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Global Ideas

Schüler im Wüstenstaat kämpfen für grüne Energie

Im sonnigen US-Wüstenstaat Nevada wollen Schüler ihre High School grüner machen. Auch mächtige Opposition kann sie nicht abhalten.

Im Süden Nevadas ist es die meiste Zeit des Jahres sonnig und heiß. Kein Wunder, denn die Gegend ist eine Wüste. Aber nur wenige Kilometer von der Glitzermetropole Las Vegas entfernt berichten mir die Schüler in der Umwelt-AG der Sierra Vista High School, dass es hier selbst im Verlauf ihres erst kurzen Lebens noch heißer geworden sei.

Sie sagen, die globale Klimaerwärmung sei ein Grund dafür, dass sie sich für grüne Energie als Ersatz für die klimaschädlichen fossilen Brennstoffe einsetzen - bei der Schulbehörde, bei Politikern, Mitschülern und selbst bei den Grundschülern.

Sie haben ein schulweites Recyclingprogramm gestartet, einen Biogarten angepflanzt und halten für die jüngeren Kinder Vorträge über erneuerbare Energien.

"Wir versuchen ihnen beizubringen, wie man Energie spart", sagt Jesse Yun, der 2016 seinen Abschluss gemacht hat. "Wir wollen die Idee einer jungen Generation einpflanzen, die größere gesellschaftliche Veränderungen anstoßen können wird, als wir heute."

Eine clevere Idee

Im vergangenen Frühjahr traf ich mich mit einigen Schülern der 60 Mitglieder zählenden Umwelt-AG, kurz nachdem sie einen großen Sieg errungen hatten - sie hatten durchgesetzt, dass die Beleuchtung ihrer Schule durch energiesparende LED-Lampen ersetzt wird.

Foto: Jugendliche und Kinder diskutieren in einem Klassenzimmer

Mitglieder der Umwelt-AG der Sierra Vista High School informieren Grundschüler über erneuerbare Energien

Während des vergangenen Jahres hatten sie sich mehrmals mit LED-Anbietern getroffen. Beraten durch ihre Lehrerin im Fach Umweltbildung, Arlene Kam, und ihren Schuldirektor John Anzalone, erklärten sie der Schulbehörde ihren Antrag - darin enthalten war eine detailliert durchgerechnete Energiebilanz und die zu erwartenden Einsparungen. Die Schüler betonten auch die Vorteile der Nutzung von LEDs für die Umwelt. Der Einsatz der Jugendlichen rührte einige der Behördenvertreter zu Tränen, erinnert sich Kam: "Ich denke, die Schulbehörde hat dieses Projekt unterstützt, weil es nicht von den Lehrern oder der Verwaltung kam, sondern von den Kindern ausging", sagt Kam.

Nach dem Plan der Studenten kommt der LED-Anbieter zunächst selbst für die Lampen und deren Installation auf. Die Summe entspricht dem Geld, das in den folgenden 3,8 Jahren eingespart wird, und so die offene Rechnung begleicht. Dann gehören die Lampen der Schule. Was danach gespart wird, kann direkt in die Anschaffung von Büchern oder sogar die Anstellung neuen Personals investiert werden.

"Unsere Lichtrechnung liegt im Augenblick bei 10.500 US-Dollar (9560 Euro)", sagt Anzalone. "Die Schüler haben ausgerechnet, dass LEDs unsere Rechnung um 7000 Dollar (6370 Euros) drücken und die Einsparungen unserem Schulhaushalt zugute kommen würden. In einer Zeit, in der wir mit deutlichen Haushaltskürzungen zu kämpfen haben, wären die LEDs wichtig, um unserer Schule zu helfen."

Clark County, in dem die High School liegt, ist mit 356 weiteren Schulen der fünftgrößte Schulbezirk der USA. Aber Sierra Vista wird die erste Schule sein, die die grüne Lichtwende vollzieht. Der Wechsel zu den LEDs hat bereits begonnen und soll zu Beginn des kommenden Schuljahres abgeschlossen sein.

Aber trotz des Erfolges bei den LEDs sind die Schüler auf dem Weg zu ihrem anderen großen Ziel in die Sackgasse geraten: die Schule auf Solarenergie umzustellen.

Umweltschutz trifft auf Politik

"Es war ein großer Traum von Ms Kam, dass in der High School Solarpanele installiert werden", sagt Luwam Hailu von der Umwelt-AG. "Wir sagten uns, 'Warum nicht versuchen, das umzusetzen?'"

