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Schatzkästchen

"Schatz", "Schatzi", "Schätzchen" "Schätzelein" schallt es aus allen Ecken und Enden dieses Landes. Aber was posaunen die Deutschen damit so fröhlich in die Welt hinaus? Wir suchen mal im Schatzkästchen nach dem Grund.

Ein Mann flüstert einer Frau etwas ins Ohr

Ob er ihr wohl liebevolle Kosenamen zuflüstert?

Betrachten wir die Grundlage dieser Ausrufe, das Wort Schatz, einmal sprachgeschichtlich, so wird klar: Im Mittelhochdeutschen und Gotischen stand Schatz für all das, was zum Handeln und Tauschen gut war und den Menschen damit ein gutes Leben brachte – Geld und Vermögen, aber auch Vieh.

Sehen die Deutschen etwa einen gut tauschbaren Gegenstand, in den Personen, denen sie liebevoll den Kosenamen Schatz zuflüstern? Nein, wohl kaum, denn welche Frau oder welcher Mann würde nicht erschrocken Reißaus nehmen, wenn er oder sie mit einem wertvollen Rindvieh verglichen wird? Eben! Daher wird die Geschichte und ursprüngliche Bedeutung des Wortes uns wohl kaum auf die richtige Idee bringen, warum und was sich die Menschen in Deutschland mit diesen Kosenamen sagen wollen.

Anstrengende Schatzsuche

Ein Fernrohr, ein Kompass und eine Seekarte

Auf Schatzsuche mit Fernrohr, Kompass und Seekarte

Viele Bücher und Filme, vor allem die, die von Piraten handeln, kommen ohne einen großen Schatz und die Suche danach nicht aus. Oft dreht sich die gesamte Handlung um diese verborgene Sammlung von Gegenständen aus Edelmetall oder Edelsteinen, die von den Seeleuten gefunden oder eben nicht gefunden wird.

Mit extra dafür gezeichneten Schatzkarten, die auf meist eher unverständliche Art und Weise den Weg zum Versteck dieses großen Reichtums weisen, versuchen die Schatzsucher vor allen anderen Schatzsuchern die versteckte Schatulle – auch Schatzkiste genannt – zu finden und dann ein schönes Leben in Hülle und Fülle zu genießen.

Verfluchte Schätze

Eine Piratenflagge am Strand

Oh,oh, nicht dass hier verfluchte Piraten ihr Unheil treiben!

Geschichten, die eine Moral in sich tragen, also aussagen wollen, dass Geld und Schätze nicht das Wichtigste auf der Welt sind, finden ein anderes Ende. Dann nämlich ist der Schatz nach jahrelangem Suchen und erschöpften Finden auch noch verflucht, und all die, die das Geld ausgeben, sind verdammt, auf ewig rastlos auf dem Meer zu segeln.

Wenn man also einer Person sagt: "Du bist ein Schatz", will man ihr dann damit zu verstehen geben, dass es unglaublich anstrengend war sie zu finden? Oder noch schlimmer, dass man verdammt sein wird, wenn man sie in den Arm nimmt? Na, in einigen Fällen mag das wahr sein, aber allgemeingültig ist diese Definition sicher nicht. Die Grundlage unseres Kosenamens haben wir also noch immer nicht gefunden. Suchen wir weiter in unserem Schatzkästchen.

Schätze, Diebe und Tresore

Die Totenmaske des Tutenchamun

Wichtige Schätze heutzutage: archäologische Funde

Für die wenigen Schatzkästchen, die man heutzutage noch finden kann, braucht man ganz bestimmt keine Schatzkarte, kein Piratenschiff – und einen Fluch braucht man auch nicht zu befürchten. Denn diese finden sich meist gut sichtbar auf Kommoden von Frauen und sollten höchstens ein paar nicht sehr wertvolle Ohrringe enthalten.

Bei privaten Schätzen mit sehr großem Wert, sollte man sich ein gutes Versteck aussuchen, das den heutigen Schatzsuchern und Piraten – den Gangstern und Dieben – eine knifflige Schatzsuche bietet. Was man für diese Wertsachen nicht unbedingt braucht, ist ein Schatzmeister. Dieser verwaltete früher das große Vermögen von Königen und Adeligen. Aber: Einen guten Vermögensberater sollte man auch in der heutigen Zeit kennen.

