1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Ostmitteleuropa

Schattenseiten des EU-Beitritts Polens

- Deutsche Firmen kaufen im großen Still polnische Lebensmittel auf

Bonn 18.6.2004, DZIENNIK POLSKI, EXSPRESS ILUSTROWANY, poln.

DZIENNIK POLSKI, poln. 18.6.2004

Die Tatsache, dass die Deutschen von den polnischen Landwirten Milch massenhaft aufkaufen, trägt zu einem erheblichen Preisanstieg für Milch und Milchprodukte in Westpolen bei. Diejenigen Landwirte, die mehr Geld von den Deutschen kassieren wollen, dürfen jedoch dabei nicht vergessen, dass die deutschen Firmen illegal agieren. (...)

Die Deutschen bieten z. B. den Landwirten aus der Region Wielkopolska (Region Posen) einen viel höheren Preis pro Liter Milch als die polnischen Molkereien. Der Preis variiert zwischen 1,30 (0,28 Euro) und 1,50 Zloty (0,32 Euro). Somit ist er um 0,30 bis 0,50 Zloty höher, als der, den die polnischen Molkereien bisher bezahlt haben.

Die deutschen Firmen, die in Polen den Einkauf von Milch im großen Stil betrieben, aber nicht im Register der Agentur für den Lebensmittelmarkt eingetragen sind, verstoßen gegen geltendes Recht. (...) Diese Praktiken der Deutschen verursachen außerdem eine Preisexplosion für Milch und Milchprodukte.

Sehr bezeichnend in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die deutschen Firmen den polnischen Landwirten nur kurzfristige Verträge für die Milchlieferungen anbieten.

Dieser Aufkaufsaktion liegt sicherlich nur ein einziges Ziel zu Grunde: Sie soll absichtlich große finanzielle Probleme bei den polnischen Molkereien hervorrufen, die schließlich mit der Insolvenz enden sollen. Dann würde sich der polnische Markt für die deutschen Produkte öffnen, und die deutschen Firmen könnten dann als Monopolist die Preise diktieren. (...)

Das Interesse der Deutschen an polnischer Milch resultiert nicht nur aus den oben genannten Konkurrenzgründen und dem Versuch, den polnischen Markt zu erobern. Es ist auch durch die wachsende Nachfrage nach polnischen Milchprodukten auf dem EU-Markt bedingt. Ein großer Teil polnischer Milchprodukte wird nämlich in die EU exportiert. Die Nachfrage nach polnischer Sahne, Butter und einigen Käsesorten in Deutschland und in Frankreich wächst rapide. Aus diesem Grunde ist es für die Deutschen wichtig, die polnischen Molkereien in den Ruin zu treiben. Sie könnten dann dieses Marktsegment selbst übernehmen und die polnischen Produkte verdrängen.

Radoslaw Iwanski, Pressesprecher der Agentur für den Lebensmittelmarkt in Polen:

"Die Bedingungen für den Einkauf von Rohmilch sind im Gesetz enthalten. Danach darf ein Landwirt Milch nur an die Firmen verkaufen, die im Register der Agentur eingetragen sind. Ein Landwirt ist außerdem verpflichtet, über jegliche Änderungen von Firmen, an die er seine Produkte verkauft, die Agentur zu informieren. Demnach ist der Verkauf von Rohmilch und von Milchprodukten an ausländische Firmen rechtswidrig. Dazu sind lediglich die Molkereien berechtigt. (sta)

EXPRESS ILUSTROWANY, poln., 18.6.2004

In den Fleischgeschäften in Lodz gibt es kein Rind- und Kalbfleisch mehr. Dieser Zustand wurde durch die Deutschen verursacht, die das Vieh von den Landwirten im großen Stil aufkaufen. (...)

Die Produzenten schränken den Verkauf an die Geschäfte ein, weil die Kunden aufgrund der rapide steigenden Preise kein Rindfleisch mehr kaufen. Der Preis für ein Kilo Rindfleischbraten stieg schon auf 20 Zloty (4,34 Euro, kostete früher um die 14 Zloty – MD) und der für Rinderfilet auf 50 Zloty (10,86 Euro, kostete früher etwa 30 Zloty). (...)

"Wir sind über die hohen Preise empört, haben aber keine Wahl mehr. Wir müssen immer mehr für Fleischlieferungen bezahlen. Dazu gibt es noch Probleme mit der Fleischversorgung in unseren Regionen und wir werden gezwungen, unser Fleisch in der Region Masury (Nordosten Polens - MD.) zu kaufen", erklärt Mariola Socha, Handelsdirektorin des Großhandelsbetriebes für Fleisch "Pasmo" in Lodz. (sta)

  • Datum 18.06.2004
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/5CdL
  • Datum 18.06.2004
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/5CdL