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Wissen & Umwelt

Schaltkreise schlagen Hirnwindungen

Computer können Menschen beim Schachspielen schlagen. Dass sie auch im Raten besser sind, hat jetzt "Watson" bewiesen. In der TV-Show "Jeopardy" schlug der Supercomputer seine menschlichen Gegner. Und zwar mit Intuition.

Die Jeopardy-Kandidaten Ken, Watson und Brad (von links nach rechts) stehen in einem TV-Studio vor blauen Pulten, die ihre Namen anzeigen (Quelle: (Jeopardy Productions, Inc./AP/dapd)

Gegner auf Augenhöhe: Supercomputer "Watson" zwischen den "Jeopardy"-Kandidaten Ken und Brad

Sein Äußeres dürfte die "Jeopardy"-Champions Ken Jennnings und Brad Rutter kaum eingeschüchtert haben. Denn auf den ersten Blick ist "Watson" nicht mehr als ein dunkler Flachbildschirm, auf dem bunte Grafiken flimmern. Doch spätestens in der zweiten Runde der beliebten TV-Quiz-Show war klar: "Watson" lässt seinen Gegnern keine Chance. Im Finale am Mittwochabend (16.02.2011, Ortszeit) erspielte sich der Supercomputer von IBM eine Million Dollar für den Gesamtsieg.

Spannung bis in die letzten Minuten

In der ersten Runde lagen "Watson" und sein Herausforderer Brad Rutter noch gleichauf. Doch schon in der zweiten Runde hängte die Maschine ihre Gegner ab und erspielte mit insgesamt 77.147 Dollar (56.774 Euro) doppelt so viel Geld wie die beiden Menschen zusammen. "Watson" beantwortete 24 der insgesamt 30 Fragen korrekt. Jennigs lag nur drei Mal richtig, Rutter zwei Mal. In der dritten Runde holte der Computer noch einmal kräftig auf und erspielte sich den Sieg.

Watson "denkt" mit Instinkt

Aufnahme von IBMs Watson Computer-System, neben dem IBM-Logo leuchtet die Grafik eines blauen Globus auf der Oberfläche der Maschine (Quelle: IBM/HO +++(c) dpa)

"Watson" weiß nicht nur viel, er ist auch in der Lage, strategisch zu handeln

"Jeopardy" gibt es in den USA schon seit 1964. Auch in Deutschland war die Rate-Show lange erfolgreich, zunächst unter dem Titel "Riskant", in den Jahren 1994 bis 2000 schließlich unter "Jeopardy". In der Show wird nicht nur Wissen abgefragt. Die Teilnehmer müssen strategisch handeln und auf ihre Antworten einen Geldbetrag setzen. Zudem müssen sie intuitiv entscheiden können und in der richtigen Sekunde einen Klingelknopf drücken. Erst dann dürfen sie antworten. Der Quizmaster gibt Stichworte vor, aus denen die Spieler die richtige Antwort konstruieren müssen.

Bislang wurde angenommen, dass Computer das nicht schaffen. Watson hat das Gegenteil bewiesen und gezeigt, dass Computer der intuitiven menschlichen Intelligenz nicht länger unterlegen sind. Und noch etwas an "Watson" ist durchaus menschlich: Die erspielte Million wird den Hilfsorganisationen "World Vision" und "World Community Grid" gespendet. Das kündigte IBM an.

Erinnerung an Deep Blue

"Watsons" überlegener Sieg erinnert an ein anderes Duell zwischen Mensch und Maschine. 1997 hatte der Super-Computer "Deep Blue", ebenfalls eine IBM-Schöpfung, das Schach-Genie Gari Kasparow in einem Turnier besiegt. "Watson" tickt noch komplizierter. Er ist ein künstliches Sprach-Genie, benannt nach dem Gründer des US-Computerkonzerns, Thomas J. Watson. Vier Jahre lang haben Ingenieure an ihm gearbeitet.

Schachweltmeister Garry Kasparow aus Russland hat den Kopf in die rechte Hand gestützt, er denkt über den nächsten Zug nach, vor im steht ein Schachbrett. Kasparow spielt gegen den Computer Deep Junior (Quelle: AP Photo/Stuart Ramson)

Schachweltmeister Garry Kasparow 2003 im Duell mit einem Rechner

Er wurde entwickelt, um in natürlicher Sprache gestellte Fragen zu verstehen und zu beantworten. Dafür sucht er blitzschnell seine Datenbank ab. Die hat IBM mit Millionen von Dokumenten gefüttert, darunter Wörterbücher und alle Wikipedia-Einträge. Seine Antworten gibt er mit künstlicher Stimme. IBM will das System aus Software und Supercomputer auch kommerziell vermarkten.

Guter Verlierer

Den zweiten Platz in der Quiz-Show belegte Ken Jennings. Für ihn bedeutete der Abend eine große Niederlage, hielt er doch mit 74 Siegen in Folge den bisherigen "Jeopardy"-Rekord. Doch nach Spielende schrieb der geschlagene Champion auf "Watsons" Bildschirm, er verneige sich "vor dem neuen Meister". Auch "Jeopardy"-Moderator Alex Trebek kam aus dem Staunen nicht heraus. "Watson ist schnell, weiß viele Dinge und kann ein Spiel wirklich beherrschen", sagte er. Watson glänzte mit Wissen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Als Moderator Trebek etwa nach der Sprache zum Dialekt Plattdeutsch fragte, wusste Watson als erster "German".

Mit dem Internet ist "Watson" beim Raten nicht verbunden. In der TV-Show war er als Bildschirm vertreten und bekam die Fragen in Form von Textnachrichten im selben Moment, in dem die Menschen sie lesen konnten. Mit seinem Roboterarm betätigte "Watson" blitzschnell den Klingelknopf.

Screenshot der Internetseite der Fernsehsendung Jeopardy vom Mittwoch (16.02.2011). Auf der Seite wirbt die TV-Show mit der IBM Challenge (Quelle: dpa)

Amerika im "Jeopardy"-Fieber: die Show hat einen neuen Champion

Auch ein Genie kann mal irren

Ein paar Schwächen hatte das digitale Superhirn dann doch. Zum Beispiel beim Themenkomplex Europäische Union. "Watson" wusste nicht, dass Slowenien zur EU gehört. Als gefragt wurde, was wegen des Schengen-Abkommens nicht mehr kontrolliert wird, war er sich zu 33 Prozent sicher, dass es "Reisepässe" sind. Die richtige Antwort, dass die Grenzen nicht mehr kontrolliert werden, erwog er nur mit 14 Prozent. Der Computer antwortet immer in Wahrscheinlichkeiten. Am Dienstag war er nicht in der Lage, ein Porträt des früheren spanischen Königs Phillip II. zu identifizieren. Das gelang aber auch keinem seiner menschlichen Gegner.

Autorin: Julia Hahn (mit dpa, afp, dapd)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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