Ideelle Schätze

Eine Schatzkiste im Sand am Meer

Ob hier wohl echte oder ideelle Schätze versteckt sind?

Ein privater Schatz muss aber nicht unbedingt ein Gegenstand sein, der einen finanziellen Wert hat. Nehmen wir zum Beispiel die Taschenuhr vom Opa: Man bewahrt sie sicher auf, behandelt sie ganz vorsichtig, weil man so viele Erinnerungen mit ihr verbindet. Irgendwann lässt man sie schätzen, also beim Juwelier den Wert ermitteln. Dann ist man erstaunt, dass man nicht mehr viel Geld für dieses alte Schätzchen bekäme.

Allerdings: dieser Schatz ist mit keinem Geld oder Gold aufzuwiegen, denn er hat einen ideellen Wert. Man schätzt diesen Gegenstand hoch, weil ihn die Gefühle, die man mit ihm verbindet, zu einem persönlichen Schatz machen. So sagt auch die Bibel man solle Schätze sammeln, die weder Motten noch Rost fressen und die Diebe nicht ausgraben oder stehlen können, sozusagen eine Art ideelle Schatzkiste.

Schatz in Variationen

Eine Frau liest in einem Duden

So kann man auch seinen Wortschatz erweitern

Und da kommen wir der Beantwortung unserer eigentlichen Frage doch schon viel näher. Man würde seinen Freund oder seine Freundin ja auch nicht ins Pfandleihhaus oder zum Juwelier bringen, um den Wert schätzen zu lassen. Denn man weiß eben, dass die Person nur für einen selbst wertvoll ist, weil man mit ihr so viele Gefühle verbindet.

Daher nennt man in Deutschland die Menschen, die einem redensartlich besonders am Herzen liegen „Schatz“. Und diesen Kosenamen gibt es dann natürlich in allen möglichen Varianten und Verniedlichungen, wie Schatzi, Schätzchen, Schatzilein. Der deutsche Wortschatz bietet da so einiges an.

Gefühle und Besitz
Schön und gut, jetzt haben wir die Antwort auf unsere Frage gefunden, weshalb hier zu Lande Schatz in allen Variationen so gerne als Kosenamen benutzt wird. Es gibt aber noch eine ganz andere, nicht sprachliche, sondern juristische Bedeutung dieses Begriffes: Laut Paragraph 984 des Bundesgesetzbuches ist ein Schatz, "eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass der Eigentümer nicht mehr ermittelt werden kann." Hmmm, seinen Liebsten oder seine Liebste einen alten Gegenstand zu nennen, der keinen Eigentümer mehr hat, ist dann aber doch nicht die galanteste Art seine Gefühle auszudrücken. Vielleicht sollte man seinen Schatz doch lieber Hase, Mausi, Bärli oder Kätzchen nennen?!








Fragen zum Text

Mit dem Ausdruck Schätze, die weder die Motten noch der Rost fressen sind gemeint:
1. ideelle Schätze.
2. Tiere.
3. Kosenamen.

Früher waren Schätze die Dinge, die geeignet waren zum …
1. Essen und Trinken
2. Handeln und Tauschen.
3. Schätzen und Bewerten.

Ein Jurist versteht als Schatz
1. eine Sache, die lange verborgen lag und deren Eigentümer nicht mehr ermittelt werden kann.
2. die Art und Weise, wie ein Plädoyer gehalten wird .
3. einen Kläger mit besonders viel Geld.


Arbeitsauftrag
Erstelle ein Wortschatz-Spiel. Schreibe verschiedene Wörter und Begriffe, die dir im Zusammenhang mit Piraten, Schätzen, Schatzsuche und Kosenamen einfallen, auf kleine Zettel. Fülle sie in ein Schatzkästlein. Suche dir ein paar Mitspieler und Mitspielerinnen. Zieht dann nacheinander ein Wort und umschreibt es mit kleinen Hinweisen und Geschichten rund um das Thema. Wer die meistern Worte errät, ist der Sieger, die Siegerin.

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