Schauspielerin Kirchberger: Kann Übergriffe nicht bestätigen | Filme | DW | 04.01.2018
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Filme

Schauspielerin Kirchberger: Kann Übergriffe nicht bestätigen

Anfang der Woche fiel mit Dieter Wedel erstmals ein deutscher Name in der #MeToo-Debatte. Der Regisseur bestreitet, Frauen sexuell bedrängt zu haben. Auch Schauspielerin Sonja Kirchberger ergreift nun für ihn Partei.

"Es hat sehr viele Affären gegeben, aber ich habe nie etwas über sexuelle Übergriffe gehört oder derartiges gesehen", sagte die österreichische Schauspielerin in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Sonja Kirchberger stand mehrmals für Wedel vor der Kamera und auf der Theaterbühne. Sie bezeichnet ihn als einen ihrer Lieblingsregisseure, sagt aber auch, dass sie nicht wissen könne was "hinter verschlossenen Türen" passiert sei.

Die Vorwürfe gegen Wedel wurden laut, nachdem Schauspielerinnen den Regisseur im aktuellen "Zeit-Magazin" der sexuellen Belästigung beschuldigten. Mittlerweile ist sogar eine Beschwerdestelle für Opfer aus der Filmbranche im Gespräch.

Dieter Wedel Regisseur (picture-alliance/dpa/S. Pförtner)

Wedel weist Vorwürfe zurück

In dem Magazin, das der Wochenzeitung "Die Zeit" beiliegt, schildert eine Schauspielerin, wie Wedel sie 1996, als sie 27 Jahre alt war, angeblich in einem Hotel zum Sex gezwungen hat. Eine weitere namentlich genannte Schauspielerin beschreibt, wie Wedel sie 1991 gewaltsam in einem Hotelzimmer angegangen habe. Die Schauspielerin Corinna Harfouch wird als nicht selbst Betroffene mit den Worten zitiert: "Viele haben gewusst, dass Wedel Schauspielerinnen schlecht behandelt und demütigt. Das war ein von allen gestütztes System." Zudem kommen ehemalige Mitarbeiter von Wedel und Personen aus dem Umfeld der Frauen zu Wort, deren Aussagen die Anschuldigungen stützen sollen.

"Viel zu lange allein gelassen"

Corinna Harfouch sitzt mit gefalteten Händen hinter einem Mikro.(Imago/APress)

Corinna Harfouch formuliert klare Worte im Fall Wedel

Wedel hat den Anschuldigen der Frauen widersprochen: Vor Erscheinen des Berichts habe er "eine umfassende eidesstattliche Erklärung zu den schweren Anschuldigungen abgegeben", teilte sein Anwalt Michael Philippi mit. "Darin versichert er, dass die offenbar von mehreren Schauspielerinnen gegen ihn erhobenen Vorwürfe unzutreffend und nicht gerechtfertigt sind. Er habe zu keinem Zeitpunkt diesen oder anderen Frauen in irgendeiner Form Gewalt angetan", heißt es in der Mitteilung des Anwalts.

In Anbetracht der Vorwürfe wurden inzwischen Forderungen nach einer überbetrieblichen Beschwerdestelle für die Filmbranche lauter. Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sagte: "Auch in Deutschland wurden Schauspielerinnen und Schauspieler, die Belästigung erfahren haben, viel zu lange allein gelassen." Die Einrichtung einer Beschwerdestelle sei wichtig, um zu erreichen, dass sexuelle Belästigung in dieser Branche nicht länger hingenommen werde. "Über die sprichwörtliche 'Castingcouch' ist viel zu lange geschmunzelt worden", sagte sie. Der Fall Weinstein und die #MeToo-Debatte hätten ein Schlaglicht darauf geworfen, dass Schauspielerinnen und Schauspieler einem erhöhten Risiko der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz ausgesetzt seien.

Porträt von Christine Lüders von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Fordert eine Anlaufstelle für Opfer sexualisierter Gewalt in der Filmbranche: Christine Lüders

Glaube an Wedels Unschuld

Unterstützung erfährt Dieter Wedel, der auch Intendant der Bad Hersfelder Festspiele ist, dagegen von Bürgermeister Thomas Fehling. "Ich habe keinen Anlass, an der Glaubwürdigkeit von Dieter Wedel zu zweifeln. Er genießt unser vollstes Vertrauen. Im Zusammenhang mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen fühle ich mich an eine Hexenjagd erinnert", sagte er der dpa. Und Schauspielerin Brigitte Grothum, die zuletzt auch in Bad Hersfeld mit Wedel arbeitete, sagte der Nachrichtenagentur, sie halte es für ausgeschlossen, dass an den Vorwürfen etwas dran sei: "Unvorstellbar, ich habe sehr oft in früheren Jahren mit Wedel gedreht. Er hätte es bestimmt nicht nötig gehabt, eine Frau sexuell zu belästigen oder gar zu nötigen. Meine Erfahrungen sprechen absolut dagegen."

Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender ZDF, der unter anderem für den Mehrteiler "Der Schattenmann" (1996) mit Wedel zusammengearbeitet hat, äußerte sich nun ebenfalls zu den erhobenen Vorwürfen: "Dem ZDF lagen keine Hinweise zu den im 'Zeit-Magazin' geschilderten Vorfällen vor", erklärte der Sender. Es handele sich um schwerwiegende Vorwürfe gegen Herrn Wedel, die dieser in einer eidesstattlichen Versicherung zurückgewiesen habe. Auch eine Sprecherin der ARD-Programmdirektion sagte, dem Sender seien die Vorwürfe nicht bekannt gewesen.

bb/gri (dpa, bad-hersfelder-festspiele.de)

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