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Wirtschaft

Scheichs am Steuer

Die staatliche Investmentgesellschaft Aabar von Abu Dhabi hat für rund zwei Milliarden Euro einen Anteil von 9,1 Prozent der Daimler-Aktien gekauft. Eine sinnvolle Investition, meint Karl Zawadzky.

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Karl Zawadzky (Foto: DW)

Karl Zawadzky, Leiter Deutsches Programm Wirtschaftsredaktion

Der Einstieg des Emirats Abu Dhabi bei Daimler macht für beide Seiten Sinn. Der Autohersteller erhält eine Finanzspritze im Umfang von zwei Milliarden Euro; die Scheiche bekommen einen Anteil von 9,1 Prozent am traditionsreichen deutschen Autokonzern, der weltweit mit Produktionsstätten und Vertriebsgesellschaften unterwegs ist. Für die staatliche Investitionsgesellschaft von Abu Dhabi ist das Engagement bei Daimler ein Schnäppchen und, wenn die Autokonjunktur wieder anzieht und damit auch der Aktienkurs steigt, eine überaus lohnende Investition. Daimler erhält neben Kuwait, das bereits seit 1974 beteiligt ist, einen zweiten strategischen Investor.

Daimler ist nicht irgendwer, sondern eine Ikone der weltweiten Autoindustrie. Die Ingenieure Gottlieb Daimler und Carl Friedrich Benz zählten zu den Pionieren des Automobilbauses; aus kleinsten Anfängen ist einer der größten und erfolgreichsten Autohersteller entstanden, der Personenwagen, Lastkraftwagen und Busse anbietet - und zwar technologisch wie preislich immer im oberen Segment. Zahllose Innovationen, die das Auto sicherer und komfortabler gemacht haben, sind von diesem Unternehmen ausgegangen.

Allerdings ist Daimler, als die Kassen noch prall gefüllt waren, auch zahlreiche Irrwege gegangen. Vorstandschef Edzard Reuter wollte den integrierten Hochtechnologiekonzern mit Autos, Flugzeugen und Eisenbahnen schmieden, sein Nachfolger Jürgen Schrempp kaufte weltweit Autofirmen hinzu. Beide haben ganz energisch daneben gegriffen und viele Milliarden Euro versenkt. Chrysler war das letzte milliardenschwere Abenteuer. Jetzt fehlt das Geld.

Neuer Investor sichert Zukunft

Die weltweite Konjunkturkrise hat auch Daimler auf die Marterstrecke geschickt; der Absatz an Personenwagen ist in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um ein Viertel eingebrochen; bei Lastkraftwagen beträgt das Minus sogar bis zu 50 Prozent. Nachdem die Beschäftigung von Leiharbeitnehmern beendet worden ist, macht ein erheblicher Teil der Stammbelegschaft Kurzarbeit. An allem muss gespart werden, nicht jedoch an Forschung und Entwicklung. Das jedoch ist teuer. Daimler-Chef Dieter Zetsche will die Einnahmen aus der Kapitalerhöhung und damit aus der Beteiligung von Abu Dhabi in die Entwicklung des Elektroantriebs sowie von Verbundwerkstoffen investieren. Damit ist das Geld gut angelegt, denn es sichert die Zukunft des Konzerns.

Hinzu kommt, dass Daimler einen starken und langfristig orientierten Aktionär gut gebrauchen kann, nachdem sich die Deutsche Bank von ihrem Anteil über die Börse getrennt hat. Im Gegensatz zu Volkswagen, Porsche, Audi und BMW, bei denen Eigentümerfamilien mit hohem Anteilsbesitz eine bedeutende Rolle spielen, befinden sich die Daimler-Aktien zum allergrößten Teil in Streubesitz, was in den vergangenen Jahren der Grund für mancherlei Befürchtungen vor einer feindlichen Übernahme war. Jetzt gibt es mit Abu Dhabi und Kuwait zwei Investoren, die an einer langfristigen Zusammenarbeit mit Daimler interessiert sind. Das gibt Daimler Sicherheit und Stabilität - und ist für beide Seiten von Vorteil, zumal die Investoren aus Abu Dhabi offenbar eine Erhöhung ihres Anteils erwägen. Für Daimler und für Abu Dhabi hat die Verbindung nur Vorteile.

Autor: Karl Zawadzky
Redaktion: Julia Elvers-Guyot