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Kultur

Schöpfungslehre an US-Schulen?

US-Präsident Bush möchte, dass an den Schulen neben der Evolutionstheorie auch die Schöpfungslehre unterrichtet wird. Wissenschaftler sind alarmiert.

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Bibeltreu: George W. Bush

The Creation - Michelangelo

Die Erschaffung Adams - Fresko von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan

Es war ein Gespräch unter Texanern. Einer der Journalisten von fünf Regionalzeitungen, die am Montag (1.7.2005) dem US-Präsidenten gegenübersaßen, fragte George W. Bush nach seiner Meinung zum "intelligenten Design". Zwar weigerte sich Bush, zu erklären, was er persönlich von dieser Idee halte, derzufolge das Leben auf der Erde nicht ohne ein höheres Wesen entstanden sein kann. Doch er bejahte, wenngleich ausweichend, die Frage, ob diese Form der Schöpfungslehre an Schulen unterrichtet werden sollte: "Ich denke, dass es Teil der Bildung ist, die Menschen mit verschiedenen Denkschulen vertraut zu machen."

"Intelligentes Design"

Schulunterricht in den USA

Schüler in Chicago

Damit hat der Präsident nun Position bezogen in einer Debatte, die auf manchen etwas bizarr wirken mag: Bibeltreuen Christen in den USA ist es ein Dorn im Auge, dass im Biologieunterricht Charles Darwins Evolutionstheorie gelehrt wird. Die Schöpfungslehre, so die Forderung, müsse zumindest gleichberechtigt unterrichtet werden. In letzter Zeit vermeiden viele Befürworter das Wort "Gott" und verwenden stattdessen die wissenschaftlich verbrämte Idee vom "intelligenten Design". In dieser Vorstellung ist das Leben auf der Erde viel zu komplex, um durch Mutation und Selektion entstanden zu sein, ohne dass eine höhere Macht ihre Hand im Spiel gehabt hätte.

Gott im Bio-Unterricht

Im Bundesstaat Kansas könnte Gott schon bald Einzug in die Bio-Stunde erhalten. Ein Gremium, das die dortige Schulbehörde berät, will neben der Evolutionstheorie auch das "intelligente Design" vermitteln lassen - es wird allgemein erwartet, dass die Behörde dem Vorschlag folgt. In rund 20 Staaten gibt es ähnliche Diskussionen.

Evolution

In der Sonderausstellung "Evolution" (2004) sind Affen- und Menschenschädel zu einem Stammbaum angeordnet

Die Idee vom intelligenten Design sei eindeutig keine Wissenschaft und habe daher nichts im naturwissenschaftlichen Unterricht zu suchen, meint Albert Teich von der AAAS, der größten Wissenschaftsvereinigung der USA: "Wissenschaftliche Theorien sind falsifizierbar, aber das intelligente Design lässt sich nicht widerlegen." Die Anhänger der Schöpfungslehre könnten nun die jüngsten Bemerkungen von George W. Bush benutzen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, sagt Teich voraus. "Es wäre hilfreich, wenn der Präsident seine Aussage präzisieren könnte - und klarstellen, dass die Regierung das intelligente Design nicht als Wissenschaft betrachtet." Gegen eine Behandlung des Themas im Philosophieunterricht sei nichts einzuwenden, falls Bush dies gemeint haben sollte.

"Angriff auf die Wissenschaft"

Charles Darwin

Charles Darwin im Jahr 1875

Das sieht auch Lawrence Krauss so: "Viele Leute glauben, dass das Leben geschaffen wurde und dass die Erde nur 10.000 Jahre alt ist. Wenn man über moderne Glaubenssysteme reden will, kann man das behandeln." Krauss, Physiker an der Case Western Reserve University in Ohio, gehört in den USA zu den prominentesten Gegnern der Versuche, die Evolution als eine Theorie unter mehreren darzustellen. "Das ist ein Angriff auf die Wissenschaft als Ganzes", glaubt er. Insofern seien die Bemerkungen extrem unglücklich: "Was auch immer Bush persönlich glauben mag, als Präsident eine solche Bemerkung zu machen, ist unglaublich unverantwortlich."

Bekehrung nach dem Zusammenbruch

George Bush betet

George Bush spricht ein Gebet (1999)

Wolfram Kinzig, Theologe an der Universität Bonn, ist davon indessen kaum überrascht. "Bush ist ein sehr ernster Bibelchrist mit stark fundamentalistischen Zügen", sagt Kinzig. Nach einem Alkohol- und Geschäftszusammenbruch habe Bush ein Bekehrungserlebnis gehabt. Zwar sei er über seine Frau Laura zu den eigentlich eher liberalen Methodisten gestoßen, in seinem Denken jedoch vor allem von den konservativen Southern Baptists beeinflusst. "Er hat ein sehr ausgeprägtes Sendungsbewusstsein und stellt sich tatsächlich vor, dass es Gottes Auftrag ist, Demokratie und Freiheit zu verbreiten - das kommt in fast jeder wichtigen Rede von ihm vor." Da Bush die Bibel beim Wort nehme, passe die Idee von einer intelligenten Schöpfung sehr gut zu seiner Frömmigkeit.

Schaden dürfte dies Bushs Popularität kaum - im Gegenteil. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup zufolge glauben 45 Prozent der erwachsenen Amerikaner, dass Gott den Menschen innerhalb der letzten 10.000 Jahre erschaffen hat. Dass sich der Mensch ohne Gottes Zutun entwickelt hat, glauben dagegen nur 12 Prozent der Bevölkerung.

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