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Afrika

Scharfschützen machen Jagd auf Demonstranten

In Libyen nehmen die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und dem Regime von El-Gaddafi immer dramatischere Formen an. Scharfschützen des Diktators schossen offenbar gezielt auf Regierungsgegner.

In Tripolis brennen Fahrzeuge (Foto: dpa)

Unruhen in Libyen breiten sich aus

Der libysche Machthaber Muammar el-Gaddafi geht mit aller Macht gegen die Protestbewegung in seinem Land vor. Nach Berichten der Opposition starben binnen zwei Tagen mindestens 200 Menschen. Elitetruppen des Regimes sollen auch am Sonntag (20.02.2011) wieder auf Demonstranten geschossen und sogar Panzerfäuste eingesetzt haben.

Karte von Libyen (Grafik: DW)

Ein Arzt in einem Krankenhaus in der Stadt Bengasi sagte, während eines Trauermarsches am Sonntag sei mindestens eine Person erschossen und weitere 14 schwer verletzt worden. Der Trauerzug sei auf dem Weg zu Friedhof gewesen, als von einem Militärgelände aus auf die Menge geschossen worden sei.

Bürgerkriegsähnliche Zustände

Der arabische Sender Al-Dschasira sprach von bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Bengasi. Augenzeugen berichteten, die Stadt habe sich in eine "Kriegszone" verwandelt. Trotz der Gewalt gegen die Regimegegner breite sich der Protest im Land aber weiter aus. Auch in der Hauptstadt Tripolis und in der Küstenstadt Misurata, der drittgrößten Stadt Libyens, soll es Massenproteste gegeben haben.

Die Meldungen aus Libyen stützen sich weitgehend auf Augenzeugenberichte. Unabhängige Informationen sind schwer zu bekommen, weil Libyen keine ausländischen Journalisten ins Land lässt und es keine unabhängigen Medien im Land gibt. Mobilfunkverbindungen brechen häufig zusammen, das Internet ist kaum erreichbar.

Proteste gegen Libyens Diktator Gaddafi (Foto: AP)

Proteste gegen Libyens Diktator Gaddafi

Die amtliche libysche Nachrichtenagentur Jana machte "ausländische Elemente" für die Gewalt verantwortlich. Diese Kräfte, so hieß es in dem Bericht, seien "Teil einer israelischen Verschwörung zur Destabilisierung der Länder in Nordafrika sowie des Libanons und des Irans".

Muslimische Geistliche fordern Ende der Gewalt

Die Regierung in Tripolis äußerte sich nicht zu den Unruhen. Rund 50 führende muslimische Geistliche forderten die Behörden in einem gemeinsamen Appell auf, das Blutvergießen zu beenden. "Bringt nicht Eure Brüder und Schwestern um. Stoppt das Massaker jetzt", hieß es in einer an die Nachrichtenagentur Reuters geschickten Erklärung.

Großbritannien rief Libyen am Sonntag zur Einhaltung der Menschenrechte auf. Die Reaktion der Behörden auf die Proteste sei entsetzlich, sagte Außenminister William Hage im Fernsehprogramm von "Sky News".

Auswärtiges Amt rät von Reisen nach Libyen ab

Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisehinweise für Libyen. Aufgrund der angespannten Lage werde von allen Reisen dorthin abgeraten, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Deutschen, die sich derzeit in dem Land aufhalten, werde die Ausreise empfohlen.

Nicht nur in Libyen, sondern auch in Algerien, Jemen, Bahrain, Oman und Kuwait wurde am Wochenende weiter für Demokratie und soziale Reformen demonstriert. Erstmals gab es auch Proteste in Marokko.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, dapd, rtr, afp)
Redaktion: Ulrike Quast

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