Schauspiellegende Michael Caine wird 85 Jahre alt | Filme | DW | 13.03.2018
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Filme

Schauspiellegende Michael Caine wird 85 Jahre alt

Vom Arbeiterkind zum von der Queen geadelten Ritter: Michael Caine, zweifacher Oscarpreisträger, kann auf eine große Schauspielkarriere zurückblicken. Bei seinen Rollen war er nicht immer wählerisch.

"Die einzige Alternative dazu, alte Menschen zu spielen, ist, tote Menschen zu spielen. Also wählte ich die alten Menschen", witzelte Michael Caine 2015 in Cannes, wo er seinen Film "Ewige Jugend" vorstellte. Gar nicht mehr zu spielen, das kommt Caine nicht in den Sinn. In rund 160 Filmen hat der britische Charakterschauspieler schon mitgewirkt, es waren viele gute, manche sehr gute und auch ein paar richtig schlechte darunter. 

Schauspielkollege Kevin Kline erzählt gerne von seiner Lieblings-Videothek in London, die in den 90er Jahren ein kleines Regalbrett mit Videos aus der Kategorie "Filme ohne Michael Caine" bestückt habe. Ein Gag mit Wahrheitsgehalt: Michael Caine ist der Workaholic unter den Hollywoodstars. Seine Triebfeder ist der Spaß an der Arbeit - und seine Herkunft.

"Ich habe viel Scheiß gedreht"

Sir Michael, wie er sich nach dem Ritterschlag der Queen nennen darf, wurde am 14.03.1933 in London als Sohn eines Fischmarktarbeiters und einer Putzfrau geboren. Er wuchs in großer Armut auf. Das hat ihn geprägt. Möglichst viel Geld zu verdienen war schon immer sein Lebensziel. Und so war Caine nie besonders wählerisch in der Auswahl seiner Rollen. "Ich habe viel Scheiß gedreht", erklärt er in Interviews freimütig. Zum Beispiel "Der Weiße Hai 4": "Ich hatte eine Minirolle, die ich nur annahm, weil ich eine Menge Geld dafür bekam und ich jemandem aus meiner Verwandschaft unbedingt ein Haus kaufen wollte", erzählte er dem Magazin "Focus".

Bildergalerie Sir Michael Caine 80. Geburtstag (Getty Images)

Starke Pose: Michael Caine in den 60ern

Caine, der gebürtig Maurice Micklewhite heißt, beginnt Mitte der 50er Jahre mit kleinen Rollen am Theater und im Fernsehen. In "Zulu" erhält er 1964 seine erste Hauptrolle. Er spielt einen adeligen Kolonialoffizier, der mit seinen Soldaten eine schwedische Missionsstation gegen einen Angriff der einheimischen Krieger verteidigt. "Regisseur Cyril Endfield war Amerikaner. Ein britischer Regisseur hätte mir, einem Proletarier, die Rolle des Lieutenants nie gegeben", blickte Caine im Gespräch mit der "Zeit" zurück.

Erfolgreich als Prolet

Seine erste Oscarnominierung erhält Caine 1967 dann auch für die Verkörperung eines Proletariers. Es ist die Titelrolle des "Alfie", einem narzisstischen Verführer, den er mit Cockney-Akzent spielt - damals im klassenbewussten Großbritannien eine Sensation. Diesen Akzent der Arbeiterklasse hat Caine privat nie abgelegt, auch wenn er die meisten seiner Rollen mit einem klaren Oxford-Englisch spricht. 

Weitere Oscarnominierungen folgen, 1972 für "Mord mit kleinen Fehlern" (mit Sir Laurence Olivier) und 1983 für "Educating Rita", einer modernen Version der "Pygmalion"-Geschichte von George Bernard Shaw. Drei Jahre später klappt es dann mit dem Oscar: Für seine Rolle des Elliot in Woody Allens "Hannah und ihre Schwestern" wird Michael Caine als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Über seine Zusammenarbeit mit Allen, der mittlerweile von seiner Adoptivtochter Dylan als Kinderschänder beschuldigt wird, sagt Caine in einem aktuellen Interview mit dem "Guardian": "Ich werde damit nicht fertig, denn ich habe Woody geliebt und hatte eine wundervolle Zeit mit ihm. Ich habe ihn sogar Mia Farrow vorgestellt. Ich bereue es nicht, mit ihm gearbeitet zu haben, was ich in aller Unschuld getan habe, aber ich würde nicht noch einmal mit ihm arbeiten."

Immobilien-Sammler und Brexit-Gegner

Ein weiterer Oscar folgt 1999 für seine Verkörperung des Dr. Wilbour Larch in der John-Irving-Verfilmung "Gottes Werk & Teufels Beitrag", und auch im neuen Jahrtausend ist Caine, inzwischen knapp 70, nochmals für den Oscar nominiert: als "Der stille Amerikaner" nach dem gleichnamigen Roman von Graham Greene. Damit bildet er gemeinsam mit Jack Nicholson ein illustres Duo: Die beiden sind die einzigen Schauspieler, die zwischen 1960 und 2010 in jedem Jahrzehnt mindestens einmal für einen Oscar nominiert wurden. 

Bildergalerie Sir Michael Caine 80. Geburtstag mit Ehefrau Shakira (Getty Images)

Glückliches Paar: Caine mit seiner Frau Shakira

Neben der Arbeit engagiert Caine sich für das Amateur-Theater - und steht zu seinen politischen Überzeugungen, etwa beim Thema Brexit, zu dem er eine in der Arbeiterklasse populäre Meinung vertritt: "Ich habe pro Brexit gestimmt. Ich bin lieber ein armer Herr als ein reicher Sklave." Leicht gesagt für einen, der leidenschaftlich Immobilien und Kunst sammeln kann. Dennoch: Privat lief es nicht immer rund. Erst kürzlich gab Caine in einem Interview mit der "Radio Times" zu, dass er zu Beginn seiner Karriere täglich eine Flasche Wodka leerte: "Ich war nicht unglücklich, aber ich hatte Stress." Halt fand er bei seiner Frau Shakira, mit der er seit 1973 verheiratet ist. Die beiden haben eine Tochter. "Ohne Shakira wäre ich schon vor langer Zeit tot gewesen. Ich hätte mich vermutlich zu Tode gesoffen." Heute erklärt er, nur noch zum Essen einen Wein zu trinken und sich geistig noch immer wie 38 zu fühlen.

Zuletzt war Caine 2017 an der Seite von Morgan Freeman und Alan Arkin in der Rentnerkomödie "Going in Style" zu sehen - ein "Abgang mit Stil" auch für ihn? Mitnichten. Mit Spice-Girls-Erfinder Simon Fuller hat er gerade eine Dokumentation über die 60er Jahre gedreht, ein Buch über Ruhm ist auch in der Mache. Auf die Frage des "Guardian", ob er jemals in Rente gehen werde, antwortete er: "Nein. Das Filmbusiness schickt dich in Rente. Wenn ich ein Skript bekomme, das ich wirklich machen will, dann mache ich es." Happy Birthday, Michael Caine!

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