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Aktuell Europa

Schavans win-win-Idee

Hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien, Fachkräftemangel in Deutschland. Jetzt haben sich die Bildungsminister beider Länder ein Konzept überlegt, von dem alle profitieren sollen.

Junge Leuten in Spanien sollen im eigenen Land bessere Ausbildungsmöglichkeiten bekommen oder Alternativen in nördlicheren Ländern Europas: "Wir können nicht zulassen, dass eine ganze Generation junger Menschen verloren geht", sagte die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan während der Deutsch-Spanischen Ausbildungskonferenz. Zu dem Treffen in Stuttgart kamen neben ihrem spanischen Amtskollegen José Ignacio Wert Ortega zahlreiche Vertreter von Unternehmen, Bildungsanbietern, Kammern und Gewerkschaften.

Duales Ausbildungssystem auf Spanien übertragen

Vor allem von den deutschen Erfahrungen mit dem dualen Ausbildungssystem von Berufsschulen und Betrieben will Spanien profitieren. Die beiden Minister unterzeichneten eine Absichtserklärung, nach der das System deutscher Berufsausbildung in Spanien eingeführt werden soll. Konkrete Schritte sollen Anfang September in Madrid vereinbart werden.

"Wir sind in Deutschland davon überzeugt, dass duale berufliche Bildung die beste Vorbeugung gegen Jugendarbeitslosigkeit ist", sagte Schavan. In dem dualen System findet die Ausbildung primär im Unternehmen statt. Dadurch wächst der Auszubildende frühzeitig in das Arbeitsleben hinein. Zeitweise besucht er aber auch eine Berufsschule, in der neben theoretischem Fachwissen auch allgemeinbildende Fächer unterrichtet werden. In Spanien gäbe es die Kombination aus schulischer und praktischer Ausbildung derzeit nur in Pilotprojekten, so Bildungsminister Ortega.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und der spanische Bildungsminister Jose Ignacio Wert Ortega besichtigen am Donnerstag (12.07.2012) das Daimler Ausbildungszentrum in Esslingen und schauen sich einen Motor an. (Foto: Franziska Kraufmann, dpa/lsw)

Die Bildungsminister Schavan und Ortega während der Deutsch-Spanischen Ausbildungskonferenz

Spanische Azubis nach Deutschland

Deutschland und Spanien wollen sich außerdem bemühen, dass die EURES-Datenbank zur Arbeitsplatzvermittlung innerhalb der EU künftig auch auf die Vermittlung von Ausbildungsplätzen ausgeweitet wird. Wegen des Fachkräftemangels gäbe es für spanische Jugendliche auch in Deutschland interessante Ausbildungsmöglichkeiten, so Schavan.

In Spanien ist jeder zweite Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren ohne Job – so viele wie nirgendwo in der EU. Deutschland ist mit einer Quote von 7,9 Prozent das EU-Land mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit. Zu einem erheblichen Anteil wird dies dem deutschen Berufsbildungssystem zugeschrieben. Die deutsch-spanische Pionierarbeit solle zum Modell auch für andere Länder werden, betonte Schavan.

fi/fab (afp, epd, dpa)