Foto: Schüler halten während einer Sitzung der Schulaufsichtsbehörde Schilder für den Umweltschutz hoch.

Bei einer Sitzung der Schulaufsichtsbehörde halten Schüler Schilder hoch, die Solarenergie für ihre Schule fordern

Aber trotz aller Petitionen an die Schulbehörde im vergangenen Jahr, wurde ihnen klar, dass die Solarrevolution an ihrer Schule erst lange nach ihrem Abschluss stattfinden würde - wenn überhaupt.

Die leidenschaftlichen Appelle der Schüler und eine Präsentation zu den langfristigen Energieeinsparungen und Umweltvorteilen ließen die Behördenvertreter kalt. Ihre Einschätzung war, dass Solarpanele für Sierra Vista "nicht kosteneffektiv" seien, obwohl einige Grundschulen des Bezirks bereits welche haben.

Die engagiertesten Befürworter von Solarstrom an der Sierra Vista High School haben im Juni ihren Abschluss gemacht, und sie sagten mir, dass sie unsicher seien, ob die verbliebenen Mitglieder des Klubs sich weiterhin für Solarenergie an der Schule einsetzen würden.

Diese Sturheit der Behörden kam den AG-Mitgliedern komisch vor. Sie sagen, der wahre Grund, der Schule die Solarpanele vorzuenthalten, sei politisch. Ihre Beraterin Kam wird da deutlicher: "Nevada Energy, der Energieversorger, ist ein Monopolist, der kein Interesse daran hat, dass die Leute im Staat Solarenergie nutzen."

Justine Frias, die 2016 ihren Abschluss gemacht hat und auch die Umwelt-AG leitete, stimmt dem zu. Sie verweist auf das merkwürdige Nachspiel einer Präsentation, die sie im Mai vor dem Bürgermeister von Las Vegas gehalten hatte.

Frias war eingeladen worden, den Kampf für eine sauberere Welt zu erläutern, dem sich ihre Umwelt-AG verschrieben hat - und welche wichtige Rolle der Solarenergie darin zukommt. Der Vortrag wurde aufgezeichnet und das Video auf die Webseite der Stadt gestellt. Aber ein Fünf-Minuten-Segment fehlte. Genau die fünf Minuten, in denen Frias erklärte, wie die 13 Millionen Dollar an Subventionen, die die US-Regierung an Nevada Energy zahlt, geholfen haben, die #link:http://www.marketplace.org/2016/02/23/world/nevada-solar:Solarindustrie im Süden Nevadas kaputt zu machen.#

Foto: Solarpanele auf einem Dach

Solarpanele wird die Schule bis auf weiteres nicht bekommen

"(Die Stadt) hat den Teil gelöscht", sagt Frias. "Ich habe gezeigt, wie Nevada Energy die Solarenergie im Staat aufhalten will. Aber ich denke, das Büro des Bürgermeisters hielt das für ein zu großes politisches Risiko. [Der Vorgang] belegt im Prinzip genau das, was ich da gesagt habe.

Frias' Behauptungen wurden allerdings durch detaillierte Berichte gestützt. Seit mehr als einem Jahr liegen Nevadas Solarkunden im Clinch mit der Energieaufsicht des Staates. Die hat 2015 dafür gesorgt, dass der Einsatz von Solarpanelen sich kaum mehr rechnet und die boomende #link:http://www.marketplace.org/2016/02/23/world/nevada-solar:Solarenergie-Branche im Süden des Staates faktisch abgewürgt.#

Eine Lektion fürs Leben

Anzalone hat sich ebenfalls bei der Schulbehörde für die Solarpanele eingesetzt. Aber er glaubt, es war keine verlorene Mühe. Die Schüler sind für ihre Umwelt-Kampagne aufs Ganze gegangen. Im Gegenzug haben sie nicht nur etwas über Naturwissenschaften und Technik gelernt, sondern auch gleich über Wirtschaft und Politik in der realen Welt, sagt er.

"Diese Kids haben mehr Geduld aufgebracht, als die meisten Erwachsenen, die ich kenne. Sie haben gelernt, wie sie in einem Distrikt dieser Größe und mit so viel Bürokratie, mit Rückschlägen gut klar kommen. Egal ob schulisch, politisch oder wissenschaftlich - sie haben auf allen Ebenen sehr viel gelernt."

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