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Wissen & Umwelt

Schatzkammer unter Schutz

Die weiße Eiswüste am Südpol ist einer der letzten unberührten Naturräume der Erde. Temperaturen bis minus 90 Grad C und heftige Schneestürme machen die Antarktis zu einer lebensfeindlichen Gegend.

Szenerie Antarktis (Foto: Alfred-Wegener-Institut)

"Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Kampf um Rohstoffe mit militärischen Mitteln geführt wird", heißt es in einem russischen Positionspapier zur Arktis. In der Region um den Nordpol herrscht Goldgräberstimmung und die Anliegerstaaten versuchen ihre Claims abzustecken. In der Antarktis, der Region um den Südpol, liegt die Ausbeutung der Rohstoffe aber buchstäblich auf Eis. In einem Zusatzprotokoll zum Antarktisvertrag, der bis zum Jahr 2041 verlängert wurde, sind Bergbauaktivitäten ausdrücklich verboten. Dem "sechsten Kontinent" wurde eine Atempause gegönnt, die in 32 Jahren enden könnte. Denn nicht nur die Arktis, auch die Antarktis gilt als Schatzkammer: Riesige Öl- und Gasvorkommen schlummern dort, dazu andere Rohstoffe wie Kohle, Eisen, Kupfer, Platin und Gold.

Staats- und atomwaffenfreie Zone

Territoriale Ansprüche stellten schon im 20. Jahrhundert mehrere Staaten: Argentinien, Chile, Großbritannien, Norwegen, Frankreich, Australien und Neuseeland. Die Südamerikaner beriefen sich auf geologische Gründe, die übrigen Staaten vor allem auf ihre Abenteurer, die einst Teile des Kontinents als Erste betraten und damit, so jedenfalls die Interpretation der Regierungen, für ihr Land in Besitz nahmen. Alle Staaten stellten ihre Ansprüche zunächst jedoch zurück. Verantwortlich dafür war das internationale Geophysikalische Jahr 1957/58. Die intensive Zusammenarbeit in der Forschung trug damals auch politisch Früchte: Der Antarktisvertrag vom 1. Dezember 1959 machte alle Land- und Eisflächen südlich des 60. Breitengrads zu einem staatsfreien Gebiet.

Polarforscher in der Antarktis (Foto: Alfred-Wegener-Institut)

Polarforscher in der Antarktis

Die Region um den Südpol darf für die Dauer des Vertrags ausschließlich friedlich und zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt werden. Ausdrücklich verboten sind Waffentests, insbesondere Atomwaffenversuche.

Wer viel forscht, darf mitbestimmen

Der Vertrag trat am 23. Juni 1961 in Kraft. Inzwischen haben ihn 46 Staaten unterzeichnet, darunter 1979 Deutschland. Die Bundesrepublik gehört auch zu den 18 Vertragsstaaten mit einem sogenannten "Konsultativstatus", die sich einmal im Jahr treffen. Über 250 weitergehende Regelungen wurden dabei vereinbart, überwiegend zum Umweltschutz in der Antarktis. Den "Konsultativstatus" erwarben sich die Staaten durch besonders umfangreiche wissenschaftliche Forschung in der Region. Koordiniert wird diese durch das Wissenschaftliche Komitee zur Antarktisforschung (Scientific Committee on Antarctic Research - SCAR), das 1958 ins Leben gerufen wurde. Derzeit gibt es rund 80 Forschungsstationen in der Antarktis, von denen etwa die eine Hälfte ganzjährig, die andere nur im Sommer besetzt ist. In Spitzenzeiten kommen rund 4000 Bewohner zusammen. In der Regel bestehen die Stationen aus Containern, die von Stahlröhren getragen werden. Der Antarktisvertrag schreibt vor, dass die Unterkünfte komplett entsorgt werden müssen, sobald sie außer Dienst gehen. Nichts soll auf dem weißen Kontinent zurückbleiben.

Richtfest im Eis

Der wohl bekannteste Stützpunkt der Forscher in der

Neumayerstation des Alfred Wegener Instituts in der Antarktis (Foto: Andreas Buhl)

Neumayerstation des Alfred Wegener Instituts in der Antarktis

Antarktis ist die US-amerikanische Amundsen-Scott-Station direkt am geographischen Südpol. Aus deutscher Sicht ist die Neumayer-Station hervorzuheben, die in der Atka-Bucht im Nordosten der Antarktis liegt und in der seit 1981 geforscht wird. Sie wird vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven betrieben und auch regelmäßig von dessen Forschungsschiff "Polarstern" angefahren. Am 11. Januar wurde Richtfest für die inzwischen dritte Neumayer-Station gefeiert. Für das Frühjahr ist der Umzug in die neue Containerkonstruktion geplant. Deren Stützen können hydraulisch angehoben werden. So wird sichergestellt, dass die Station nicht wie ihre Vorgänger in Schnee und Eis versinken.

Unser Autor Stefan Nestler (Foto: DW)

Autor: Stefan Nestler

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