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Nahost

Scharon seit fünf Jahren im Koma

Der ehemalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon liegt mittlerweile seit fünf Jahren im künstlichen Koma. Auf dem Höhepunkt seiner Macht hatte er am 4. Januar 2006 einen Schlaganfall erlitten.

Der ehemalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon (Foto: dpa)

Ariel Scharon im November 2005

Der 82 Jahre alte Scharon wird derzeit im Scheba-Krankenhaus von Tel Haschomer behandelt. Nach Angaben des behandelnden Arztes sei sein Zustand unverändert stabil. Vor gut zwei Monaten konnte er sogar probeweise für ein Wochenende nach Hause verlegt werden. Der Aufenthalt sei "perfekt" verlaufen, hatte der israelische Rundfunk im Anschluss unter Berufung auf die behandelnden Ärzte berichtet. Scharon könne nun drei oder vier weitere Male für jeweils 48 Stunden aus dem Krankenhaus in Tel Aviv auf seine Farm in der Nähe der südwestisraelischen Stadt Sderot gebracht werden. Ziel sei, dass er irgendwann dauerhaft auf seinem Familienanwesen gepflegt werden könne. Die Verlegungen zu seiner Familie werden von den Krankenhausmitarbeitern begleitet. Der Finanzausschuss des israelischen Parlaments hatte Anfang November 2010 umgerechnet rund 320.000 Euro für die weitere Pflege bewilligt.

Von der Öffentlichkeit abgeschottet

Sicherheitsbeamter vor Krankenhaus

Ein Sicherheitsbeamter bewacht das Krankenhaus, in das Scharon 2006 eingeliefert wurde

Der zweimalige Witwer und Vater zweier Söhne hatte auf dem Höhepunkt seiner Macht und Popularität in Israel einen Schlaganfall erlitten. Seit dem 4. Januar 2006 liegt er im künstlichen Koma. Das Doppelzimmer im Scheba-Krankenhaus bei Tel Aviv wird von Sicherheitskräften abgeschottet. Es gibt deshalb in der Öffentlichkeit keine aktuellen Fotos. Niemand außer den Angehörigen, den Ärzten und dem Pflegepersonal weiß also, wie der ehemalige General, der den Spitznamen "Bulldozer" trug, heute aussieht. Und das soll offenbar auch so bleiben. Daher war die Verlegung auf seine Farm auch ein gut gehütetes Staatsgeheimnis.

Provokante Installation

Eine Wachsfigur zeigt Ariel Scharon (Foto: dpa)

Umstrittene Kunst: Wachsfigur zeigt Ariel Scharon

Eine lebensechte Skulptur des im Koma liegenden früheren israelischen Ministerpräsidenten sorgte im Oktober 2010 in Israel für Aufsehen. Die Installation des Künstlers Noam Braslavasky in Tel Aviv zeigte eine Wachsfigur, die Scharon im Krankenhausbett darstellen sollte. Ein Abgeordneter seiner Kadima-Partei bezeichnete die Ausstellung als "widerlichen Voyeurismus". Braslavasky erklärte, er habe sie deswegen geplant, weil der frühere Regierungschef bereits seit so langer Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden sei. Die Skulptur sei eine Allegorie auf die labile Existenz Israels "zwischen Himmel und Erde".

Gespaltenes Image

Palästinensischer Jugendlicher in Gaza (Foto: AP)

Nicht nur Genesungswünsche: Reaktionen aus Gaza nach Bekanntwerden von Scharons Schlaganfall

Ariel Scharon war von 2001 bis 2006 Ministerpräsident in Israel. An dem Politiker scheiden sich bis heute in Israel und der arabischen Welt die Geister. Die einen verehren ihn als einen der letzten prominenten Vertreter der Gründergeneration Israels sowie als Kriegsheld. Mit dem Namen Scharon ist auch der Abzug Israels aus dem Gazastreifen im Sommer 2005 verbunden. Andere erinnern sich vor allem an das Massaker von 1982 in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila im Libanon. Christliche Milizen sollen damals zwischen 800 und 3500 Palästinenser getötet haben. Scharon musste danach als Verteidigungsminister zurücktreten.

Autorin: Katrin Ogunsade (dpa, afp)
Redaktion: Thomas Latschan