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Bildung

Schüleraustausch im Internet

Der klassische Schüleraustausch ist beliebt, aber teuer und bürokratisch aufwendig. Viel einfacher ist die Begegnung unterschiedlicher Kulturen übers Netz. Die Plattform dafür heißt E-Twinning.

Die Unterrichtsstunde, in der sie mit den Schülern aus dem polnischen Jaworzno geskyped haben, ist den Elftklässlern noch in bester Erinnerung: "Wir haben alle einen Zettel bekommen. Auf diesem Zettel stand, was wir die polnischen Schüler fragen sollten“, erinnert sich die 18-jährige Berufsschülerin Karina Miller. Dann hätten sie sich im Hagener Klassenzimmer zu zweit an den PC gesetzt und losgelegt. Zwei Schulstunden lang unterhielten sich die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Polen über Musik, ihre Freizeitaktivitäten und die Stadt, in der sie leben. Schnell, unbürokratisch und ohne hohe Kosten.

Beim klassischen Schüleraustausch, der in Deutschland beliebt ist, ist der Kontakt zwischen Schülern unterschiedlicher Länder wesentlich komplizierter. Hier besuchen sich die Schulklassen aus dem In- und Ausland gegenseitig. Das ist aufregend und macht den Jugendlichen Spaß. Doch die Anreise ist zeitaufwendig und kostspielig. Und für die Lehrer bedeutet der Austausch einen erheblichen bürokratischen Aufwand. Die Berufsschüler der Kaufmannschule II im nordrhein-westfälischen Hagen haben die elektronische Alternative gewählt: E-Twinning.

Der Pädagogische Austauschdienst stellt die Plattform

Lehrerin Sandra Hansen und fünf ihrer Schülerinnen am Computer (Foto: DW/Andrea Groß)

Die Hagener Schüler haben für das Projekt "EcoEurope" mit einer polnischen Schulkasse kooperiert

E-Twinning funktioniert im Prinzip wie ein soziales Medium. Ist man als Lehrer oder Schule angemeldet, kann man auf der Plattform Projektpartner finden und Unterrichtsideen entwickeln. Für die einzelnen Projekte werden virtuelle Klassenzimmer gebildet, so genannte "Twin-Spaces". Dort können Präsentationen, Blogs und Chatforen einfließen. Bereitgestellt wird die Plattform vom Pädagogischen Austauschdienst (PAD), einer Organisation, die den Kontakt von Schülern aus Deutschland mit denen anderer Ländern fördert.

Die Hagener Berufsschüler haben für ihre Doppelstunde den Austausch via Skype gewählt, weil er besonders unmittelbar ist. Die Verbindung sei zwar wackelig und verzerrt gewesen, erzählt die Schülerin Karina Miller. Aber sie hätten dennoch Gesichter und Stimmen der anderen in Echtzeit sehen und hören können. Die 18-Jährige hat dieses Treffen sogar privat noch ein bisschen verlängert. Sie hatte sich beim Skypen den Namen eines polnischen Schülers notiert. "Den habe ich dann bei Facebook gesucht, geaddet. Er wusste direkt, wer ich war. Und dann haben wir ein bisschen geschrieben."

Bei E-Twinning können auch mehr als zwei Länder kooperieren

E-Twinning bedeutet grob übersetzt: als elektronisches Zwillingspaar zusammen zu kommen. Gemeint ist damit, dass Schulklassen aus mindestens zwei Ländern gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Manchmal kooperieren aber durchaus auch Schulen aus drei oder vier Ländern. Karina Millers Klasse zum Beispiel hat neben den polnischen Jugendlichen auch noch mit rumänischen, norwegischen und eine kurze Zeit mit italienischen Schülern an dem Ökologieprojekt "EcoEurope" zusammengearbeitet.

Ein Schüler im polnischen Jaworzno skypt mit der Partnerschule in Hagen (Foto: Kaufmannschule II Hagen)

Der Pädagogische Austauschdienst (PAD) stellt die Plattform für die E-Twinning-Projekte

Sandra Hansen hat das Projekt für die Hagener Schülerinnen und Schüler initiiert und sie begleitet. Hansen ist so genannte Projektlehrerin für E-Twinning. "Ich war auf der E-Twinning-Plattform noch auf der Suche nach einem Projekt für das zweite Schulhalbjahr", erläutert Sandra Hansen. "Und dann haben sich Kollegen bei mir gemeldet, die Interesse an einer Kooperation hatten. Und so kommt man dann zusammen."

Geplant wird im länderübergreifenden, virtuellen Klassenzimmer

In diesem virtuellen Lehrerzimmer findet auch die konkrete Projektplanung statt: Wer übernimmt welchen Teil und wie soll das fertige Produkt am Ende aussehen? Das kann eine einfache Text- oder Fotodokumentation sein, das kann aber auch ein Online-Magazin sein. Im Fall "EcoEurope" hat sich das länderübergreifende Kollegium überlegt, verschiedene Aspekte auf einer Website mit Chat-Forum zusammen zu führen.

Die deutschen Schülerinnen und Schüler mussten für das Projekt "EcoEurope" zum Beispiel herausfinden, wie man in der Stadt Hagen Energie sparen kann. "Da haben wir viel recherchiert, wir haben uns Texte gesucht, Stichpunkte gemacht, interessante Bilder runter geladen", erläutert die Schülerin Sara Cruz das Vorgehen ihrer Arbeitsgruppe. Zu den eigenen Bildern und denen aus den Arbeitsgruppen der Partnerländer hat Sara mit einer Mitschülerin Slogans entworfen und das Ganze als Power-Point-Präsentation auf die Plattform gestellt. Und zum Schluss hätten die Schülerinnen und Schüler dann die Arbeiten aller Teams bewertet, erzählt die Schülerin.

Grenzenlose Projektmöglichkeiten

Im Fall von "EcoEurope" war die Kommunikationssprache Englisch. Es gibt aber zum Beispiel auch ein Projekt, in dem im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts eine spanisch-deutsche Zeitschrift entstanden ist. Thematisch seien die Möglichkeiten grenzenlos, sagt Projektlehrerin Sandra Hansen, die in ihrer Region auch andere Schulen zum Thema E-Twinning berät. "Man kann gemeinsam musizieren. Es gibt Projekte, in denen wurde gemeinsam Theater gespielt. Ich kann mir auch vorstellen, dass man gemeinsam malt."

Auch regional ist vieles möglich. E-Twinning ist bisher zwar auf Europa beschränkt, aber es gibt auch Teilnehmer aus Nicht-EU-Ländern, aus der Türkei beispielsweise und aus Aserbaidschan. Auch einige nordafrikanische Staaten haben bereits Interesse an dem elektronischen Schüleraustausch angemeldet. Der gegenseitige Besuch muss sich dabei ja nicht völlig ausschließen. Manch ein Schüler würde vermutlich am liebsten schon jetzt die Koffer packen. "Ich fände es cool, wenn unser Kurs gemeinsam losfahren würde, um sich anzusehen, wie die Klassen und der Unterricht woanders aussehen", sagt Karina Miller.

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