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Politik

Scharia in Teilen Pakistans eingeführt

Im Nordwesten Pakistans gilt wieder das islamische Recht der Scharia. Viele Menschen begrüßen das. Doch eigentlich ist es eine Niederlage der Regierung im Kampf gegen Extremisten.

Vermummte Männer vor Karte Pakistans (Collage)

Sie haben das sagen im Swat-Tal: Kämpfer der Taliban

Die Regierung der pakistanischen Nordwest-Grenzprovinz hat sich der brutalen Gewalt der Taliban gebeugt. In dem Bezirk Malaband, in dem auch das umkämpfte Swat-Tal liegt, wird das islamische Recht der Scharia wieder eingeführt und entsprechende Gerichte eingerichtet. Ein Abkommen über die Einführung der islamischen Rechtssprechung sei am Montag (16.02.09) zwischen der Provinzregierung und dem Geistlichen Maulana Sufi Mohammad unterzeichnet worden, sagte der Informationsminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain in Peschawar.

Mohammad ist der Schwiegervater des Taliban-Chefs in Swat-Tal, Maulana Fazlullah. Der kämpft seit Ende 2007 für die Einführung der Scharia in der Region. "Jetzt wird Frieden in die Region zurückkehren", sagte ein Bewohner des Tals. Zahlreiche andere Menschen bejubelten das Abkommen, leben sie doch seit der Offensive der Taliban in Todesangst. De facto ist jedoch die Umsetzung des islamischen Rechts durch die Provinzregierung ein Eingeständnis ihrer Niederlage gegen die Extremisten.

Schreckensregime der Taliban

Mann an Mikrofon (dpa)

Warnt vor Niederlage gegen die Extremisten: Pakistans Präsident Asif Ali Zardari

Erst am Sonntag (15.02.09) hat Pakistans Präsident Asif Ali Zardari in einem Interview mit dem US-Sender CBS unmissverständlich vor einer Niederlage im Kampf gegen die Taliban gewarnt. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Taliban versuchen, in Pakistan die Macht zu übernehmen", sagte er. "Deshalb geht es um das Überleben Pakistans". Und der neue US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, betonte am Montag im indischen Neu Delhi, die USA und Pakistan stünden vor einem gemeinsamen Feind.

Doch die Zentralregierung der Atommacht Pakistan hat im Swat-Tal längst jede Kontrolle verloren. Das Tal, nur 160 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Islamabad, war einst ein beliebtes Urlaubsziel im Lande. Fazlullahs Truppen haben hier ein Schreckensregime errichtet, das an das der Taliban in Afghanistan erinnert. Angebliche Spione, Taliban-Gegner oder Sünder werden öffentlich gehängt oder geköpft. Unterricht für Mädchen haben die Taliban untersagt und zur Bekräftigung 200 Mädchenschulen zerstört. CD- und DVD-Läden wurden zum Schließen aufgefordert oder in die Luft gesprengt. In einem Camp in Peuchar im Hochgebirge werden ungestört von der Armee Terroristen ausgebildet.

Und selbst die großen Städte des Landes sind von den Angriffen der Taliban nicht mehr sicher, wie der Anschlag auf das Marriott-Hotel mitten in Islamabad im vergangenen September beweist. Dabei waren mindestens 50 Menschen getötet worden.

Keine Friede sondern Stärkung der Extremisten

Pakistanische Männer mi Plakaten, (AP

Aktivisten machen Propaganda für die Taliban

Das Abkommen, das von der säkularen Awami National Party geschlossen wurde, sieht neben der Einführung der Scharia auch ein Ende der Militäroperationen gegen die Taliban im Swat-Tal vor. Der Ministerpräsident der Provinz, Amir Haidar Khan Hoti, rief die Taliban auf, nun der Gewalt abzuschwören. Doch bislang sind alle Friedensinitiativen mit den Aufständischen - sei es im Swat-Tal oder in den Stammesgebieten - gescheitert. Auch wenn Fazlullah am Sonntag als Geste guten Willens einen zehntägigen Waffenstillstand ausrief. Hinterher waren die Extremisten immer stärker als zuvor. Fazlullahs Kämpfer haben schon die Richtung vorgegeben: "Wir wollen die Scharia nicht nur im Land erzwingen, sondern auf der ganzen Welt."

Die Scharia regelt nicht nur Rechtsfragen im eigentlichen Sinn, sondern enthält auch Kultvorschriften, Normen der Sozialethik, Regeln für Etikette und anderes und stellt somit eine umfassende Lebensordnung dar.

Unterdessen wurden bei einem neuerlichen mutmaßlichen US-Raketenangriff im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan mehrere Aufständische getötet. Die meisten Opfer seien Taliban-Kommandeure, teilten Sicherheitskräfte mit. (gmf)

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