dem Präsidenten-Lager vor, seine Anhänger am Wählen gehindert zu haben. Ein Anwalt Ouattaras sagte, es gebe zahlreiche Fälle von Menschenrechtsverletzungen, Einschüchterungen und Behinderungen.

Seit dem Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste ist das Land faktisch geteilt. Und die beiden Kandidaten stehen für genau diesen Bruch des Landes. 

Blutige Ausschreitungen

Ouattara winkt Anhängern zu

Herausforderer Ouattara mit Anhängern

Deshalb wuchs schon vor der Stichwahl die Angst vor Ausschreitungen. Amtsinhaber Gbagbo hatte - wegen der Gewalt im Vorfeld der Abstimmung - eine nächtliche Ausgangssperre verordnet, um einen ruhigen Wahlverlauf zu ermöglichen. Trotzdem sollen bei Unruhen mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt worden sein. Laut BBC sollen sich nicht nur Angänger beider Kandidaten blutige Schlachten geliefert haben. In der Hafenstadt Abidjan habe auch die Polizei auf eine Menschenmenge geschossen, die gegen die Ausgangssperre protestierte.

Und auch nach der Wahl kommt das Land nicht zur Ruhe. Als ein Sprecher der Wahlkommisssion am späten Dienstagabend Teilergebnisse der Wahl bekanntgeben wollte, hinderten ihn Anhänger von Präsident Gbagbo daran und zerrissen seine Unterlagen. Die Partei Gbagbos will offenbar gegen die Ergebnisse im Norden des Landes Beschwerde einlegen. Deshalb verzögert sich die Bekanntgabe des Ergebnisses.   

Autorin: Klaudia Pape/Christine Harjes (dpa, afp, rtr)