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Kultur

Schau' mir in die Augen, Kleines: Hommage an Ingrid Bergman

Als Hollywood sie rief, war sie in Schweden bereits ein Star. Mit ihrem Auftritt in "Casablanca" an der Seite von Humphrey Bogart schrieb Ingrid Bergman Filmgeschichte. Ihr 100. Geburtstag wird groß gefeiert.

Sie sei "eine moderne Ikone, eine emanzipierte Frau, unerschrockene Schauspielerin und eine Gallionsfigur des neuen Realismus", schwärmte die Festivalleitung in Cannes im Frühjahr über Ingrid Bergman. Das offizielle Plakat des weltweit wichtigsten Filmfestivals zeigt den Star ganz schlicht auf weißem Hintergrund. Gleichzeitig erinnert das Motiv in seiner Schwarz-Weiß-Optik aber auch an die vielen realistischen Filme, die Ingrid Bergman fernab von Hollywood drehte.

Natürliche Schönheit

Natürlich war es kein Zufall, dass Cannes im Mai ausgerechnet Ingrid Bergman zu dem Gesicht des Festivals machte. Sie wurde vor 100 Jahren, am 29.8.1915, in Stockholm geboren,und zweifellos gehört sie zu den allergrößten Schauspielerinnen des letzten Jahrhunderts. Erstaunlich nur, dass sie sich auch im digitalen Zeitalter, in dem sich schon zwanzigjährige Hollywood-Starlets reihenweise unter die Messer der Schönheitschirurgen begeben, ihren Zauber bewahrt hat.

Cannes 2015 mit Ingrid Bergman Plakat (Foto: REUTERS/Eric Gaillard)

Auch 2015 noch im Fokus: Ingrid Bergman auf dem Cannes-Plakat

Vielleicht fußt diese Faszination, über Jahrzehnte in den Herzen der Kinozuschauer konserviert, ja auch darin, dass Ingrid Bergman etwas Unnahbares, etwas Unerklärliches hatte. Im Gegensatz zu vielen anderen weiblichen Hollywoodstars bot die Bergman viele Facetten: Sie war Schwedin, Kind einer deutschen Mutter, die starb, als Ingrid drei Jahre alt war. Sie wurde im frühen schwedischen Kino zum Star und eroberte mit Auftritten in Ibsen- und Strindberg-Stücken auch die Herzen der Theaterzuschauer.

Legendärer Filmerfolg "Casablanca"

1938 ging sie nach Hollywood und stieg dort schnell zum absoluten Publikumsliebling auf, spielte an der Seite von Film-Heroen wie Humphrey Bogart und Gary Grant, Spencer Tracy und Gary Cooper. Ihr hingehauchter Dialog mit Bogart im Klassiker "Casablanca", ihr traurig-schmachtender Blick am Ende des Films - all das wurde nicht nur zu Kino- und Filmgeschichte: Das Antlitz der Bergman nahm geradezu ikonografische Dimensionen an. Der Filmkuss zwischen Bergman und Bogart wurde zu einem der berühmtesten des 20. Jahrhunderts.

Ingrid Bergman und Lars Schmidt 1958 (Foto: OLLE SEIJBOLD/AFP/Getty Images)

Sie faszinierte die Kinowelt mit ihrer Natürlichkeit, hier 1958 an der Seite des schwedischen Produzenten Lars Schmidt

Für andere Stars hätte das für eine ganze Karriere gereicht. Nicht so für Ingrid Bergman. Sie verliebte sich in den italienischen Filmregisseur Roberto Rossellini und erfand sich noch einmal ganz neu - was das zu weiten Teilen puritanische US-Publikum erzürnte. Schließlich steckten beide damals noch in anderen Beziehungen.

Sechs Filme drehte Ingrid mit ihrem Roberto - und was für welche! Harte, sozialkritisch wie existenzialistisch ausufernde Dramen, in Schwarz-Weiß, nüchtern und erbarmungslos inszeniert. Das war zu viel für die Zuschauer, die eigentlich nur immer wieder den Star aus "Wem die Stunde schlägt" und "Casablanca" sehen wollten. Doch Ingrid Bergman und Roberto Rossellini machten ganze Sache. Sie heirateten, bekamen drei Kinder, und die Hollywood-Ikone war für einige Jahre erst mal abgemeldet in den Kinos zwischen Los Angeles und New York.

