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Aktuell Europa

Schüler und Studenten machen gegen Arbeitsrechts-Reform mobil

Zu Tausenden sind sie in Frankreich wieder gegen die Pläne der sozialistischen Regierung auf die Straße gegangen. Weit mehr als 100 Gymnasien blieben geschlossen. Das Valls-Kabinett versucht, die Gemüter zu beruhigen.

Sie sehen ihre Zukunft gefährdet: Schüler und Studenten marschieren durch Paris (Foto: AFP)

Sie sehen ihre Zukunft gefährdet: Schüler und Studenten marschieren durch Paris

Zehntausende französische Schüler und Studenten haben ein weiteres Mal gegen die geplante Reform des Arbeitsrechts protestiert. In der Hauptstadt Paris und anderen Städten blockierten sie zahlreiche Schulen und Universitätsgebäude und versammelten sich zu Kundgebungen auf der Straße. "Wir kämpfen für unsere Zukunft", machte ein Pariser Gymnasiast deutlich. Die Reform würde bedeuten, "dass wir mehr arbeiten und weniger verdienen".

Auch einige Ausschreitungen

In Paris gab es einige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Randalierer, die sich unter die Protestierenden gemischt hatten, demolierten Bank-Gebäude und eine Immobilienagentur, wie Augenzeugen angaben.

In der bretonischen Stadt Rennes stürmten hunderte Jugendliche den Bahnhof und blockierten die Gleise. Die Staatsbahn SNCF ließ den Zugverkehr stoppen und kappte den Strom an den Oberleitungen. "Das ist ein ziemlicher Albtraum, wenn Leute auf die Gleise vordringen, vor allem Kinder", sagte ein Sprecher. Anschließend lieferten sich vermummte Jugendliche vor dem Rathaus der Stadt Straßenschlachten mit der Polizei. Die Beamten setzten dabei Tränengas ein. Ausschreitungen gab es auch in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille.

Im ganzen Land wurden nach Angaben des Bildungsministeriums 115 Gymnasien blockiert, eine Schülervereinigung sprach von bis zu 200 Schulen. Auch mehrere Universitäten blieben geschlossen.

Studentenproteste gegen Arbeitsrechts-Reform in Paris (Foto: Getty)

Gegen die Abschaffung der 35-Stunden-Woche und die Lockerung des Kündigungsschutzes

Beamtengehälter sollen erstmals seit 2010 steigen

Bereits vor einer Woche waren in ganz Frankreich hunderttausende Menschen aus Protest gegen das Vorhaben der sozialistischen Regierung von Staatschef François Hollande auf die Straße gegangen. Neben Studenten- und Schülerorganisationen hatten auch mehrere Gewerkschaften dazu aufgerufen.

Angesichts des heftigen Gegenwinds machte die Regierung von Premierminister Manuel Valls nun ein weiteres Zugeständnis. So sollen die seit sechs Jahren eingefrorenen Gehälter im öffentlichen Dienst in zwei Stufen um insgesamt 1,2 Prozent steigen. Man wolle dafür rund 2,4 Milliarden Euro in die Hand nehmen, teilte ein Sprecher mit.

Am vergangenen Montag hatte das Kabinett eine abgeschwächte Version seiner Reform vorgestellt, mit der unter anderem die seit dem Jahr 2000 in Frankreich geltende 35-Stunden-Woche und der Kündigungsschutz gelockert werden sollen. Die Gegner der Reform halten die Zugeständnisse aber nicht für ausreichend. Am 31. März ist ein weiterer landesweiter Protesttag geplant, an dem dann auch wieder die Gewerkschaften marschieren wollen.

Die Regierung will die Gesetzesreform noch vor der Sommerpause vom Parlament verabschieden lassen.

se/wl (afp, ap, rtr)