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Kultur

Schüler hatten Amok-Pläne bereits aufgegeben

Die beiden Kölner Schüler, die einen Anschlag auf ihre Schule vorbereiteten, hatten ihre Pläne schon seit mehreren Wochen wieder aufgegeben. In Kaarst wurde eine Schule wegen der Gefahr eines Amoklaufs geschlossen.

Kölner Georg-Büchner-Gymnasium, Quelle: AP

Im Kölner Georg-Büchner-Gymnasium sollte der Amoklauf stattfinden

Im Fall des vermeintlich vereitelten Amoklaufs von Köln hat es eine überraschende Wende gegeben: Die beiden Schüler eines Kölner Gymnasiums hatten ihre Anschlagspläne schon lange vor dem Eingreifen der Polizei vom Wochenende aufgegeben, wie der Kölner Oberstaatsanwalt Alf Willwacher am Montag (19.11.2007) mitteilte. Dies ergab eine nochmalige Vernehmung des 18-jährigen Festgenommenen sowie die Auswertung der Computer beider Schüler. Daraufhin verzichtete die Staatsanwaltschaft darauf, gegen den 18-Jährigen einen Haftbefehl zu beantragen. Vielmehr wurde er mit seiner Einwilligung in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht.

Polizeiauto, Quelle: dpa

Die Polizei schritt rechtzeitig ein

Willwacher zufolge hatte er bereits vor vier Wochen seinem 17 Jahre alten Mitschüler in einem Chat mitgeteilt, dass er sich an der Tat nicht beteiligen werde. Anfang November forderte er demnach vom dem 17-Jährigen Sehne und Pfeile einer Armbrust zurück, die bei den Ermittlungen gefunden worden war. Der 17-Jährige, der sich am Freitag das Leben genommen hatte, antwortete daraufhin in dem Chat, dass er die Tat alleine nicht begehen wolle.

"Strafbefreiender Rücktritt"

Mit Blick auf die neuen Erkenntnisse hielten die Strafverfolger dem 18-Jährigen zugute, dass er von der geplanten Tat Abstand genommen habe. Juristen sprechen in diesem Zusammenhang von einem "strafbefreienden Rücktritt". Der am Sonntagmorgen vorläufig Festgenommene hatte in einer ersten Vernehmung lediglich gesagt, dass er die ursprünglich für Dienstag geplante Tat gemeinsam mit dem 17-jährigen vorbereitet habe. Die Kölner Behörden waren daraufhin am Sonntag davon ausgegangen, dass sie einen Amoklauf am Georg-Büchner-Gymnasium im Stadtteil Weiden vereitelt hätten.

Waffen, die bei dem 17-Jährigen Slebstmöder gefunden wurden, Quelle: AP

Waffen, die bei dem 17-Jährigen Slebstmöder gefunden wurden

Der 17 Jahre alte Schüler hatte sich am Freitag in Köln vor eine Straßenbahn geworfen, nachdem Schulleitung und Polizei mit ihm nach Hinweisen von Mitschülern ein Gespräch über gewaltverherrlichende Fotos auf seiner Homepage geführt hatten. Gymnasiasten der Klassen 10 und 13 hatten den stellvertretenden Schulleiter darüber informiert, dass der 17-Jährige Bilder des Columbine-Schulmassakers in den USA ins Internet gestellt hatte.

Lobende Worte der Schulministerin

Die Ermittlungen nach dem Selbstmord hatten die Polizei zu dem 18-jährigen Mitschüler geführt. Bei Durchsuchungen der Wohnungen beider Schüler fanden die Ermittler zwei Armbrüste, mehrere Softairwaffen und eine Liste mit den Namen von 17 Lehrern und Schülern, die womöglich dem Amoklauf zum Opfer fallen sollten. Die beiden Gymnasiasten sollen sich zudem Informationen über die Herstellung von Rohrbomben beschafft haben.

Im Georg-Büchner-Gymnasium fiel am Montag der Unterricht aus. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer (CDU) lobte Schüler und Lehrer für ihr aufmerksames Verhalten. Sie sei dankbar, dass der "worst case" nicht eingetreten sei, sagte sie nach einem Gespräch mit der Schulleitung. Lehrerverbände forderten, noch stärker auf Signale und Auffälligkeiten bei Schülern zu achten und Hilfen anzubieten.

Hinweise auf Amoklauf in Kaarst

Nach einem vagen Hinweis auf einen geplanten Amoklauf bleibt ein Gymnasium in Kaarst bei Düsseldorf am Dienstag vorsorglich geschlossen. Das bestätigte der Sprecher der Neusser Polizei. Es handele sich um vage Hinweise der finnischen Polizei.

Die dortigen Ermittler seien in einem Chatroom-Gespräch im Internet auf eine Unterhaltung zweier Personen gestoßen, die wiederum gehört haben wollen, dass ein Amoklauf am Kaarster Gymnasium geplant sein könne. "Wir haben aber keine konkreten Hinweise", unterstrich der Sprecher. Er rechne damit, dass am Mittwoch der Unterricht wieder aufgenommen werden könne. (tos)

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