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Fußball

Schalker Sehnsucht nach dem Meistertitel

Deutscher Meister mit Schalke zu werden haben schon viele Trainer vor Felix Magath versucht. Doch die Fans sind sich einig: Wenn es einem gelingt, dann ihm. In der vergangenen Saison reichte es immerhin für Platz zwei.

Schalker Fans halten Papp-Meisterschale hoch. Foto: AP

Fans träumen vom Titel

Es gibt wohl keinen anderen Bundesliga-Verein, bei dem die Sehnsucht nach dem deutschen Meistertitel so groß ist wie beim FC Schalke 04. Vor 52 Jahren - 1958 - gelang der siebte und bislang letzte große nationale Triumph. Die Spieler, die damals im Endspiel in Hannover 3:0 gegen den Hamburger SV gewannen - Berni Klodt, Willi Koslowski oder Günter Siebert - sind bei den Fans unvergessen.

Kapitän Stefan Effenberg bejubelt 2001 den Ausgleichstreffer der Bayern in Hamburg. Bayern war dadurch Meister. Foto: AP

Schalker Trauma 2001 - Stefan Effenberg bejubelt den Ausgleichstreffer der Bayern in Hamburg

Ein paar Mal war man danach nahe dran - ganz reichte es aber nie mehr zu Platz eins. Alleine in den vergangenen zehn Jahren fuhren die Gelsenkirchener vier Vizemeisterschaften ein. Die von 2001 war die bitterste von allen: Vier Minuten fühlte sich Schalke am letzten Spieltag nach dem 5:3-Sieg gegen die SpVgg Unterhaching schon als Meister, bevor sich der FC Bayern München im Spiel beim Hamburger SV mit einem Treffer in der Nachspielzeit doch noch den nötigen fehlenden Punkt sicherte. Wer damals im Parkstadion dabei war, vergisst es nie: Lähmendes Entsetzen machte sich breit, Schalke versank im Tränenmeer. Seitdem trägt der Verein den Beinamen "Meister der Herzen".

Finanzielle Probleme machen dem Club zu schaffen

Trainer Felix Magath gestikuliert am Spielfeldrand. Foto: AP

Hoffnungsträger Felix Magath

Auch in der vergangenen Saison gelang Schalke der Sprung auf Platz zwei. Dieses Mal allerdings war das ein Erfolg. Trainer Felix Magath, vom deutschen Meister VfL Wolfsburg ins Ruhrgebiet gewechselt, wurde einmal mehr seinem Ruf als Mann für Überraschungen gerecht. So zauberte er nach und nach bis dahin weitgehend unbekannte Nachwuchsspieler wie Christoph Moritz, Lukas Schmitz und Joel Matip aus dem Hut, die dann stark aufspielten. Matip war im Alter von 18 Jahren am Ende sogar mit Kamerun bei der WM in Südafrika.

Indem er auf die Jugend setzte, machte Magath aus der Not eine Tugend: Nach offenbar jahrelangem Missmanagement steht der Verein finanziell alles andere als gut da. Während der vergangenen Saison kursierten sogar Meldungen, nach denen dem S04 die Pleite drohen sollte. Magath versuchte die Situation gar nicht erst schön zu reden, strahlte aber immer Optimismus aus. Kam er zu spät zu einer Pressekonferenz, entschuldigte er sich schon mal damit, er habe noch Geld gesucht. "Leider bin ich nicht fündig geworden", schob er hinterher.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich die Gelsenkirchener in diesem Sommer von einigen ihrer teuersten Spieler trennten: Kevin Kuranyi spielt jetzt in Moskau, Marcelo Bordon in Katar, Gerald Asamoah beim FC St. Pauli und sogar Kapitän Heiko Westermann ließ Magath zum Hamburger SV ziehen – allerdings für eine Ablösesumme von angeblich mehr als sieben Millionen Euro. "Wäre die finanzielle Situation bei uns besser, wäre ein Wechsel nie ein Thema gewesen", brachte der Trainer das Dilemma auf den Punkt.

