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Wirtschaft

Scheidung nicht ausgeschlossen

An der Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler hat sich der Stuttgarter Konzern gründlich verhoben, meint Karl Zawadzky. Dies sei eine Folge der Vermessenheit des früheren Konzern-Chefs Schrempp.

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Grafik für Kommentar Karl Zawadzky

Für den damaligen Konzernlenker Jürgen Schrempp war 1998 die Fusion von Daimler-Benz mit dem drittgrößten amerikanischen Autobauer Chrysler keine Vernunftehe, sondern "eine Liebesheirat". Wie das Leben so spielt: Neun Jahre später wird die Scheidung erwogen. Denn Schrempp-Nachfolger Dieter Zetsche kündigte an, bei der Sanierung der wieder in der Krise steckenden US-Tochter "keine Option" auszuschließen. Chrysler steht auf dem Prüfstand. Niemand in der Konzernzentrale in Stuttgart kennt die Situation der US-Tochter besser als Vorstandschef Zetsche. Er hat nach der Fusion die erste Sanierung von Chrysler durchgezogen, dabei sechs Werke geschlossen, 26.000 Arbeitsplätze abgebaut und das Unternehmen wieder profitabel gemacht. Der Lohn dafür war die Berufung an die Vorstandsspitze des Gesamtkonzerns.

Nun befindet sich Chrysler wieder im Rückwärtsgang. Denn in der Folge der gestiegenen Spritpreise und der internationalen Klimadebatte denken auch amerikanische Autokäufer verschärft an ihr Portemonnaie und an die Umwelt. Pech für Chrysler, denn der Hersteller legte einen besonderen Schwerpunkt auf Pick-up-Trucks und Geländewagen. Chryslers Spritfresser bleiben - wie die der anderen beiden großen amerikanischen Hersteller - immer öfter bei den Händlern stehen, während Toyota mit seinem Hybridmodell Verkaufserfolge feiert. Auch andere japanische und europäische Hersteller erobern mit verbrauchsarmen kleineren Autos Marktanteile. Hinzu kommt, dass sich die bei der Fusion von Mercedes-Benz und Chrysler erhofften Synergien nur schwer heben lassen.

Das Ergebnis ist bei Chrysler ein fünfprozentiger Absatzrückgang, ein Umsatzrückgang sowie ein Verlust von 1,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ohne die Auferstehung der Marke Mercedes wäre der Gesamtkonzern Daimler Chrysler auf Schlingerkurs. Die Hoffnung, dass es bei Chrysler jetzt zum ganz harten Schnitt kommt, lässt bereits die Herzen der Anleger höher schlagen. Die Aktie ist um fast sechs Prozent auf den höchsten Kurs seit fünf Jahren gestiegen. Dabei ist die Trennung von Chrysler nur eine der Optionen - und zwar die letzte. Erst einmal will Konzernchef Zetsche die vierte Sanierungsrunde einläuten. Dabei geht es wieder einmal um die Schließung eines Werkes und um den Abbau von Arbeitsplätzen - 13.000 sollen es diesmal sein. So will Zetsche die Produktionskapazitäten dem schleppenden Verkauf anpassen.

Die Mercedes-Manager haben sich bei der Fusion mit Chrysler gründlich verhoben. Und das war kein einmaliger Fall, sondern nur ein Teil der Vermessenheit, die über viele Jahre hinweg im Vorstand des Autokonzerns herrschte. Während der Vorstand unter Edzard Reuter einen integrierten Hochtechnologie-Konzern mit Produkten auf der Straße, auf der Schiene und in der Luft schaffen wollte, ging Nachfolger Jürgen Schrempp gleich weltweit auf Einkaufstour. Das Ziel war ein Autokonzern, in dem die Sonne nie untergehen sollte. Das Ergebnis war und ist ein finanzielles Desaster. Nachfolger Zetsche muss nun die Aufräumarbeit leisten. Dass Daimler noch Chrysler nicht abstößt, sondern zunächst eine Sanierung versucht, hat seinen Grund auch darin, dass die Aufspaltung des Konzerns mit Kosten von vielen Milliarden Euro verbunden wäre - und dass niemand zu finden ist, der Chrysler übernehmen möchte.

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