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Sprachbar

Schenken

Ein Geschenk, groß oder klein, soll immer Freude machen. Von Herzen soll es kommen, keine Pflichterfüllung sein. Und es gilt: Geschenkt ist geschenkt, denn einem "geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul".

Im Stichwort dieser Woche ein paar Informationen zum Wort "Geschenk" und natürlich zu "schenken". Vielleicht bringen wir Sie ja auf die eine oder andere Geschenkidee. Zum Beispiel, wenn wir uns die Sprachgeschichte von "schenken" anschauen.

In der Schenke gibt's selten was geschenkt

Die sehr alte und für lange Zeit einzige Bedeutung von "schenken" war: "ein Getränk eingießen". Die "Schenke", der Ort an dem ausgeschenkt wird, hat daher ihren Namen. Man darf "Schenke" auch mit dem Umlaut "ä" schreiben; beides ist richtig und in der Wortgeschichte begründet. "Ausschank", ein altes aber heute noch gebräuchliches Wort, geht ebenfalls direkt auf "schenken" zurück.

Und nun kommt’s: Wie hält man eine Flasche, wenn man aus ihr etwas einschenken will? Klarer Fall: schräg. Wundert es noch, dass die Urform von "schenken", das germanische "skankjan", – lautlich nahe bei "schenken" – "schräg halten" bedeutete? Es gibt da so nette Körbchen, in denen die Rotweinflasche schräg zu liegen kommt. Das macht sich gut auf einem festlich gedeckten Tisch, ist aber als Geschenk out, denn ein guter Roter wird dekantiert und in der entsprechenden Karaffe serviert. Also, besser einen Dekanter schenken.

Richtig schenken!

Und damit sind wir bei der Hauptbedeutung von "schenken", die sich etwa seit dem Jahre 1400 aus dem "Darreichen von Getränken zur Bewirtung" gebildet hat. "Schenken" heißt in der spröden Sprache des Lexikons "einem anderen etwas unentgeltlich geben". Das kann auch ein "Geschenkgutschein" sein.

In einem "Geschenkumschlag" oder gar im "Geschenkpapier" mit einem netten Kärtchen und freundlichen Worten wirkt er nicht ganz so lieblos. Denn: "Geschenke" sollen ja etwas Persönliches sein; im Idealfall die Beziehung zwischen dem "Schenkenden" und dem "Beschenkten" wenn nicht symbolisieren, so doch wenigstens zeigen, dass man sich schätzt, gerne mag oder sogar liebt.

Pflichterfüllung

Das "Schenken" war im 18. Jahrhundert und bis ins 19. hinein in Teilen der Gesellschaft sogar Pflicht. In der Gesindeordnung war schwarz auf weiß zu lesen, dass Dienstboten, Hausmädchen – das ganze Gesinde eben – Ansprüche auf beispielsweise einen Weihnachtstaler oder Kleidungsstücke hatten.

Etwas davon hat sich bis heute gehalten. Viele Leute geben ihrer Briefträgerin etwas, wenn das große Fest naht; und auch die Männer von der Müllabfuhr gehen nicht leer aus. Es gibt sogar noch in den Großstädten Omas, die ihnen selbstgestrickte Socken oder ein paar Handschuhe schenken. Natürlich tut’s auch ein Geldschein. Ein Geldgeschenk.

Auf manche Geschenke kann man verzichten

So ganz und ausschließlich uneigennützig, wie es sein soll, ist das Schenken nicht immer. Auch mit einem Geschenk kann man zeigen, was man hat. Den Beschenkten beschämen, weil man ganz genau weiß, dass er oder sie das Geschenk nie erwidern kann.

Dass auch in der Politik Geschenke eine gewisse Rolle spielen, ist nichts Neues. Schon in der Antike galten sie als Akt guten Willens, wie wir heute sagen würden. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft – was die großen bewirken, ist eine andere Sache.

"Einem geschenkten Gaul …"

Wie auch immer: Geschenkt ist geschenkt. Eine Schenkung kann nicht rückgängig gemacht werden. So will es auch das Gesetz. Das gilt natürlich nicht für die Geschenkpackung Pralinen, denn Schenkung bedeutet in der Rechtssprache "eine in Geld- oder Sachwerten bestehende Zuwendung" an jemanden.

So ein Sachwert kann aber – Tücke des Wortes – so gut wie nichts wert sein, beispielsweise ein baufälliges Haus, das man eigentlich nicht geschenkt nehmen würde, weil die Abrisskosten höher sind als der Sachwert. Da ist auch die Redensart: "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul", kaum ein Trost.

Fragen zum Text

"Schenken" bedeutete ursprünglich …

1. jemandem etwas unentgeltlich geben.

2. etwas schräg halten.

3. Kneipen.

Kurz vor Weihnachten häufig beschenkt werden die …

1. Lehrer.

2. Busfahrer.

3. Müllmänner.

Einem geschenkten Gaul soll man nicht …

1. die Sporen geben.

2. ins Maul schauen.

3. die Hufe beschlagen.

Arbeitsauftrag

Beschreiben Sie in einem Text, zu welchem Anlass Sie Geschenke machen. Welches Geschenk hat die größte Freude ausgelöst?

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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