Weltstar Raul auf Schalke

Raul neben Kindern im Schalke-Trikot und zwei Bergleuten. Foto: dpa/pa

Schalker Fans setzen auf Raul

Im Gegenzug sind auch einige billigere neue Spieler auf Schalke angekommen. So wechselte Stürmer Erik Jendrisek von Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern nach Gelsenkirchen. Tim Hoogland ist zurück aus Mainz. Aus Japan wurde WM-Teilnehmer Atsuto Uchida verpflichtet und der Grieche Kyriakos Papadopoulos von Olympiakos Piräus. Wie wertvoll sie für den S04 sein können, müssen alle vier aber erst unter Beweis stellen.

Große Hoffnungen setzen die Königsblauen in ihren "königlichen" Superstar: Spaniens Rekordstürmer Raul soll den Traditionsverein endlich zur Meisterschaft schießen. Der 33-Jährige, der Real Madrid nach 18 Jahren verließ, erhielt in Gelsenkirchen einen Zweijahresvertrag. Weiterer prominenter Neuzugang ist Rauls ehemaliger Mannschaftskollege Christoph Metzelder. Der Abwehrspieler hat früher nicht nur in der Nationalmannschaft verteidigt, sondern auch bei Schalkes Erzrivale Borussia Dortmund. So haben ihn nicht gleich alle Fans mit offenen Armen empfangen – sein Trainer aber sehr wohl: "Christoph Metzelder ist das, was man einen Führungsspieler nennt. Ich bin überzeugt, dass wir mit ihm einen Spieler dazu bekommen haben, der uns hilft, die Mannschaft im internationalen Fußball zu repräsentieren", sagte Magath.

Doppelbelastung Bundesliga und Champions League

Torwart Manuel Neuer beim Dehnen. Foto: AP

Manuel Neuer - auch die Nummer eins im deutschen Tor

Nationaltorhüter Manuel Neuer, die Verteidiger Metzelder und Benedikt Höwedes, sowie Mittelfeldspieler Ivan Rakitic und Stürmer Jefferson Farfan bilden das Grundgerüst des Schalker Teams für die neue Saison. Fitness und Konstanz vorausgesetzt, können auch Christian Pander, Jermaine Jones oder Alexander Baumjohann wieder wichtig werden für den S04.

Gespannt darf man darauf sein, wie die junge Magath-Elf die Doppelbelastung aus Bundesliga und Champions League verkraften wird. "Wir haben den Anspruch, dass der Verein dauerhaft eine feste Größe wird", sagte Magath in der Sommerpause. Ein Platz unter den ersten fünf in der Bundesliga darf unter diesen Umständen nicht verfehlt werden - und in der Champions League gilt die Viertelfinal-Teilnahme von 2008 als Messlatte. Ein Ausscheiden nach der Vorrunde wäre auf alle Fälle – auch angesichts der finanziellen Situation - ein Misserfolg.

Torwart Jens Lehmann reckt 1997 den Uefapokal in den Himmel. Foto: AP

Torwart Jens Lehmann reckt 1997 den Uefapokal in den Himmel - der letzte große internationale Titel

Auf internationaler Ebene gelang dem im Jahr 1904 von einer Gruppe Jugendlicher gegründeten Verein auch sein bislang größter Titelgewinn: 1997 siegten die Gelsenkirchener im UEFA-Cup-Endspiel bei Inter Mailand im Elfmeterschießen. Die Spieler aus der damaligen "Eurofighter"-Mannschaft wie Martin Max, Youri Mulder, Ingo Anderbrügge, Marc Wilmots oder natürlich Olaf Thon werden heute auf Schalke fast genauso verehrt wie die Legenden Ernst Kuzorra, Fritz Szepan, Stan Libuda, Rolf Rüssmann oder Klaus Fischer. Noch größer als die Verehrung der Stars ist auf Schalke nur die Sehnsucht nach Titeln. Zuletzt gewann Schalke 2001 und 2002 den DFB-Pokal.

Autor: Uli Petersen
Redaktion: Stefan Nestler

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