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Musik

Schüler als Konzertmanager

Wie kommt ein Konzert zustande, was muss vorher alles geplant werden, welche vorbereitenden Schritte sind nötig? Antworten darauf gibt ein Schülermanagementprojekt des Beethovenfestes

Pappschablone für die Graffitiaktion (Quelle: Sonja Werner)

Vorlage für die Graffitis

Freitag Nachmittag in der Vorhalle zum Bürotrakt der Festivalleitung des Beethovenfestes: Punkt 16 Uhr startet Projektleiterin Miriam Loef mit zehn Schülerinnen und Schülern die abschließende Besprechung für die anstehende Graffitiaktion, bei der die Jugendlichen Werbung für zwei besondere Konzerte machen wollen: dort trifft ernste Klassik auf fette HipHop-Beats. Auf mehreren Tischen liegen Pappen, aus denen Schablonen mit dem Logo des "Jungen Beethovenfestes" für die Graffitiaktion ausgeschnitten werden sollen. Die meisten der Schüler sind direkt von der Schule hierhin gekommen – und haben glatt das Teppichmesser für die Pappen vergessen.

Von der Idee zum Konzert

Schüler beim Beethovenfest - Graffitiaktion in der Bonner City (Quelle: Barbara Frommann)

Konzert mit Klassik und HipHop - von Schülern selbst organisiert

Die Konzerte mit Klassik und HipHop, auf die die Graffitis hinweisen sollen, sind Höhepunkt und gleichzeitig auch Abschluss eines Schülermanagement-Projektes des Bonner Beethovenfestes: Seit Januar dieses Jahres konnten 16 Gymnasiasten zwischen 16 und 18 Jahren der Intendantin Ilona Schmiel und den Mitarbeitern des Festivals bei der Vorbereitung eingehend über die Schulter blicken. Die Resonanz darauf war unerwartet groß; und dass sich besonders viele Jungen bewarben, lag wohl hauptsächlich an dem verlockenden HipHop-Event, meint Adriane von Carlowitz von der Marketingabteilung des Beethovenfestes. Natürlich gab es im Verlauf des Projektes immer wieder mal Hängephasen und Motivationsprobleme; trotzdem ließen die Schüler sich davon nicht beirren: "Die waren mit einer Energie und einem Elan dabei, der manchmal unter der pubertären Phase etwas leidet, aber sie wollten das unbedingt."

Erfahrungen sammeln

Neun Monate lang stand für die Schülerinnen und Schüler nach Unterrichtsschluss nicht relaxen auf dem Plan, sondern noch einmal Aufmerksamkeit, Konzentration und Kreativität. Dass sich die Mühe gelohnt hat, zeigt sich beispielsweise am Logo des "Jungen Beethovenfestes". "Da gab es Diskussionen, die sehr intensiv und sehr professionell geführt wurden und die am Anfang des Projektes überhaupt nicht möglich waren", so Adriane von Carlowitz, " wir haben gemerkt, die Schüler haben schnell gelernt und wirklich viel Arbeitserfahrung gesammelt und jetzt sind sie uns wirkliche Gesprächspartner, manchmal richtig sogar auf einer Ebene."

Ein Job für Morgen?

Im Büro der Dramaturgie sitzt Marie Christine, die neben dem Graffitiprojekt auch an anderen Sachen mitgearbeitet hat. Beispielsweise führte sie ein Interview mit dem jungen Pianisten Teo Gheorghiu, das im aktuellen Festivalmagazin abgedruckt ist. Das Schülermanagementprojekt ist für die Gymnasiastin mehr als nur ein Praktikum: "Man bekommt sonst nie so einen wirklichen Einblick, und jetzt können wir ganz real alles selber mitbestimmen und mitgestalten. Das ist eine einmalige Möglichkeit."

Lachende Schüler bei der Graffitiaktion in der Bonner City (Quelle: Sonja Werner)

Machte Laune: die Graffitiaktion in der Bonner City

Auch ihr Kollege Julius findet das Projekt ziemlich cool, denn immerhin mussten die Jugendlichen die Klassik-Hiphop-Konzerte komplett selbst organisieren – mit Location, Künstlern und allem drum und dran. Doch das Ganze hat sich gelohnt, sowohl die Arbeit im 16köpfigen Schülerteam, als auch die Einblicke in die Organisation: "Also man kennt jetzt viele Abläufe, die einem vorher unbekannt waren, der Kontakt zu Sponsoren oder so was, also da kriegt man schon einen genaueren Einblick, den man vorher nicht bekommen hat.“

Käme eine solche Tätigkeit auch als zukünftiger Job in Betracht? Marie Christine kann sich das auf jeden Fall vorstellen, weil die Arbeit vielseitig und interessant ist. Auch Julius zeigt sich nicht abgeneigt; die Kenntnisse könne man ja auch im Popbereich gebrauchen.

Vom HipHop zu Beethoven

Mit dem Projekt, so Adriane von Carlowitz, sollten bewusst einmal Gymnasiasten angesprochen werden, weil ansonsten viele Bildungs- und Edukationsprogramme meist Real- oder Hauptschülern zu Gute kommen. In Punkto Musik seien sich aber alle ziemlich gleich: Auch die Mitwirkenden des Schülermanagementprojektes stehen eher auf Popmusik als auf Klassik; dennoch bleibe die Musik Beethovens auf sie nicht ohne eine gewisse Nachwirkung. Zu dem Projekt gehört auch der Besuch von mindestens drei Konzerten des Beethovenfestes, die die Schüler sich frei auswählen können. Gerade bei Abenden mit einem gemischten Programm aus Klassik und Neuer Musik erlebt Adriane von Carlowitz, dass Beethoven durchaus eine Favoritenrolle unter den Jugendlichen einnimmt: "Wir haben sogar manchmal die Diskussion jetzt, dass die Schüler sagen, warum eigentlich Crossover, warum nicht die pure Form, das eine oder das andere. Also insofern ist da schon eine Entwicklung zu sehen."

Autor: Klaus Gehrke

Redaktion: Matthias Klaus