1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Amerika

Schaufenster des lateinamerikanischen Kinos

Am Sonntag ist in Buenos Aires das 11. Festival des Unabhängigen Films BAFICI zu Ende gegangen– das größte und wichtigste Independent-Film-Treffen Lateinamerikas. 400 Filme standen in diesem Jahr auf dem Programm.

Besucher beim BAFICI in Buenos Aires (Foto: Victoria Eglau / DW)

Besucher beim BAFICI in Buenos Aires

"Was ich bisher gesehen habe, fand ich interessant“, urteilt Hans Hurch, langjähriger Direktor des Wiener Filmfestivals Viennale und derzeit Jury-Mitglied des argentinischen Wettbewerbs beim Independent-Filmfest BAFICI. "Was mir auffällt: wie unterschiedlich in den Formen und Erzählweisen und Geschichten das argentinische Kino ist. Ich bin immer wieder überrascht, wie eigensinnig und ungewöhnlich Filme aus Argentinien sind."

Hurch ist nicht zum ersten Mal in Buenos Aires. Gerne sucht er hier aktuelle lateinamerikanische Produktionen für sein eigenes Festival aus und schätzt die gute Qualität des BAFICI-Programms. "Man kann in den letzten Jahren beobachten, dass sowohl in Argentinien, als auch in Chile, zum Teil auch in Brasilien, Paraguay und Uruguay eine Reihe von sehr interessanten Filmen entstehen. Und weil man nicht in einem permanenten Kontakt mit der Cinematografie dieser Länder ist, ist es sinnvoll, immer mal wieder hierher zu kommen."

Open-Air Vorstellung (Foto: Victoria Eglau / DW)

Auch Freiluft-Vorstellungen gehören zum BAFICI

Plattform für den Nachwuchs

Zum elften Mal findet das BAFICI in diesem Jahr statt. Während das Festival für ausländische Besucher zu einem wichtigen, vielleicht dem wichtigsten Schaufenster des lateinamerikanischen Films geworden ist, stellt es für viele junge Regisseure die erste Möglichkeit dar, ihre Arbeit einem breiten Publikum zu zeigen.

“Das BAFICI ist kein Roter-Teppich-Festival, kein Festival des Glamours und der Stars”, meint Sergio Wolf, Direktor des BAFICI. “Das Festival ist vielmehr ein Sprungbrett für neue Filmemacher. Das war es immer schon, von Anfang an. Immer mehr junge Regisseure schreiben sich den Termin des BAFICI in den Kalender, als Gelegenheit, ihre Arbeit in einem Rahmen zu präsentieren, den sie als interessant empfinden.”

Neue Themenvielfalt

Das gilt besonders für Regisseure aus der BAFICI-Heimat Argentinien, wo es stark in Mode ist, Film zu studieren, aber auch etwa für den Nachwuchs aus dem Nachbarland Chile. Dort hat die Gründung der ersten Filmhochschule des Landes in den letzten Jahren eine Art Boom der heimischen Independent-Kino-Produktion ausgelöst.

Kinosaal BAFICI (Foto: Victoria Eglau / DW)

Spannung im Saal, bevor es los geht

Auch in Chile gibt es ein sehr heterogenes Kino, aber nach Meinung des Filmkritikers Gonzalo Massa mit einem hervorstechenden gemeinsamen Merkmal. Der neue chilenische Film sei ein sehr intimer Film. “In Chile haben wir mit der Militärdiktatur und zuvor mit der Regierung Salvador Allendes zwei soziale Traumata erlebt, und nachdem die vorbei waren, wurde die Wiedergewinnung des persönlichen Raums sehr wichtig. Also, nach der Lösung der großen politischen Probleme ist da das Bedürfnis, von Dingen zu reden, die uns im Privaten passieren. Da geht es meistens um Familie, um Freunde, um Paarbeziehungen. Das sind die großen Themen des neuen chilenischen Kinos.“ Ein Beispiel: der Film "Mami te amo“ der 24jährigen Elisa Eliash, in dem es um eine eigenartige Mutter-Tochter-Beziehung geht und der beim BAFICI im Wettbewerb Kino der Zukunft läuft.

Alle anderen - Szenenbild aus dem deutschen Beitrag von Maren Ade (Pressefoto)

Alle anderen - so heißt der deutsche Beitrag von Maren Ade

Deutscher Beitrag

Am internationalen Wettbewerb nimmt auch ein deutscher Streifen teil: "Alle Anderen" von Maren Ade, der sich bei der Berlinale den Silbernen Bären mit "Gigante“ des Argentiniers Adrián Biniez teilte. Eine Mann-Frau-Beziehung, die aus allernächster Nähe beobachtet wird, steht im Mittelpunkt des bereits bei der Berlinale preisgekrönten deutschen Beitrags.

Maren Ade, zu Besuch in Buenos Aires, freut sich über das große Interesse das Publikums: volle Säle und viele Fragen: "Was gut ist, dass schneller Fragen gestellt werden. Bei anderen Festivals muss man erstmal zehn Minuten erzählen, bis jemand sich traut, eine Frage zu stellen. Das ist anders hier.“ Das mag an der grundsätzlichen Extrovertiertheit vieler Argentinier liegen, aber auch daran, dass das BAFICI-Publikum ein besonders engagiertes ist. Der Andrang ist auch in diesem Jahr riesig - die einen interessieren sich für heimisches Independent-Kino, die anderen kommen wegen besonderer und seltener Streifen, die sonst in Buenos Aires nicht gezeigt werden.

Viennale-Chef und BAFICI-Jury-Mitglied Hans Hurch erzählt von einem beeindruckenden Erlebnis: "Ich habe gestern Abend Antigone vorgestellt, einen 15 Jahre alten Film, an dem ich mitgearbeitet habe. Der Saal war praktisch voll, da waren 300 Leute, und die sind bis zum Schluss geblieben. Und am Ende haben die Leute applaudiert. Das habe ich noch nirgendwo erlebt. Es gibt eine Offenheit, ein Interesse und eine bestimmte Form von Geduld – das ist bei diesem Festival noch stärker als bei anderen. Das ist schön: diese Neugier, und auch das sehr junge Publikum – da weiß man, dass das Festival eine Zukunft hat.“

Autorin: Victoria Eglau

Redaktion: Mirjam Gehrke