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Europa

Scharfe Attacken im französischen Wahlkampfendspurt

Der konservative Nicolas Sarkozy geht bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich als Favorit ins Rennen. In den letzten Wahlkampfstunden kam es zu einer Schlammschlacht der Kandidaten.

Frankreich am Vorabend der Präsidentenwahl, Nicolas Sarkozy-Plakate

Wahlplakate von Sarkozy

Die letzten Umfragen von sechs Meinungsforschungsinstituten gingen alle davon aus, dass der 52-jährige Chef der Regierungspartei UMP an diesem Sonntag (6.5.2007) einen deutlichen Sieg über die Sozialistin Segolene Royal (53) erringen wird. Der ehemalige Innenminister Sarkozy kam in den Umfragen auf bis zu 55 Prozent. Der Trend zu seinen Gunsten hatte sich vor dem Wochenende noch verstärkt.

Plakate von Royal

Wahlkampf quasi bis zur letzten Minute

Schlammschlacht

Im Wahlkampfendspurt attackierten Sarkozy und Royal sich gegenseitig in einer bislang nicht gekannten Schärfe. Sarkozy warf seiner sozialistischen Konkurrentin am Samstag vor, sie habe aus Verzweiflung die fundamentalen Regeln der Demokratie mit "kriegsähnlicher Sprache" verletzt. Die Sozialistin hatte am Freitag in einem Rundfunkinterview gewarnt, falls Sarkozy am Sonntag zum Präsidenten gewählt werde, könnte es zu Gewaltausbrüchen kommen. Sie spielte damit auf die umstrittenen Äußerungen des früheren Innenministers während der Vorstadtunruhe Ende 2005 an, als Sarkozy gewaltbereite Einwanderer als Gesindel bezeichnete und viele Immigranten damit gegen sich aufbrachte.

Als RTL-Radio nachhakte, ob Royal tatsächlich damit rechne, dass es im Falle einer Wahl Sarkozys zur Gewalt komme, antwortete die Sozialistin: "Ich denke schon." Sarkozy sei eine "gefährliche Wahl". Der konservative Favorit konterte die Vorwürfe in einem Interview, das auf der Webseite der Zeitung "Le Parisien" erschien. "So etwas war noch nie da. Das ist eine bedenkliche Art von Intoleranz", sagte Sarkozy. Eine Veröffentlichung des Interviews in der Druckausgabe der Zeitung in Frankreich war allerdings wegen der gesetzlich verordneten "Ruhepflicht" unmittelbar vor der Wahl nicht mehr möglich.

Wahlablauf

In Übersee begann die Präsidentenwahl bereits am Samstag. Den Anfang machten von 12 Uhr MESZ an die Wähler der Inselgruppe Saint-Pierre et Miquelon südlich von Neufundland. Es folgten die Wahlberechtigten in Überseegebieten und -departements wie Martinique, Guadeloupe, Martinique und Französisch-Guayana. Die Neuregelung gilt für etwa eine Million Wahlberechtigte. Wegen der Zeitverschiebung wurde früher in Überseegebieten noch gewählt, während der Sieger in Paris bereits feierte.

Am Sonntag sind die weiteren mehr als 43 Millionen französischen Wähler aufgerufen, im zweiten Wahlgang einen Nachfolger für Jacques Chirac zu bestimmen. Die Wahlbeteiligung liegt traditionsgemäß bei der Stichwahl höher als in der ersten Runde. Sie lag 2002, als Chirac gewählt wurde, bei 79,7 Prozent, erreichte in der ersten Wahlrunde am 22. April aber als Ausdruck des großen Interesses an der Wahl bereits 83,77 Prozent.

Gewählt wird auf fünf Jahre der sechste französische Staatschef seit der Gründung der Fünften Republik 1958. Die ersten offiziellen Hochrechnungen werden am Sonntag um 20.00 Uhr veröffentlicht. Die etwa 65.000 Wahllokale schließen überwiegend um 18.00 oder 19.00 Uhr, vor allem in großen Städten jedoch erst um 20.00 Uhr. Das erlaubt frühe Hochrechnungen, die in Frankreich allerdings erst bekannt gegeben werden dürfen, wenn sämtliche Wahllokale geschlossen worden sind. (mas)

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