1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Schaden Körperscanner der Gesundheit?

Die geplanten Terahertz-Scanner sollen - im Gegensatz zu Röntgenstrahlen - den menschlichen Körper nicht schädigen. Doch Strahlenschutzexperten wie Prof. Rolf Michel äußern sich skeptisch und fordern weitere Tests.

Körperscanner (Foto: AP)

DW-WORLD: Herr Michel, was genau sind eigentlich Terahertzwellen, die in den aktuell diskutierten Körperscannern genutzt werden?

Prof. Rolf Michel, Universität Hannover: Terahertzwellen sind elektromagnetische Strahlung. Diese Strahlung ist allerdings nicht so hochenergetisch wie Röntgenstrahlung. Terahertzwellen liegen noch unterhalb des sichtbaren Lichts im Bereich von 300 Gigahertz bis drei Terahertz. Oder um es ein bisschen bildlicher auszudrücken – zwischen dem Bereich der medizinisch und industriell angewandten Laser und dem Satellitenfernsehen und ähnlichen Fernmeldenutzungen. Dieser Terahertzbereich ist bisher technisch und auch medizinisch recht wenig genutzt. Daher wissen wir auch noch relativ wenig über seine Wirksamkeit im biologischen Bereich.

Prof. Rolf Michel, Strahlenschutzexperte, Universität Hannover (Foto: Rolf Michel)

Prof. Rolf Michel: "Weitere Untersuchungen sind dringend notwendig!"

Was bedeutet "relativ wenig"? Was weiß man über die Auswirkungen von Terahertzwellen auf lebende Organismen?

Es ist tatsächlich ein Problem, dass die Informationen darüber noch ziemlich marginal sind. Zwar wurden verschiedene Zellversuche durchgeführt und bei den meisten fanden die Forscher keine negativen Effekte, wenn sie Zellkulturen weniger als eine Stunde lang Terahertzstrahlung aussetzten. Aber es gibt dummerweise eine Publikation einer israelischen Arbeitsgruppe, die bei 100 Gigahertz Hinweise auf eine Störung der Chromosomenverteilung in teilungsfähigen Lymphozyten (Anm.d.Red.: zelluläre Bestandteile des Blutes) nachweisen konnte.

Bislang konnte dies von anderen Laboratorien noch nicht verifiziert werden, was bei derartigen biologischen Experimenten unerlässlich ist. Trotzdem macht uns diese Diskrepanz zwischen den Experimenten die sagen "wir finden nichts“, und anderen, die sagen "wir finden was", im Moment vorsichtig, so dass wir weitere Untersuchungen anmahnen.

Also weiß man auch nichts über mögliche Langzeitfolgen?

Nein, darüber wissen wir natürlich überhaupt nichts. Darum möchten wir auch, dass das intensiv untersucht wird. Denn Terahertzstrahlung wird in den obersten Millimetern der Haut absorbiert, und kann durchaus Zellen der Haut und des peripheren Blutsystems erreichen.

Und seien wir ehrlich – es sind ja neben den Körperscannern an Flughäfen auch viele andere Anwendungen denkbar. Zum Beispiel könnten auch Kaufhäuser, Hotels oder Theater auf die Idee kommen, Körperscanner einzusetzen. Die Zahl der Anwendungen könnte dadurch sehr hoch werden. Die aufsummierten Dosen würden letztendlich sehr hoch sein und deshalb muss man sich sehr sicher sein, dass die Risiken durch die Anwendung der Körperscanner sehr gering sind. Daher ist im Moment noch Vorsicht geboten!

Körperscanner (Foto: AP)

Terahertz-Scanner sollen auch flüssigen Sprengstoff am Körper aufspüren. Die üblichen Metalldetektoren können dies nicht.

Aber weshalb meinen Sie, dass Terahertzwellen gefährlich sein könnten? Kommt diese Strahlung nicht ohnehin in der Umwelt vor?

Richtig, sie kommt durchaus vor, auch der Mensch emittiert Terahertzstrahlung. Diese kann übrigens für ein anderes Verfahren genutzt werden, für den sogenannten passiven Terahertz-Körperscanner. Allerdings ist diese Strahlung in ihrer Intensität sehr niedrig und man hat große Probleme mit dem Nachweis.

Hat die Strahlenschutzkommission, für die Sie arbeiten, die Möglichkeit, in den weiteren politischen Entscheidungsprozess einzugreifen?

Wir nehmen keinen Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse sondern wir beraten das Bundesumweltministerium, um die wissenschaftlichen Grundlagen klarzustellen und gegebenenfalls Risiken zu benennen oder wie in diesem Fall auf Forschungsbedarf hinzuweisen. Die Diskussion selbst, auf Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnisse, muss die Gesellschaft letztlich führen, mit all den Gremien die es gibt.

Das Interview führte Matthias Fingerhuth

Redaktion: Judith Hartl