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Konflikt im Sudan

André Leslie17. April 2012

Seit Monaten schwelt der Konflikt zwischen Südsudan und Sudan. Die internationale Gemeinschaft tut aber wenig, um zu vermitteln. UN-Truppen sind in der Krisenregion kaum zu sehen, immer mehr Menschen fliehen.

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Zerstörter Pick-up Truck bei Heglig (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa

Noch kein Jahr alt ist der jüngste Staat Afrikas, der Südsudan. Und seit seiner Unabhängigkeit im Juli 2011 liegt er im Streit mit dem Sudan. Dabei geht es vor allem um Öl: Drei Viertel der Vorräte des früheren Gesamtstaates liegen auf dem Gebiet des Südsudan. Auch der umstrittene Status verschiedener Grenzregionen sorgt immer wieder für Konflikte. Erst Mitte April besetzte der Südsudan die ölreiche Region um die Stadt Heglig. Die Regierung in Khartum reagierte prompt: Sie kündigte an, das Gebiet militärisch zurückerobern zu wollen und hat inzwischen mit Luftangriffen begonnen, während sich die Staatschefs von Sudan und Südsudan gegenseitig Kriegstreiberei vorwerfen. Am Montag (16.04.2012) erklärten Abgeordnete des sudanesischen Parlaments in einer Resolution den Südsudan offiziell zum "Feind". Es waren die bisher heftigsten Gefechte seit der Unabhängigkeitserklärung des Südens.

Droht ein neuer Bürgerkrieg?

Ölpipeline im Sudan (Bild: reuters)
Streit ums Öl: Der Süden verfügt über die größten Vorräte, der Norden über die PipelinesBild: Reuters

Der ungelöste Konflikt könnte nun für einen neuen Bürgerkrieg sorgen, fürchtet die internationale Gemeinschaft. Wirkliche Lösungen aber hat sie nicht zu bieten, kritisiert Peter Schumann, früherer Koordinator für den Südsudan im Rahmen der UN-Mission. Die größten Probleme hätten angefangen, als sudanesische Truppen im vergangenen jahr die Grenzregion Abyei übernommen hätten, sagte Schumann gegenüber der Deutschen Welle. "Die internationale Gemeinschaft hat ihre Glaubwürdigkeit verloren, als sie diesem Angriff tatenlos zugesehen hat." Die mangelnde Unterstützung habe sich zuletzt auch am Scheitern der Gespräche zwischen Sudan und Südsudan gezeigt. Man hätte die Vermittlerrolle niemals der Afrikanischen Union (AU) allein überlassen dürfen, glaubt Schumann. "Auch Deutschland hätte mehr machen können." Die Gespräche der AU in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba fanden unter der Leitung des früheren südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki statt. Ohne Ergebnis wurden sie Anfang April 2012 abgebrochen.

Mehr Druck auf Khartum

Das Flüchtlingslager Jamam im Südsudan (Bild: Jared Ferrie)
Notdürftige Versorgung: Das Flüchtlingslager Jamam im SüdsudanBild: Jared Ferrie

Wegen der anhaltenden Gewalt sind immer mehr Menschen auf der Flucht. Nach Angaben der Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) kommen allein im Flüchtlingslager Jida im Südsudan jeden Tag mehr als 400 Flüchtlinge an. Sie alle hätten einen ähnlichen Leidensweg hinter sich, erklärt Vivian Tan vom Büro des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR). "Ihre Dörfer sind bombardiert worden, in den Straßen wurde gekämpft. Viele Flüchtlinge sind sehr weit gelaufen, um sich in Sicherheit zu bringen." Die Straßen seien derzeit kaum befahrbar. Und die bevorstehende Regenzeit werde die Arbeit für Hilfsorganisationen noch zusätzlich erschweren.

Doch obwohl der Südsudan durch die Besetzung des Gebiets um Abyei den Konflikt weiter angefacht hat, geben einige Analysten der Regierung von Präsident Omar al-Baschir in Khartum die Hauptschuld an der drohenden humanitären Katastrophe. Weil Baschir die Südsudanesen militärisch nicht besiegen kann, greife er die Zivilbevölkerung an, sagt Andrew Natsios. Der frühere US-Sonderbeauftragte für den Sudan gilt als Experte für den Sudan, Südsudan und Darfur. Durch den Weltsicherheitsrat oder die Afrikanische Union gebe es in diplomatischer Hinsicht viele Wege der sudanesischen Regierung mitzuteilen, dass man mit ihrem Vorgehen nicht einverstanden sei, sagt Natsios.

Niedergebrannte Häuser: viele Menschen haben Abyei verlassen (Bild: dpa)
Niedergebrannte Häuser: viele Menschen haben Abyei verlassenBild: picture-alliance/dpa

Der Sudan-Experte John Ashworth sieht die Situation ähnlich. Der größte Fehler der internationalen Gemeinschaft sei es gewesen, der Regierung in Khartum ihre guten Willensbekundungen im vergangenen Jahr einfach so 'abzukaufen'.

UN Friedenstruppen "unterbesetzt"

Im Juli 2011 fassten die Vereinten Nationen den Beschluss, eine 4500 Mann starke Sicherheitstruppe in das Gebiet zu schicken, bestehend aus äthiopischen Soldaten. Allerdings kam nur ein Bruchteil dieser Soldaten dort an. John Ashworth, der regelmäßig für verschiedene kirchliche Organisationen im Land unterwegs ist, beschreibt die Friedenstruppen in Abyei als "fast unsichtbar". "Sie sind völlig unterbesetzt. Und es ist sicher wenig sinnvoll, dass sie alle nur aus einem Land stammen."