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Politik

Schattenarbeiter im Streik

Fabriken stehen still, auch auf den Feldern tut sich nichts: In den USA streiken die Migranten. Die Wirtschaft kann nicht ohne sie – dabei leben viele Einwanderer illegal im Land. Der Kongress will sie vertreiben.

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Illegal, aber unverzichtbar: In den USA demonstrieren Einwanderer für mehr Rechte

Die Protestwelle zog sich von der Ost- bis zur Westküste der USA: Mehr als eine Million illegaler Immigranten protestierten gegen die Verschärfung der Einwanderungs-Gesetze. Die Veranstalter hatten zu einem eintägigen Kauf- und Arbeitsstreik aufgerufen – zum "Tag ohne Einwanderer".

Immigranten in den USA

Für die landwirtschaftlichen Betriebe in den USA sind illegale Einwanderer willkommene Arbeitskräfte

Fabriken im ganzen Land mussten schließen, auch neun Werke des weltgrößten Fleischpackbetriebs Tyson Foods. Viele Arbeiten in der Landwirtschaft blieben liegen, die normalerweise von den illegal im Land lebenden Latinos erledigt werden - im kalifornischen Salinas-Tal, der "Salatschüssel des Landes", blieben die Landarbeiter weg und die Felder leer. In einigen Schnellrestaurants wurde mit verringerter Belegschaft oder verkürzt gearbeitet.

Friedlicher Protest in 50 Städten

Den größten Protestmarsch gab es in der kalifornischen Metropole Los Angeles, wo etwa 600.000 Einwanderer zum Rathaus zogen - zumeist ganze Familien. Auch in Chicago gingen mehr als 300.000 Einwanderer auf die Straße. Großdemonstrationen gab es insgesamt in 50 Städten, zum Beispiel in Denver, Houston, San Francisco, New York, Atlanta und New Orleans.

Demonstration der Einwanderer in den USA

Hunderttausende illegale Immigranten zogen bei Protestmärschen mit - wie hier in Phoenix, Arizona.

Viele Demonstranten hielten Transparente mit Aufschriften hoch wie "Heute marschieren wir, morgen wählen wir" oder "Volle Rechte für Einwanderer" – teils auf Spanisch, Arabisch oder in anderen Sprachen. Andere schwangen amerikanische Flaggen und spielten über Lautsprecher den Bruce-Springsteen-Song "Born in the USA". In der Umgebung von Washington blieb in manchen Schulen fast die Hälfte der Einwandererkinder dem Unterricht fern. Nach erstem Augenschein verliefen alle Proteste friedlich.

Illegale Einwanderung soll strafbar werden

Der Kongress diskutiert zurzeit einen Gesetzentwurf, der illegale Einwanderung zur Straftat erklärt. Außerdem soll ein mehr als tausend Kilometer langer Zaun an der Grenze zu Mexiko gebaut werden. Die Einwanderer-Frage setzt wenige Monate vor den Kongresswahlen besonders die regierenden Republikaner unter Druck.

Demonstration der Einwanderer in den USA Titel

Die Einwanderer leben im Schatten der Gesellschaft - aber die Wirtschaft kommt nicht ohne sie aus. Der Senat diskutiert ein Gesetz, das den Menschen Gastarbeiterstatus gewähren soll

Die etwa elf Millionen "Illegalen" leben weitgehend rechtlos im Schatten der US-Gesellschaft, die meisten sind nicht krankenversichert. Aber aus vielen Wirtschaftszweigen des Landes sind sie kaum noch wegzudenken. Eine Studie der American Farm Bureau Federation ergab: Würde die illegale Einwanderung gebremst, entstünden allein in der Landwirtschaft Verluste in Milliardenhöhe. Nach Schätzungen des Pew Hispanic Center in Washington sind 4,9 Prozent der gesamten arbeitenden Bevölkerung in den USA illegale Einwanderer.

Milliarden für Mexiko

Von denen kommen jedes Jahr 500.000 in die USA, vor allem über die mexikanische Grenze. Die meisten finden schlecht bezahlte Jobs in der Landwirtschaft, auf dem Bau, in Restaurants, als Pförtner, in Schlachthöfen, als Hausmädchen oder Gärtner.

Viele Mexikaner hoffen, dass die Amerikaner trotz der geplanten Einwanderungsreform die billigen Arbeitskräfte weiterhin ins Land lassen. Auch die mexikanische Regierung rechnet weiter mit dem Bargeldzufluss, den die Auswanderer Jahr für Jahr an ihre Familien daheim überweisen: 20 Milliarden Dollar (16,2 Milliarden Euro).

Aussicht auf Einbürgerung Einer aktuellen Umfrage zufolge ist die Mehrheit der US-Amerikaner für ein Gesetz, das der Senat gerade diskutiert. Es würde vielen Einwanderern einen legalen Gastarbeiterstatus einräumen – und später hätten sie die Möglichkeit, US-Bürger zu werden. Allerdings war die Mehrheit der Befragten auch der Ansicht, dass Streikaktionen der Sache der Einwanderer eher schadeten. Deshalb haben auch nicht alle Organisationen, die sich sonst für die Rechte der Immigranten stark machen, den Streik unterstützt. (reh)

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