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Aktuell Asien

Scharfer Streit um Kaschmir

Diese Nachbarn können nicht miteinander. Weil Indien und Pakistan auch noch Atommächte sind, ist jeder Konflikt ein Anlass zu großer Sorge. Nun hat sich die Stimmung mal wieder drastisch verschlechtert.

Auslöser ist ein weiteres Gefecht an der umstrittenen Grenze zur Region Kaschmir. Beide Seiten werfen sich vor, den Waffenstillstand an der Demarkationslinie massiv verletzt zu haben. Zwei indische Soldaten sollen getötet worden sein. Bereits am Sonntag war einem Schusswechsel zwischen Pakistan und Indien ein pakistanischer Soldat zum Opfer gefallen.

Der indische Außenminister Salman Kurshid bezeichnete den erneuten Zwischenfall als Provokation und "entsetzlichen" Vorfall, der nicht hinnehmbar sei. Er forderte aber zugleich, Wege zu finden, damit "der Dialog nicht untergraben" werde. Laut indischen Armeeangaben ereignete sich der Zwischenfall eindeutig auf indischem Gebiet. Pakistanische Truppen seien im Schutz von dichtem Nebel in den indischen Teil Kaschmirs eingedrungen und dort von einer Patrouille in ein Gefecht verwickelt worden. Bei den Kämpfen, die eine halbe Stunde angedauert hätten, seien zwei indische Soldaten getötet und zwei weitere verwundet worden.

Wildblumen vor dem Himalaya in Kaschmir (Foto: dpa)

Die Idylle trügt: Kaschmir ist eine politisch umstrittene Region

"Das ist unmenschlich"

Der indische Sender NDTV berichtet, einer der Toten sei enthauptet worden, sein Kopf sei nicht aufzufinden. Das Außenministerium hat den pakistanischen Botschafter einbestellt. Indiens Verteidigungsminister A. K. Anthony sagte, die Art und Weise, wie pakistanische Truppen die Leiche des indischen Soldaten behandelt hätten, sei "unmenschlich". Es handele sich um einen der schwersten Verstöße gegen das fast zehn Jahre alte Waffenstillstandsabkommen.

Ein pakistanischer Armeesprecher wies die Vorwürfe pauschal zurück: "Das sieht nach indischer Propaganda aus, um von dem Angriff auf einen pakistanischen Posten am Sonntag durch indische Truppen abzulenken, bei dem ein Soldat getötet wurde", sagte er. Dabei seien indische Truppen über die Demarkationslinie (LOC) in den pakistanischen Teil Kaschmirs vorgedrungen und hätten dort einen Posten angegriffen. Indien hatte dies zurückgewiesen und Pakistan vorgeworfen, muslimischen Extremisten das Eindringen über die LOC in den indischen Teil Kaschmirs zu ermöglichen.

Pulverfass Kaschmir

#video'Die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Himalaya-Region Kaschmir wird sowohl von Pakistan als auch von Indien vollständig beansprucht. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 führten die beiden Nachbarstaaten und Atommächte bereits drei Kriege um das Gebiet. Im November 2003 schlossen Pakistan und Indien einen Waffenstillstand für die Kaschmir-Region. Er wurde weitgehend eingehalten, von beiden Seiten gab es aber hin und wieder Verstöße.

Nach den Anschlägen von Mumbai im November 2008 mit 166 Todesopfern waren die Friedensgespräche zwischen Islamabad und Neu Delhi auf Eis gelegt worden, im Februar vergangenen Jahres wurden sie jedoch wieder aufgenommen. Zuletzt waren Visa-Erleichterungen vereinbart worden und zum ersten Mal seit fünf Jahren wurde das pakistanische Kricket-Team in Indien empfangen.

rb/wl (afpe, dapd, dpa)

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