Scheinehen: Bundesweite Razzien gegen mutmaßliche Schleuser-Netzwerke | Aktuell Europa | DW | 13.06.2018
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Deutschland und Dänemark

Scheinehen: Bundesweite Razzien gegen mutmaßliche Schleuser-Netzwerke

Mehr als 450 Beamte waren im Einsatz. Doch der Aufwand lohnte sich: Es dürfen mehr als 1000 Scheinehen mit Hilfe der Schleuser-Banden geschlossen worden sein. Diese verlangten bis zu 22.000 Euro von den "Ehepaaren".

Polizeieinsatz im Leipziger Stadtteil Plagwitz (Foto: picture-alliance/dpa/S. Willnow)

Polizeieinsatz im Leipziger Stadtteil Plagwitz

Wegen des Verdachts der Vermittlung von Scheinehen haben Bundespolizei und dänische Sicherheitskräfte zwölf Objekte in Norddeutschland und auf der dänischen Ostseeinsel Areo durchsucht. Etwa 150 Kräfte seien im Einsatz gewesen, teilte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion in Hannover mit. Allein in Hamburg seien sechs Wohnungen und ein Geschäftsraum betroffen gewesen. Weitere Durchsuchungen fanden in Bremerhaven, auf Sylt sowie auf Areo statt. Ziel sei es gewesen, Beweismaterial sicherzustellen. Festgenommen wurde niemand.

Fünf deutsche Staatsbürger - vier davon mit Migrationshintergrund - gelten als tatverdächtig. Sie sollen in EU-Ländern Menschen gesucht haben, die ihren Wohnsitz in Deutschland hatten und dann zum Schein Menschen aus Asien heirateten. Dadurch konnten diese ein Aufenthaltsrecht bekommen. Die Eheschließungen hätten überwiegend auf Areo stattgefunden, weil es dort für Ausländer leichter sei. Es seien aber auch Eheschließungen in den USA erfolgt, wobei in manchen Fällen keiner der Partner anwesend habe sein müssen. In den vergangenen zwei Jahren dürfte die Bande etwa 1000 Scheinehen vermittelt haben.

Dänemark Standesamt (picture-alliance/dpa/A. Heimken)

Die Schein-Eheschließungen fanden meist auf der dänischen Insel Areo statt. In Dänemark sind die Bestimmungen für Ausländer nicht so streng wie in Deutschland

Zweiter Einsatz mit Schwerpunkt in Ostdeutschland

In einem weiteren Großeinsatz gegen bandenmäßig organisierte Schleuser waren Ermittler in fünf weiteren Bundesländern gegen Schleuser vorgegangen. Laut Bundespolizei wurden 27 Wohnungen und Geschäftsräume in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen durchsucht. Der Schwerpunkt des Einsatzes mit insgesamt rund 300 Beamten habe im sächsischen Eilenburg und in Hettstedt in Sachsen-Anhalt gelegen.

Grundlage dieser Razzia waren Ermittlungen wegen des Verdachts auf banden- und erwerbsmäßige Einschleusung von Ausländern. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelte den Angaben zufolge seit Februar 2017 gegen insgesamt 34 Beschuldigte aus Indien, Pakistan, Tschechien, Rumänien, der Slowakei und Deutschland. Einige von ihnen seien bei den Durchsuchungen angetroffen und vernommen worden, teilte die Polizei mit. Auch hier gab es keine Festnahmen.

Männer aus Indien und Pakistan, Frauen aus Osteuropa 

Den drei Hauptbeschuldigten - zwei 40 und 47 Jahre alte Indern und einem 25-Jährigen aus Pakistan - wird unter anderem vorgeworfen, indische und pakistanische Männer in Scheinehen mit Frauen aus osteuropäischen EU-Staaten vermittelt zu haben. Dabei wurden laut Bundespolizei gefälschte Heiratsurkunden aus Zypern verwendet. Insgesamt handele es sich um eine zweistellige Anzahl mutmaßlicher Scheinehen. Auch die beteiligten Frauen seien Gegenstand der Ermittlungen, sagte der Sprecher.

Außerdem sollen die drei Männer bei Meldebescheinigungen und Arbeitsverträgen für die mutmaßlichen Schein-Ehemänner "getrickst" und unter anderem Behördengänge erledigt haben. Den Geschleusten sei dann "auf Grundlage der falschen Dokumente eine EU-Aufenthaltskarte ausgestellt" worden, teilte die Bundespolizei mit. Dafür hätten die mutmaßlichen Schleuser zwischen 15.000 und 22.000 Euro pro Person verlangt.

sti/sam (afp, dpa, epd)

 

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