Radikaler Wechsel

Nicht jedoch in Europa. Mit Filmen wie "Stromboli" und "Reise in Italien" begeisterte sie die Cineasten schon ein paar Jahre bevor in Frankreich, Großbritannien und Deutschland die Bilderstürmer der "Nouvelle Vague" und des "Neuen Deutschen Films" das Kino neu erfanden.

Und dann ging sie doch wieder nach Hollywood, als gereifte Frau, wenn man das Wort auf die 40-jährige Filmschönheit, wie es die Bergman war, überhaupt anwenden will. Sie drehte noch einmal am großen Hollywood-Star-Rad mit Filmen wie "Anastasia", "Indiskret" und "Lieben sie Brahms". An ihrer Seite unter anderem: Yul Brynner, noch einmal Gary Grant, der Deutsche Curd Jürgens und die beiden Anthonys Hollywoods, Perkins und Quinn.

Schauspielerin Ingrid Bergman in Das Haus der Lady Alquist/Gaslight mit Charles Boyer (Foto: picture-alliance/KPA)

Bergman spielte mit vielen Stars, hier eine Szene aus "Gaslight" (1944) mit Charles Boyer

Doch immer weniger, vielleicht auch den Erfahrungen aus Europa nach dem Zweiten Weltkrieg geschuldet, fand sie Zugang zur Glitzer- und Glamourwelt Hollywoods. Ihre Auftritte vor den Kameras wurden seltener. Für den Schweizer Bernhard Wicki spielte sie 1964 in "The Visit" mit, einer eindrucksvollen Adaption von Friedrich Dürrenmatts Büchlein "Der Besuch der alten Dame". Sie drehte auch fürs Fernsehen, trat wieder auf den Theaterbühnen auf und zog sich schließlich in den 1970er Jahren weitgehend zurück vom Filmgeschäft.

Denkwürdiger Auftritt in Ingmar Bergmans"Herbstsonate"

Ende des Jahrzehnts hatte sie dann allerdings noch einen denkwürdigen Auftritt: Beim großen Ingmar Bergman, ihrem Landsmann, für den sie in ihrer langen Karriere nie zuvor gearbeitet hatte, spielte sie in "Herbstsonate" mit Liv Ullman eine zu Herzen gehende Mutter-Tochter-Beziehung. Zu Herzen ging das den Zuschauer auch, weil man zu der Zeit schon von der Krebserkrankung der Schauspielerin wusste. Ein Kurzauftritt im TV-Movie "Golda Meir" 1982 sollte ihre letzte Rolle vor den Kameras sein. Sie starb wenige Monate später an ihrem 67. Geburtstag.

Ingrid Bergman (Foto: Getty Images)

Auch im reifen Alter eine Schönheit: Ingrid Bergman

Jetzt wird wieder überall an den charismatischen Kinostar erinnert. In Schweden begannen die Feiern zu ihren Ehren am 20. August, dort eröffnet Isabella Rossellini die Bergman-Festspiele. Die Tochter aus der Ehe mit Roberto Rossellini wird das Festjahr zu Ehren ihrer Mutter in den folgenden Wochen maßgeblich mitbestimmen.

Die Kinder ehren die berühmte Mutter

Ende des Monats richtet das "Museum of Modern Art" in New York eine Retrospektive ihrer Filme aus. Außer Isabella werden drei weitere Kinder Ingrid Bergmans das Werk der Mutter in New York vorstellen.

Schließlich lädt Isabella im September und Oktober in der US-Metropole, aber auch in London, Paris und Rom zu einer "A Tribute to Ingrid"-Tournee ein. Europa und die USA, die beiden so unterschiedlichen Welten, in denen Ingrid Bergman große Erfolge feierte, werden dann zusammenfinden. Tochter Isabella, die selbst zwischen Hollywood und Europa pendelt, wird sicherlich die passenden Worte über die berühmte Mutter finden.

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