Scheitern verboten | Top-Thema – Podcast | DW | 31.01.2014
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Top-Thema – Podcast

Scheitern verboten

Wer eine Firma gründet, muss mit dem Risiko leben, dabei zu scheitern. Dazu sind viele Deutsche aber nicht bereit. Denn berufliches Versagen gilt als Makel, den man so leicht nicht wieder loswird.

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Scheitern verboten – das Top-Thema als MP3

Erfolg und Scheitern gehören zum Berufsleben. Doch in Deutschland wird die Pleite der eigenen Firma bei vielen als persönliches Versagen gesehen. Deshalb würde auch die Hälfte aller 18- bis 64-jährigen Deutschen keine eigene Firma gründen, so ein Bericht des Global Entrepreneurship Monitors 2012. In den USA sind es dagegen 37 Prozent.

Matti Niebelschütz hat 2008 den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Sein Unternehmen „Myparfum.de“ war schnell erfolgreich. Die Idee, ihr eigenes Parfüm zu kreieren, gefiel vielen Menschen. Niebelschütz hatte große Pläne und vergrößerte seine Firma – bis die Bestellungen weniger wurden und er im Jahr 2013 Insolvenz anmelden musste. Weil ihm sein Bruder finanziell geholfen hat, konnte er seine Firma zurückkaufen. Heute leitet er sie wieder, allerdings mit weniger ehrgeizigen Zielen.

Für Niebelschütz war die Pleite seiner Firma eine Chance, noch einmal von vorne zu beginnen. Aber auch er musste feststellen, dass es für Menschen, die eine Insolvenz hinter sich haben, in Deutschland schwer ist. Das sieht Thordis Bethlehem vom Bund deutscher Psychologen genauso. Sie sagt: „Scheitern ist in Deutschland eine Schmach und mit einem lang anhaftenden Makel verbunden.“

Nachdem ihre Firmen pleite gegangen sind, stürzen viele Selbstständige ab – finanziell und sozial. Attila von Unruh vom Bundesverband Menschen in Insolvenz und neue Chancen e.V. kümmert sich um die Betroffen. Er hofft, dass sich die Mentalität in Deutschland in Zukunft ändert und eine Kultur der zweiten Chance möglich wird. Er sagt: „Wir müssen Neues ausprobieren und damit auch scheitern können, sonst können wir keine Innovation schaffen.“


Glossar

scheitern – keinen Erfolg bei etwas haben

versagen – →scheitern; eine Leistung nicht bringen können

Makel, - (m.) – der Fehler; etwas, das jemandem peinlich ist

etwas los|werden – etwas verkaufen/wegbekommen und froh darüber sein

Pleite, -n (f.) – hier: die Tatsache, dass eine Firma/jemand kein Geld mehr hat

den Schritt in etwas wagen – den Mut finden, etwas anzufangen

Selbstständigkeit (f., nur Singular) – hier: die Situation, nachdem man eine Firma gegründet hat

etwas kreieren – etwas herstellen; etwas erfinden; sich etwas ausdenken

Insolvenz an|melden – öffentlich bekannt machen, dass eine Firma zahlungsunfähig ist

etwas zurück|kaufen – etwas noch einmal kaufen, das bereits verkauft worden war

ehrgeizig – so, dass man sehr viel erreichen und immer gute Leistung bringen will

Bund (m., nur Singular) – hier: die Vereinigung; die Gruppe

Schmach (f., nur Singular) – die Schande; die Blamage

lang anhaftend – so, dass etwas nicht → loszuwerden ist

ab|stürzen – hier:kein Geld und keine Freunde mehr haben; ruiniert werden

Betroffene, - (m./f.) – die Person, um die es geht

Mentalität (f., nur Singular) – die Einstellung zu etwas/jemandem

Kultur (f., hier nur Singular) – hier: die Stimmung in einem Land gegenüber etwas

Innovation, -en (f.) – hier: die neue Idee, die Erfolg hat


Fragen zum Text

1. Was steht im Text? Welche Einstellung haben viele Deutsche zur Selbstständigkeit?
a) Sie hat zu viele Risiken.
b) Als Selbstständiger ist man vollkommen frei.
c) Wer sich selbstständig macht, kann ganz neu von vorne anfangen.

2. Was steht im Text? Warum ging Matti Niebelschütz im Jahr 2013 pleite?
a) Weil es zu viele solcher Unternehmen auf dem Markt gab.
b) Weil die Qualität seiner Parfüms schlecht war.
c) Weil zu wenig Menschen seine Parfüms kaufen wollten und er zu hohe Kosten hatte.

3. Viele Deutschen haben Angst vor einer Insolvenz, weil …
a) sie dann keine neue Stelle mehr finden.
b) eine Firmenpleite ihr gutes Ansehen zerstören kann.
c) ihre Firma dann verkauft werden muss.

4. … die Firma von Niebelschütz pleite gegangen war, konnte er noch einmal von vorne anfangen.
a) Nachdem
b) Bis
c) Wenn

5. … seine Firma pleite machte, konnte Niebelschütz seine Mitarbeiter bezahlen.
a) Nachdem
b) Bis
c) Wenn


Arbeitsauftrag
Überlegt in Kleingruppen, mit welcher Firmenidee ihr euch selbstständig machen würdet. Diskutiert die Risiken, die ihr dabei bedenken müsst. Wie würdet ihr eure Geschäftsidee finanzieren, wie viele Leute würdet ihr einstellen? Stellt anschließend eure Idee im Kurs vor.

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