Schülerinnen nach Angriff von Boko Haram gerettet | Aktuell Afrika | DW | 21.02.2018
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Terrorismus

Schülerinnen nach Angriff von Boko Haram gerettet

Die nigerianische Armee hat einen Teil der seit Montag vermissten Schülerinnen befreit. Die islamistische Terrormiliz Boko Haram hatte ihre Schule zuvor angegriffen und die Mädchen vermutlich verschleppt.

Nigeria - Boko Haram Konflikt (picture alliance/dpa)

Nigerias Streitkräfte sichern ein Boko-Haram-Camp (Archivbild)

"Einige der Mädchen" seien "aus der Gewalt der Terroristen" gerettet worden, sagte ein Sprecher des Gouverneurs des Bundesstaates Yobe im Nordosten Nigerias. Die Mädchen befänden sich in der Obhut der Armee. Nachdem der Polizeikomissar von Yobe eine Entführung der Schülerinnen zunächst bestritten hatte, ist dies die erste offizielle Bestätigung, dass nach dem Überfall der Terrormiliz Boko Haram 111 Mädchen verschwunden waren. Der Sprecher ging nicht darauf ein, wie viele der Entführten nun gerettet wurden.

Die jungen Frauen sind seit einem Angriff der islamistischen Terrormiliz Boko Haram auf die weiterführende Mädchenschule für Wissenschaft und Technik in Dapchi im Bundesstaat Yobe am Montagabend verschwunden. Neben der Gruppe an geretteten Schülerinnen seien die Leichen von zwei weiteren Mädchen entdeckt worden, berichteten Behördenvertreter und Anwohner des Dorfs Dapchi. 

Offizielle Informationen kommen oft sehr spät

Bis zur offiziellen Bestätigung der Entführungen stützten sich die Medienberichte vor allem auf Aussagen von Anwohnern und Eltern der Schülerinnen. Das oft lange Schweigen der Behörden ist kein Einzelfall. Auch in früheren Fällen hatte die Regierung erst sehr spät Informationen bekanntgegeben und Entführungen bestätigt. Im Fall von Chibok, wo im April 2014 insgesamt 276 Mädchen entführt wurden, blieb der damalige Präsident Goodluck Jonathan beispielsweise knapp drei Wochen stumm, was für zahlreiche Spekulationen und Misstrauen sorgte.

Zu dem Vorfall in Dapchi hat sich auch Präsident Muhammadu Buhari bislang nicht geäußert. Dies warf ihm die frühere Ministerin Oby Ezekwesili vor. Sie ist Mitbegründerin von #BringBackOurGirls, einer Gruppe, die sich für die Freilassung der noch entführten Chibok-Mädchen einsetzt.

Nigeria | Mutter mit Fotos ihrer 2014 entführten Tochter (Thomson Reuters Foundation/O. Okakpu)

Noch immer sind 112 Chibok-Mädchen in der Gewalt von Boko Haram

Der Fall sorgte weltweit für Entsetzen und Empörung. Seitdem konnten 164 der Mädchen fliehen oder wurden freigelassen. 112 der Schülerinnen befinden sich bis heute in der Hand der Islamisten.

Provinz Yobe blieb bislang von Angriffen verschont

Boko Haram kämpft seit dem Jahr 2009 gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. In dem Konflikt wurden bisher mindestens 20.000 Menschen getötet und 2,6 Millionen in die Flucht getrieben. Immer wieder verüben die Extremisten Anschläge und Überfälle auf Dörfer, Kirchen, Schulen, Sicherheitskräfte, Politiker und Behördenvertreter.

Ungewöhnlich ist, dass der Überfall in Yobe stattfand. Der Bundesstaat war in der Vergangenheit weitgehend verschont worden, während es vor allem in Borno seit Wochen wieder vermehrt zu Anschlägen der Terrormiliz kommt.

jv/myk/se (afp, ape, rtre, kna, dpa)