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Technik für Wassersportler

Schützt ein Armband vor Haien?

Schon der "Probebiss" eines Hais kann fatal sein, wenn er auch nicht böse gemeint ist. Ein Magnetarmband, das "Sharkbanz" soll das Tier auf Abstand halten. Aber bringt das was? Wir fragen den Haiexperten Erich Ritter.

DW: Herr Ritter, Sie bringen in Ihrer Shark School auf den Bahamas Wassersportler und Naturfreunde unter Aufsicht in Kontakt mit Haien. Sind Sie selbst jemals von einem Hai gebissen worden?

Erich Ritter: Ja, ich bin mehrfach gebissen worden. Der eine Unfall war ein bisschen schlimmer, aber sonst waren es eher harmlose Bisse, die nicht mal stark geblutet haben.

Wie kommt es überhaupt zu Unfällen mit Haien?

80 bis 90 Prozent aller Bisse sind sogenannte Probe- oder Gaumenbisse, mit denen der Hai versucht, herauszufinden, was wir sein könnten. Dazu nimmt er eine Hand ins Maul und drückt nur leicht zu. Es sind die sogenannten sekundären Wunden, die schlimm aussehen - wenn man also die Hand oder das Bein aus dem Maul herausziehen will.

Schützt ein Sharkbanz gegen solche Bisse?

Absolut nicht. Diese Sharkbanz dienen ausschließlich der Psycho-Hygiene und haben überhaupt keinen Effekt. Am 27. Dezember hatten wir einen Unfall in Florida, bei dem ein 14-jähriger Surfer so ein Sharkbanz getragen hat. Der Nutzen des Armbandes ist nie verifiziert worden, weil es nie wissenschaftlich getestet wurde.  

Die Videos, die die Sharkbanz bewerben, sind aber ziemlich eindrucksvoll.

Das stimmt. Aber das ist leicht zu manipulieren, so dass der Hai wieder wegschwimmt. Lange Rede, kurzer Sinn: Dieses Sharkbanz wurde nie von irgendwelchen Experten auf Herz und Nieren geprüft.

Sharkbanz ist ein Armband mit einem Magneten darin. Wie soll das einen Haiangriff verhindern - in der Theorie?

Ein Hai hat die Fähigkeit, bioelektrische Felder zu registrieren, durch ein spezielles Sinnesorgan: die Lorenzinischen Ampullen. Jedes Lebewesen erzeugt durch seine Muskelkontraktionen solche elektromagnetischen Wellen, die der Hai wahrnehmen kann. Mit den Magneten im Sharkbanz möchte man versuchen, das bioelektrische Feld um den Schwimmer oder Surfer herum zu verändern. Die Elektrorezeptoren des Hais sollen so gestört werden, dass er lieber das Weite sucht. Damit das funktionieren kann, bräuchte es aber riesige Magneten, die ein großes Feld erzeugen. Das Magnetfeld, das ein Sharkbanz erzeugt, ist viel zu gering.

Bei dem Unfall, den Sie vorhin angesprochen haben, hat ein junger Surfer ein Sharkbanz getragen. Was ist da passiert?

Es war ein ganz normaler Surfunfall, also eine Situation, von der Sharkbanz sagt, dass es sie verhindern würde. Stattdessen wurde der Junge in den Arm gebissen. Das Problem dieser Bänder ist ihr niedriger Wirkungsgrad. Ein Hai muss sich dem Sharkbanz bis auf zehn Zentimeter nähern, um das Magnetfeld wahrzunehmen. Der Junge hat das Band am Bein getragen und ist in den Arm gebissen worden. Die Abwehr hat hier also gar nicht funktionieren können.

Würde es dann nicht helfen, mehrere solcher Bänder zu tragen?

Nein. Das Feld zur Abwehr wäre immer noch viel zu schwach. Dazu müsste man kiloschwere Magneten verwenden, alles andere wird nicht funktionieren. Sharkbanz ist ja nicht die erste Methode, die Haie fernhalten soll: Sharkshields ist beispielsweise eine andere Abwehrtechnik. Alle versuchen dasselbe, nämlich die Elektrorezeptoren - die Lorenzinischen Ampullen - zu übertölpeln. Aber nichts davon ist wirklich durchdacht.

Screenshot Sharkbanz (sharkbanz.com)

Stylisch und teuer: Knapp 90 Euro kostet ein Armband

Es gibt also keinen sinnvollen Schutz vor Haien?

Nein. Sharkshields funktioniert elektronisch und ist die einzige Technik, die eine Zukunft hätte haben können. Aber auch hier ist das Problem: Die Batterien sind viel zu klein, um ein wirksames elektrisches Feld zu kreieren. Der beste Schutz ist, sich mit dem Tier auseinanderzusetzen.

Was meinen Sie damit?

Kontakt zu dem Tier aufnehmen, es anschauen und verstehen, wie es drauf ist und wieso es auf einen zu schwimmt.  Die Faktoren verstehen, die die Situation beeinflussen. Dann kann man auch mit einem weißen Hai im Wasser sein, genau wie mit jedem anderen Hai auch.

 

Erich Ritter ist Verhaltensforscher an der Universität West-Florida. Er befasst sich mit Haiunfällen und testet Systeme zur Haiabwehr.

Die Fragen stellte Julia Vergin.

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